Buchbesprechung: „Solidarische Bildung“

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Buchbesprechung: „Solidarische Bildung“ – Erstes Buch des „Institut Solidarische Moderne“ (ISM) erschienen

Bildung scheint in unserer neoliberalen Zeit keinen Wert mehr an sich zu besitzen. Rasch abrufbares Wissen jedoch durchaus, sofern es dem Mehrwert dient. Schon im Vorschulalter bleibt den Kindern keine Zeit mehr die Welt für sich zu entdecken und das Entdeckte mit anderen zu teilen. Das Kind könnte später benachteiligt sein, wenn es teilen lernt und möglichst schon mit englischen oder gar chinesischen Grundlagen die Schulwelt betritt. Schnell wird die Schulzeit, vollgestopft mit marktorientiert zielgerichteten Anforderungen durchlaufen oder durchlitten, um möglichst frühzeitig dem Markt zur Verfügung zu stehen. Schließlich stehen wir im Wettbewerb – im Kindergarten und der Schule, mit Kollegen oder Kolleginnen, in der EU und in der Welt und letztendlich um den Platz im Altenheim.

Foto: Dieter Schütz/ pixelio.de

Solidarität ist fast zu einem Schimpfwort verkommen. Akzeptiert wird sie noch, wenn sie zum persönlichen Vorteil gereicht. Jeder und jede kämpft für sich. Für die Firma erforderliche Teamarbeit wird Solidarität in Kursen soweit möglich erlernt und nicht gelebt. Solidarität stört im marktradikalen Kampf um vermeintliche persönliche Vorteile. Dass dabei Menschlichkeit auf der Strecke bleibt ist erwünscht, denn die hat keinen monetären Wert – und nur dieser zählt.

69 AutorInnen aus den unterschiedlichsten Institutionen und Organisationen haben sich nun aufgemacht, um das Buch „Solidarische Bildung“ zu schreiben. Es geht also um Solidarität und Bildung, die beiden inhaltsvollen Begriffe, die keinen Wert mehr zu haben scheinen.

Unter dem Titel „Solidarische Bildung – Crossover: Experimente selbstorganisierter Wissensproduktion“ nimmt das vorliegende Buch Stellung zur zunehmenden neoliberalen Umgestaltung der Bildungssysteme. Es richtet sich an alle, die sich gegen den neoliberalen Mainstream in Theorie und Praxis zur Wehr setzen wollen.Die erste Print-Publikation des Instituts Solidarische Moderne ist beim VSA Verlag erschienen

Zentrale These, die sich durch alle Beiträge hindurch zieht, ist, dass das bestehende Bildungssystem zwar äußerlich den Anspruch demokratischer Bildung erhebt –seine Funktion tatsächlich jedoch in der Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheiten besteht. Die AutorInnen des Buches „Solidarische Bildung“ setzen dem ein sozial gerechtes Bildungssystem entgegen, das Teil der Daseinsvorsorge ist, die jedem und jeder kostenlos zur Verfügung stehen muss und als demokratisch verfasste Infrastruktur zur Selbstbildung dient.

 Das Buch ist zum Preis von 22,90 Euro in allen Buchhandlungen und direkt auf der Webseite des ISM zu bestellen. Für ISM-Mitglieder ist ein Kontingent zum Vorzugspreis von 15,00 Euro plus 2,00 Euro Porto und Versand verfügbar.

Johannes Angermüller / Sonja Buckel / Margit Rodrian-Pfennig (Redaktion)

336 Seiten, EUR 22.80, ISBN 978-3-89965-498-1

 

 


Kommentare   
 
0 #5 Lilo 2012-02-09 00:07
@ Wilma,
du schreibst hier „wirkliche Solidarität bedeutet: dass man sich für andere Menschen und Dinge einsetzt , ohne einen persönlichen Vorteil (Nutzen) davon zu haben!“
Bitte mal ein Beispiel davon, das könnte mich vielleicht glatt überzeugen.
 
 
 
0 #4 Wilma Armbrecht 2012-02-08 16:47
@ Lilo: Wieso bitter enttäuscht? Hab ich nichts von geschrieben!

Das, was Du schreibst, hört sich an wie eine mir gut bekannte Propaganda, Lilo 😉

Deine Meinung ist also: dass ich den individuellen Eigennutz an der Sache nicht überzeugend genug rübergebracht habe? Ich soll also die Meute so überzeugen, dass sie für meinen individuellem Eigennutz mitmacht? Wie schafft man das? Durch Propaganda?
Soll ich ihnen durch Halbwahrheiten vorgaukeln, dass es für sie einen Nutzen hat, bei mir mitzumachen?
Das ist doch ziemlich perfide! Und das bedeutet für Dich Solidarität?

Aber das ist Deine Meinung, Lilo. Ich glaube jedoch, Du hast nicht begriffen, was wirkliche Solidarität bedeutet: dass man sich für andere Menschen und Dinge einsetzt , ohne einen persönlichen Vorteil (Nutzen) davon zu haben!
 
 
 
0 #3 Lilo 2012-02-08 13:55
@ Wilma,
bitter enttäuscht? Wohl nicht ganz begriffen. Wenn niemand mit Ihnen solidarisch sein möchte, liegt es womöglich daran, dass Sie nicht überzeugend genug den individuellen Eigennutz bei der Gesamtsache rübergebracht haben. Darum geht ja gerade. Ein Sache kann besser solidarisch durchgesetzt werden, wenn möglichst Vielen der Anteil des eigenen Nutzens an der gesamten Richtung klar ist.
 
 
 
+1 #2 Wilma Armbrecht 2012-02-06 11:32
Weise Worte, Lilo!

Es gibt keine Solidarität, auch nicht bei den Menschen, die bei allen Gelegenheiten ihre Solidariätsfahne heraushängen lassen.
Wenn man dann mal wirkliche Solidarität von diesen Menschen braucht, merkt man, dass alles nur Show und Image ist und nur dazu genutzt wird, um Vorteile aus den gesellschaftlichen
Kontakten herauszuschlagen. Die Solidarität dient nur dazu, sich seinen persönlichen Vorteil zu verschaffen, und den anderen kostenlos für seine Zwecke benutzen zu können.

Wenn der andere dann mal wirkliche Solidarität braucht, knallen alle Türen zu, weil man mit allen Mitteln seine heile Welt nach außen aufrecht erhalten will!
 
 
 
0 #1 Lilo 2012-02-04 18:08
„Solidarität – akzeptiert wird sie noch, wenn sie zum persönlichen Vorteil gereicht.“
Eigentlich tut sie das immer, sollte nicht geglaubt, dass Solidarisches völlig frei von Eigennutz sei. Es wäre also leichter Solidarität zu generieren, wenn die Kommunikatoren es fertig brächten, jedem Individuum klar zu machen, dass es sich lohnt, solidarisch zu handeln und zwar mit seinesgleichen, dem Menschen. Hier liegt meines Erachtens die Krux, dass wir uns zu leicht vom Eigennutz Weniger bequatschen lassen.

 
 

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