Coronavirus: Gesundheitsamt „gut vorbereitet“ – nur leider nicht immer erreichbar?

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Virus Symbolbild Foto: Pixabay

Ein Ehepaar kommt aus einem Urlaub auf Bali und in Singapur zurück, zeigt Symptome wie 40 Grad Fieber und andere, die durchaus auf eine Infektion mit dem Virus zurückzuführen sein könnten. Er meldet sich telefonisch bei seiner Hausarztpraxis. Die Ärztin ruft im Gesundheitsamt Braunschweig an, aber niemand kann ihr helfen. Am nächsten Morgen ruft ihr Kollege dort an, aber wieder sei „keiner da“ gewesen. Erst nach weiteren Versuchen habe es einen Rückruf gegeben. Später dann zwar ein Anruf beim Patienten zuhause, für den Mitarbeiter des Amtes sei aber ohne weitere Überprüfung klar gewesen, dass in diesem Fall nichts weiter zu tun sei. Begründung: der Patient habe sich ja nicht in der chinesischen Provinz Hubei aufgehalten, nur dann gälte er als Risikopatient.

Dass es in Singapur längst 10 Fälle einer Infektion mit dem Virus gibt, dass mehr als drei Viertel der Bevölkerung Singapurs Chinesen sind, die rege Beziehungen nach China und auch sonst in alle Himmelsrichtungen haben, all das ist kein Thema fürs Gesundheitsamt.

Die Braunschweiger Zeitung (konkret die Redakteure Dolle und Lohner) hat den Fall dankenswerter Weise bekannt gemacht. Die Redakteure haben auch die Stadt und das Landesgesundheitsamt um Stellungnahmen gebeten. Und die haben es in sich: alles sei richtig gelaufen! Kein Wort des Bedauerns darüber, dass das Gesundheitsamt stundenlang nicht erreichbar war. Stattdessen die schon recht dreiste Behauptung, Ärzte könnten das Gesundheitsamt telefonisch und per Mail erreichen, falls sie Unterstützung bräuchten. Nebenbei wird suggeriert, die Ärzte, die im vorliegenden Fall genau das versucht haben, hätten irgendetwas falsch gemacht („Diese Kontakte seien den niedergelassenen Ärzten bekannt.“).

Diese ignorante Reaktion lässt befürchten, dass das Gesundheitsamt und die Stadt eigene Schwachstellen und Fehler schlicht zudecken, anstatt sie gerade aufzuspüren, um sie im Interesse der Bürger schnell abzustellen. Das könnte sich sogar als sogar lebenswichtig erweisen. Eine öffentliche Erklärung und eine Entschuldigung bei den Ärzten wie bei den betroffenen Patienten wäre angebracht. Vor allem würden sie die Zuversicht erhöhen, dass kein Bürger künftig Ähnliches erleben muss. Vielleicht sollte der Oberbürgermeister selber hier für Klarheit sorgen?

1 KOMMENTAR

  1. Schön, dass dieser Fall vom Braunschweig-Spiegel aufgegriffen wurde. Als früherer Hausarzt, der bis vor knapp drei Jahren in Braunschweig praktizierte, kann ich nur bestätigen: Das Gesundheitsamt ist telefonisch schlecht zu erreichen. Ich habe diese Erfahrung während meiner Tätigkeit oft gemacht. Das liegt daran, dass es dort keine zentrale Vermittlung gibt, von der weitervermittelt werden kann oder von der Zeiten mitgeteilt werden können, zu denen der/die MitarbeiterIn ansprechbar ist. So etwas müsste dringend eingerichtet werden. Zusätzlich wäre eine Notfallnummer für Sonderfälle außerhalb der Bürozeiten erforderlich, zumindest für kritische Zeiten mit drohenden oder aktuellen Epidemien.

    Das Gesundheitsamt sollte die jetzige Situation für sich nutzen, um die Einrichtung der genannten Verbesserungen einzufordern. Dies wäre sowohl für die Bürger als auch für kommunizierende Arztpraxen dringend erforderlich.

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