Die Redaktion des Braunschweig-Spiegels hat die im o.g. Artikel angeführten Referenten und die, die in Braunschweiger Kirchen vorgetragen haben, über den Beitrag informiert und um Reaktionen gebeten. Mit großer Zustimmung ist von ihnen die Veröffentlichung von Petra Erler auf ihrer Internetseite: „Nachrichten einer Leuchtturmwärterin“ aufgenommen worden. Mit ihrer freundlichen Zustimmung veröffentlichen wir ihren Beitrag hier im Braunschweig-Spiegel nochmals:
FAZ: „Offene Kirchentüren für Kremlfreunde“
Tatort: Braunschweig
Petra Erler – Mai 01, 2026
Im Sonderangebot (online) kann aktuell die FAZ für 99 Cent ganze vier Wochen lang gelesen werden. Auf diese Weise erhält man unter anderem Zugriff zum Volltext eines Artikels mit dem Titel „Offene Kirchentüren für Kremlfreunde“ (FAZ, 24.04. 2024)
Damit der geneigte Leser auch versteht, worum es geht, lieferte der Verfasser Reinhard Bingener, Hannover, den folgenden Einstieg: „Wer sich in der Überzeugung bestärken lassen möchte, dass Wladimir Putin prinzipiell ein friedliebender Mann ist, der aber von den Kriegstreibern im Nato-Hauptquartier so fies eingekreist wurde, dass er sich kaum anders zu helfen wusste, als mit einer militärischen Spezialoperation gegen die korrupte Ukraine, solle nach Braunschweig fahren.“
Dort fänden Veranstaltungen statt, die exakt auf „dieser Linie“ liegen.
In Braunschweig, so der Autor, tummeln sich die “Kreml-Freunde“, die „Putin-Versteher“, die „Wagenknecht und Co.“ (Untertitel). In den Kirchen der Stadt. Zu den „prominenteren“ Anderen nebst Wagenknecht zählte er: Sevim Dagdelen (die sich anscheinend für etwas bei Russland und China bedankte, wofür blieb unklar), Daniela Dahn, (General) Harald Kujat, Brigadegeneral Vad, Gabriele Krone-Schmalz, Petra Erler und Günter Verheugen. Der wurde als „Erlers Partner“ eingeführt (7. Mai 2026, Braunschweig).
In Braunschweig gebe es ein „Moskau-freundliches“ Programm, warnte Bingener. Sein Rundumschlag traf auch einen IG-Metaller (Wolfgang Müller), der über eine China-Reise referierte sowie Michael Lüders, dem offenbar bestimmte Gruppen „antisemitische Stereotype“ vorwarfen. Die Nachdenkseiten („gelten“ als verschwörungstheoretisch, vgl. Wikipedia) und die Junge Welt („linksextremistisch“ – hier verwendete der Autor die Erkenntnisse des Bundesverfassungsschutzes) – kriegten auch ihr Fett weg. Und selbstverständlich alle, die diese vermaledeiten „Kreml-Freunde“ eingeladen hatten.
Das ist das leidige „Hammer“-Problem. (Wer nur einen Hammer zur Hand hat, sieht in jedem Problem nur einen Nagel.) Diesmal in Gestalt einer Provinzposse.
Till Eulenspiegel, an den ein sehr schöner Brunnen in Braunschweig erinnert, wurde zur historischen Figur, weil er anderen mit Raffinesse den Spiegel vorhielt.
Besagter FAZ-Autor bewies ein eher schlichteres Gemüt. Er bespiegelte sich selbst und setzte die russische Verbrämung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges noch nicht einmal in Anführungszeichen. Man kann auch getrost davon ausgehen, dass der Intelligenzquotient aller als „Putin-Versteher“ usw. Diffamierten über dem eines Steins liegt. Zu behaupten, die Nato-Kriegstreiber in Brüssel hätten Putin eingekreist (oder etwas auf „dieser Linie“), käme einem gar nicht in den Sinn.
Nun gut, es ist ein Bild, über das man sich durchaus amüsieren kann.
Bei Vad erinnerte der Autor mit einer gewissen Häme an dessen Aussage zu Kriegsbeginn, dass die Sache „militärisch gelaufen“ sei. Wie inzwischen klar ist, dachte das auch das Weiße Haus. Simon Schuster von TIME hat es mittlerweile aufgeschrieben. Man muss es nur zur Kenntnis nehmen.
Soweit ich mich erinnere, sagte der Kreml damals überhaupt nichts über eigene Zeitpläne. Der setzte 2022 zunächst auf den Schock, aber auch auf Verhandlungen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Alles in allem blieb der Autor gänzlich den Beweis schuldig, dass die von ihm so flott als „Putin-Versteher“ und so weiter… Abgewatschten die ihnen zugeschriebenen Überzeugungen tatsächlich haben und einer allzu willigen Gemeinde (in dem Fall Braunschweig) predigen.
Was bleibt, ist der richtende Blick, den er sich selbst zusprach.
Darf man mehr verlangen?
Definitiv entsprach der Artikel in keiner Weise dem Selbstbild der FAZ, das sich wie folgt liest:
„An Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur interessierte Bürger versorgt sie mit verlässlichen Nachrichten, fundierten Analysen und durchdachten Kommentaren. Vom ersten Tag an ist sie den Grundsätzen und Werten ihrer Gründer verpflichtet: für die Freiheit des Einzelnen in einer offenen Gesellschaft einzustehen, das freie Denken zu fördern und immer wieder zum Nachdenken anzuregen. Denn Freiheit beginnt im Kopf!“
Genau, Freiheit beginnt im Kopf. Sofern man ihn zum Denken und Nachdenken benutzt. Und tatsächlich dafür einsteht, was die FAZ von sich behauptet.
Ich bin mir recht sicher, Bingener, der in Hannover sein Büro hat, nahm nicht an der Veranstaltung in der Magni-Kirche in Braunschweig teil, als ich dort zu Gast sein durfte. Das war 2025.
Reichte das Budget nicht dafür? Reicht Hörensagen? Oder sind wilde Diffamierungen nur eine subtile Form der Leserbindung bei der FAZ? Immerhin wird sie von „Entscheidungsträgern“ gelesen (laut KI). Und die sind so, wie viele andere auch: Man hört und liest am liebsten, was man selber glaubt oder vermutet. Da ist nicht viel Toleranz im Meinungsspektrum. Intoleranz nimmt anscheinend sogar offenbar mit dem Bildungsgrad zu.
Beim Nachdenken darüber, und insofern war besagter Schmäh-Artikel schließlich doch ein bisschen inspirierend, erinnerte ich mich schließlich an das Remake von „Die Körperfresser kommen“ (1978.) Genauer gesagt an die finale Szene – den gruseligen Schrei des Donald Sutherland.
Ich werde definitiv nicht einschlafen. Mögen die Hunde bellen.
Des Weiteren veröffentlichen wir die Reaktion von Hellmut Hoffmann (Diplomat) und Wolfgang Müller (IG Metaller, langjähriger Aufenthalt in Beijing)
Hellmut Hoffmann … Ein völliges Unding, ganz auf der Linie der Einschüchterung, die allenthalben zu beobachten ist.
Absolut indiskutabel z.B., dass gegen die Sanktionierung von EU-Bürgern (!) wegen angeblicher Verbreitung russischer Propaganda offenbar keine Rechtsmittel eingelegt werden können. Abgesehen davon, dass die Sanktionierung als solche schon ein Skandal ist, ist es ein noch größerer Skandal, dass die Unmöglichkeit Rechtsmittel einzulegen, nicht als riesiger Skandal angesehen, sondern faktisch totgeschwiegen wird. Wo leben wir denn? Ich dachte immer in einem Rechtsstaat. Unglaublich.
Anbei einen Hinweis auf meinen Artikel zum Ukraine-Krieg und zur westlichen Aufrüstung, der im WeltTrends-Heft Nr. 207 – Forum: Russlands Außenpolitik – Thesen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine S. 86 erschienen ist.
Wolfgang Müller:Denunziation oder solide Recherche?
In der Ausgabe vom 24.04 befasst sich FAZ-Redakteur Reinhard Bingener, laut FAZ-Impressum u.a. zuständig für die evangelische Kirche, unter der Überschrift „Offene Kirchentür für Kremlfreunde” mit der politischen Debatte in der Evangelischen Landeskirche in Braunschweig. Die ganze Richtung der Diskussion passt ihm nicht. Dazu werden auch die Fakten verfälscht:
Die unterstellte Einseitigkeit der Landeskirche Braunschweig belegt Bingener u.a. mit meiner Person als ehemaligem “IGM-Funktionär”. Er bezieht sich auf einen Artikel von mir in der Zeitung “Junge Welt” über eine Reise in die westchinesische Grenzprovinz Xinjiang. In diesem vom Internet-Portal Braunschweig-Spiegel verlinkten Artikel kritisiere ich auf Basis vieler Fakten das westliche Mainstream-Narrativ vom chinesischen Völkermord an den in Xinjiang lebenden Uiguren als “Propaganda”.
Bingener behauptet in seinem Artikel, dass ich genau zu diesem Thema im Februar 2026 auf Einladung der Evangelischen Akademie in Braunschweig referiert habe. Das ist aber schlichtweg falsch, wie jede Internetrecherche zeigt. Mein Thema war Chinas wirtschaftlicher Aufstieg, seine erfolgreiche Industrie- und Innovationspolitik und die Folgen für Europa und speziell für die Autoindustrie. Ein Thema, das mir als Gewerkschafter und ehemaligen Aufsichtsrat in der Auto- und Zulieferindustrie sehr am Herzen liegt. Mit über 100 Teilnehmern aus der Automobilregion Braunschweig gab es nach meinem Vortrag eine sehr engagierte Aussprache.
Der denunziatorische Journalismus von Bingener zielt darauf, wichtige und große politische Strömungen in der evangelischen Kirche und in der Gesellschaft zum Schweigen zu bringen. Zu diesem Zweck werden auch Fakten verdreht und z.B. Vorträge erfunden, die ich nie gehalten habe.


























