Neuer Bahnübergang an der Grünewaldstraße – es gibt kritische Entwicklungen

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Geschlossene Bahnschranken am Bahnübergang Grünewaldstrasse in Gliesmarode. Foto: Hans-Georg Dempewolf

Von der Stadt aus gesehen hinter dem Prinzenpark überqueren Fußgänger und Radfahrer die Bahnlinie nach Gifhorn, wenn sie nach Gliesmarode oder Volkmarode wollen. Um diesen Bahnübergang wird nicht nur unter BürgerInnen, sondern auch unter den Fahrradverbänden, den Engagierten des Ringgleises und in der Politik heiß diskutiert.

Was ist los?

Bereits seit 2019 beraten die Bahn, die Stadtverwaltung und der Regionalverband darüber, den Bahnübergang völlig zu verändern. Weder Öffentlichkeit noch politische Gremien wurden einbezogen. Die betroffenen Bezirksräte Wabe-Schunter-Beberbach und Östliches Ringgebiet wurden mit den Entwicklungen erst einen Tag vor ihrer Sitzung am 18.1.2022 konfrontiert und am 25.1. erfuhr der Mobilitätsausschuss davon. Warum diese lange Geheimniskrämerei?

Hinter den Planungen steckt eine insgesamt sehr positive Entwicklung. Die Bahn sieht für 2029 eine Verdopplung der Taktfrequenz nach Gifhorn auf halbstündlich in jede Richtung vor, hinzu kommen perspektivisch Züge nach Harvesse, eine mögliche Verlängerung der Linien von Salzgitter oder Schöppenstedt nach Gliesmarode sowie zusätzliche Güterzüge vom VW-Werk Salzgitter zum Braunschweiger Hafen. Resultat für die Schranke am Bahnübergang Grünewaldstraße: meistens wird sie zu sein – genauer laut Aussage der Verwaltung 30 bis 40 Minuten pro Stunde. Allerdings werden die langen Schließzeiten auch angezweifelt. Sie ließen sich durch die modernen Sicherungstechniken reduzieren, schreibt Fred Sonnenrein in der Neuen Braunschweiger vom 5.3.2022. An diesem Punkt besteht also noch Klärungsbedarf seitens der Deutschen Bahn.

Orientierungspunkt ist aber derzeit die 30 bis 40-minütige Schließzeit und es wird anstelle der Schranken nach anderen Lösungen geschaut. Eine Möglichkeit, die der Regionalverband mit einer sogenannten Machbarkeitsstudie näher untersucht hat, ist ein Tunnel mit verschiedenen Varianten. Die Studie zeigte, eine Alternative zur jetzigen Schrankenlösung war machbar. Die Bezirksräte bei ihrer letzten Sitzung am 22.2. sprachen aber lieber von einem „Querungsbauwerk“ und wollten sich damit anderen Möglichkeiten abgesehen vom Tunnel nicht verschließen. Dabei haben sie elf „Planungsgrundsätze“ beschlossen, die die Richtung vorgeben. Interessant sind dabei als Forderungen z.B. ein Zugang zum Bahnsteig am Gliesmaroder Bahnhof sowie übersichtliche Verknüpfungen mit dem Ringgleisweg, der parallel zu den Gleisen verläuft. Auch wurde verlangt, dass die folgenden Maßnahmen rechtzeitig in den Stadtbezirksräten und dem Ausschuss diskutiert werden – eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Einige dieser Grundsätze sprechen dann doch wieder vom Tunnel, so dass dieser wohl oben auf der Wunschliste steht.

Sehr kritisch zu sehen ist allerdings folgender Planungsgrundsatz: eine „möglichst geradlinig verlaufende Führung der neuen Wegeachse“. Bei dieser Wegeführung exakt im Verlauf der Grünewaldstraße wird auf der Innenstadtseite beim Blick vom Übergang die rechte Hälfte der schönen Lindenallee geopfert. Es handelt sich dabei um sieben hohe alte Linden mit einem Umfang zwischen 1,80 und 3,35 m. Die Wurzeln würden für die Wegekonstruktion zerschnitten und die Bäume müssten gefällt werden. So sagen es die Pläne der Machbarkeitsstudie bei der Variante 1. Ist das nachhaltig? Nachpflanzungen bräuchten 80 bis 100 Jahre, bis sie diese Bäume ersetzen könnten. Diesen Umgang mit der Natur können wir uns in Zeiten des Klimawandels nicht leisten. – Neben dem reinen Baumverlust würde damit auch die Allee amputiert und eine historische Zufahrt zur Kita Grünewaldstraße laut Denkmalpflege „ggf. erheblich beschädigt“.

Es gibt durchaus schonendere Alternativen zum geradlinigen Verlauf. Eine erwähnt die Machbarkeitsstudie. Die Wegführung verlässt dann westlich der Bahn die Grünewaldstraße und würde damit das Gefälle zum Tunnel über einen Kurvenverlauf entlang des Ringgleisweges nehmen. Vielleicht werden im Verlauf der Planungen noch weitere Möglichkeiten gefunden. Ein nicht geradliniger Verlauf käme auch dem Sicherheitsbedürfnis der Verkehrsteilnehmer sehr entgegen. Radfahrer wären gezwungen, bei der Einfahrt in einen Tunnel das Tempo herauszunehmen. Sonst wären Zusammenstöße mit Personen, die gerade die Treppe vom Bahnsteig herunterkommen, womöglich vorprogrammiert.

Die Mitglieder des Mobilitätsausschusses werden sich bei der nächsten Sitzung am 15.3. sehr genau überlegen, welche Planungsgrundsätze zu beschließen sind.

Allee Grünewaldstraße mit Blick aus Westen Richtung Schranke. Die linke Baumreihe könnte fallen. Foto: B.Piest

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