Erklärung der BI Baumschutz zu Jasperallee und Gehölzschutz

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Auch wir wollen keine Bäume, die ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Der Schutz von Menschen vor Unfällen hat sehr hohe Priorität!

Leider gibt es bei Bäumen, insbesondere unter den erschwerten Bedingungen des Klimawandels, keine absolute Sicherheit. Fachleute haben uns erklärt, dass es trotz größter Sorgfalt immer wieder Überraschungen gibt. In Städten stehen Bäume außerdem unter hohem Stress, weil die Lebensbedingungen unnatürlich und sehr ungünstig sind. Klimawandelbedingte Dürre- und Hitzesommer, Starkregen und Überschwemmungen sowie Stürme und Orkane zu ungewohnten Jahreszeiten (in denen Bäume schon bzw. noch ihre Blätter tragen und viel Windangriffsfläche bieten) tun ihr Übriges.
Dies mussten wir auf dem Hagenmarkt und aktuell in der Jasperallee erleben, in welcher Stadtverwaltung und Gutachter grob falsch gelegen haben und in der es unter anderem deswegen zu einem Unfall kam. Inzwischen bestätigen bereits zwei Auswertungen (Baumstümpfe zweiter Abschnitt und Zugversuche) dafür eine Fehlerquote von ca. 50 %.

Was also tun? Dazu ein Gedankenmodell:

Nur eine Welt ohne Bäume wäre risikofrei. Dann allerdings wird kein CO2 umgewandelt in Holz und Sauerstoff. Es würde keine atembare Luft geben. Menschen, Tiere und Pflanzen könnten nicht existieren (auch Ozeane liefern Sauerstoff, aber die zerstört unsere Zivilisation auch gerade). Das ist also keine Lösung. Bäume sind unverzichtbar.

In Städten kommt hinzu, dass wir Bäume dringend brauchen, um die starke Überhitzung im Sommer durch Asphalt, Versiegelung, Gebäude und Autos zu reduzieren und um Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Durch Sommerhitze, Feinstaub und Luftschadstoffe sterben Menschen vorzeitig. Nur bezogen auf Feinstaub und Luftschadstoffe sind das auf Braunschweig bezogen statistisch jedes Jahr drei Personen (Quelle Umweltbundesamt 23.10.2017).

Also müssen wir aus Sicherheitsgründen sowohl Bäume fällen, wie auch Bäume erhalten. Es gilt, den Königsweg zu finden.

Im Falle der Jasperalleeahorne ist das leider nicht geglückt. Es wurden standsichere Bäume gefällt und gefährliche Bäume blieben stehen. Der gefällte zweite Abschnitt und die Baumlücken haben die Windverhältnisse geändert, worauf die Bäume nicht eingerichtet sind. Auch das kann zu dem o. g. Unfall beigetragen haben. Die Zugversuche haben laut Stadtverwaltung ergeben, dass von den zunächst verbleibenden 42 Ahornen 34 sicher seien. CDU, SPD, FDP und Stadtverwaltung wollen auch diese fällen. Wir halten das angesichts der Klimakatastrophe und des Insekten- und Artensterbens für unverantwortlich; ferner werden auch dadurch Menschenleben gefährdet (s. o.).

Außerdem wird mit zweierlei Maß gemessen. Einerseits ist ein Baum bei Sturm umgefallen und hat einen Menschen leicht verletzt. Das erste Mal in siebzig Jahren auf der Jasperallee. Daraufhin sollen alle anderen Bäume gefällt werden.

Andererseits wurden allein in diesem Jahr schon mehrere Menschen verletzt und sogar getötet, durch Autos. Warum passiert jetzt nichts mit den Autos?

Zurück zum gesuchten Königsweg. Für das Klima und unsere Gesundheit brauchen wir jeden Baum und jeden Strauch in der Stadt, besonders die unersetzlichen, wertvollen, großen alten Bäume. Egal, ob auf städtischem, privatem oder öffentlichem Grund – diese Bäume benötigen unseren Schutz vor Fällung oder Beschädigung. Andererseits sollten sie regelmäßig bestmöglich kontrolliert werden, um das Unfallrisiko zu minimieren. Außerdem müssen wir als Stadtgesellschaft schnellstmöglich zehntausende neue Bäume pflanzen, um alte Verluste auszugleichen und um unser Stadtklima im Klimawandel erträglicher zu gestalten. Um Bürger*innen dafür zu gewinnen und ihnen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu vermitteln, sind vielfältige Aktionen und viel Öffentlichkeitsarbeit erforderlich.

Wir meinen, dass alle, die über Teile der Fläche unserer Stadt verfügen, die Pflicht haben, dort auch ihren Teil zu einem gesundem Stadtklima für alle beizutragen (also zu Baumerhalt, Neupflanzungen und Grünflächen). So steht es auch im Grundgesetz – Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG).

Andererseits sollten die Kosten dieser Gemeinschaftsaufgabe fairerweise zu einem angemessenen Teil von der Stadtgesellschaft getragen werden. Das bedeutet, wer mit Aufwand und Kosten für Bäume und Grün überfordert ist, sollte Hilfe und Zuschüsse erhalten. Das soll nicht dazu dienen, den Profit von beispielsweise großen Wohnungsgesellschaften zu erhöhen, sondern z. B. weniger betuchte Eigenheimbesitzer*innen in die Lage versetzen, ihre Bäume und Gehölze zu erhalten (z. B., wenn sie das altersbedingt nicht mehr selbst leisten können) und neue Bäume zu pflanzen.

Damit diese Rechte, Pflichten und Grünförderungsmaßnahmen gerecht und effektiv organisiert und kommuniziert werden, wünschen wir uns für Braunschweig eine Gehölzschutz- und Fördersatzung.

1 KOMMENTAR

  1. Was macht das schon, wenn nur eine Person von einem umfallenden Baum getroffen wird? Was ist das nur für eine Moral? Auch wenn eine grüne Stadt noch so schön ist, die Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen.
    Warum setzt die BI sich nicht mal dafür ein, dass in fast jeder Straße, in der die vielen Blechlawine parken, zwei Parkplatze „geopfert“ werden, um Bäume anzupflanzen? Wir brauchen in der Innenstadt nicht so viele Parkplätze.

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