IG BAU appelliert an Reinigungskräfte: Keine schlechteren Arbeitsverträge unterschreiben

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Reinigungskräfte sind auf jeden Euro angewiesen. Jetzt wollen ihnen die Arbeitgeber Zuschläge und Urlaubstage streichen. Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU spricht von einem „Schlag ins Gesicht“ der Beschäftigten – und ruft zu einem „heißen Sommer“ in der Branche auf.

4.300 Beschäftigten in Braunschweig drohen massive Einbußen

Weniger Urlaubstage, gestrichene Zuschläge, Arbeit auf Abruf: Einem Großteil der rund
4.300 Braunschweiger Reinigungskräfte drohen ab sofort massive Einbußen. Das
berichtet die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU – und ruft die Beschäftigten dazu
auf, die Einschnitte nicht hinzunehmen. „Aktuell legen viele Chefs ihren Mitarbeitern
neue Arbeitsverträge zu deutlich schlechteren Konditionen vor. Die sollte keiner
unterschreiben“, warnt Karl-Heinz Ehrenberg von der IG BAU Braunschweig-Goslar.
Nach Angaben der Arbeitsagentur arbeiten in Niedersachsen insgesamt knapp 62.000
Menschen in der Gebäudereinigung.
Sollten die Arbeitgeber bei dieser Praxis bleiben und die anstehenden
Tarifverhandlungen blockieren, dürfte die Reinigungsbranche einen „heißen Sommer“
erleben. „Auch in Braunschweig könnten dann Schulen, Büros und Krankenhäuser
schmutzig bleiben“, so Ehrenberg. Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und
Arbeitgebern lief Ende Juli aus.
Zum Hintergrund: Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks hat
den Rahmentarifvertrag für die Branche zum 31. Juli gekündigt. Bevor Gewerkschaft
und Arbeitgeber am 15. August über einen neuen Vertrag verhandeln, sollen nach
Beobachtung der IG BAU in der Zwischenzeit die Standards gedrückt werden. „Statt
bisher 28 oder 30 Tagen Urlaub sollen Beschäftigte jetzt das gesetzliche Minimum von
20 Tagen hinnehmen. Zuschläge für Überstunden oder besondere Aufgaben wie etwa
die OP-Reinigung werden in den neuen Arbeitsverträgen eingekürzt oder ganz
gestrichen“, berichtet Ehrenberg. Besonders brisant: Geht es nach dem Willen einiger
Firmen, dann sollen Beschäftigte, die bislang feste Arbeitszeiten hatten, künftig auf
Abruf arbeiten.
„Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen
müssen“, kritisiert die IG BAU. Gerade Frauen seien von den Kürzungen betroffen. Eine
Reinigungskraft, die Vollzeit rund 1.300 Euro netto verdiene, habe schon jetzt große
Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Hinzu kommt: Ein Großteil der
Beschäftigten hat nur einen Teilzeit- oder Minijob. Da wird es am Monatsende richtig
eng.“
Die IG BAU Braunschweig-Goslar ruft jetzt die Reinigungsfirmen in der Region auf, sich
in ihrem Arbeitgeberverband für die Rückkehr zu den tariflichen Standards einzusetzen.
Davon profitiere am Ende die Branche selbst: Denn bleibe es bei der aktuellen Praxis,
dann dürften sich nach Einschätzung der IG BAU viele Beschäftigte nun für einen
Arbeitgeber entscheiden, der sich an die bisherigen, attraktiveren Bedingungen halte.
Das wiederum werde auch den Wettbewerb zwischen „sauber arbeitenden“ Firmen und
„Schmutzkonkurrenten“ verschärfen.
„Aber auch die öffentliche Hand ist gefordert: Städte und Kommunen können die Regeln
festlegen, nach denen Schulen, Rathäuser und Ämter gereinigt werden. Klar ist: Zu
sauberen Gebäuden gehören auch saubere Arbeitsbedingungen“, so Ehrenberg.
Sollte die schon seit April vergangenen Jahres andauernde Tarifrunde am 15. August
erneut keinen Durchbruch bringen, müssen Firmen und Kunden mit
Arbeitsniederlegungen auch in Braunschweig rechnen.

Foto: IG Bau

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