Ein deutscher Insider berichtet : Überleben in Russland – über Leben in Russland

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Gute Berichte über Russland, über den Urlaubs- oder Naturfilmbereich hinaus, sind schwer zu finden. Die meisten sind recht einseitig. Übrigens ist auch in den staatlichen russischen Medien „RT“ und „Sputnik“ wenig über das Leben in Russland zu erfahren. Als ich 2003 in Russland war, wurde noch kaum über den wirtschaftlichen Niedergang unter Jelzin offen gesprochen (Jelzin war schon abgetreten). Man konnte allerdings viele zerfallene Industriekomplexe sehen. Über eine Hungerzeit in Petersburg zu Jelzins Zeiten wurde uns dagegen schon berichtet. Das gute an dem folgendem Interview ist, das Thomas Röper („Anti-Spiegel“) seit 1991 bis heute Erfahrungen in Russland gesammelt hat, einem Deutschen der seit langem in St. Petersburg lebt und Russland positiv gegenübersteht. Er spricht auch über viele kritische Themen wie Korruption, Oligarchen, Medienfreiheit, Polizei und Mafia. Hier das umfangreiche Interview in den NDS (b.k):

Berichte aus Russland sind zumeist widersprüchlich, abhängig davon, welches Medium berichtet. In den großen Medien kann man regelmäßig vom andauernden wirtschaftlichen Niedergang – nicht zuletzt durch die Sanktionen – lesen, in manch alternativem Medium erscheint es als heile Welt. Es gibt vermutlich viele unterschiedliche Wahrheiten über dieses Land, das jedoch viele Medien-Mitarbeiter, die darüber schreiben, kaum kennen, und schon gar nicht aus längerem und fundiertem eigenem Erleben. Der Autor und Journalist Thomas Röper, war seit 1991 jedes Jahr mehrfach in Russland unterwegs. Seit 1998 arbeitet und lebt er im Land. Mit ihm sprach in St. Petersburg Andrea Drescher.

Wie kamen Sie nach Russland?

Das ist eine lange Geschichte, die 1991 auch damit begann, dass ich Ende 1991 in die Sowjetunion ein- und 1992 aus Russland ausgereist bin. Der Fahnenwechsel fand ja über Silvester statt. 1991 konnte man in allen Medien über die Hungersnot in Russland lesen. Gemeinsam mit Freunden startete ich während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann eine Hilfsaktion. Wir organisierten vier Container humanitärer Hilfe für Waisenhäuser und brachten diese dorthin. Daraus entwickelten sich die ersten Freundschaften. Unser Spendenkonto füllte sich immer wieder, sodass wir immer wieder Hilfsmaßnahmen durchführen konnten und mussten, es war nicht unser Geld und wir mussten es dem Zweck entsprechend verwenden. Als sich die Lage beruhigte und die Spendenbereitschaft nachließ, fuhr ich trotzdem weiter mehrfach im Jahr hinüber. Ich mag die Menschen, ihre Spontanität, Geselligkeit und Offenheit. Ganz besonders hatte und hat es mir St. Petersburg angetan. Da leben die Menschen, viel mehr als in Moskau, der Stadt, in der man arbeitet. Viele Moskauer fahren übers Wochenende nach St. Petersburg; Kultur, Nachtleben, Stadtfeste, es ist eigentlich immer sehr viel los.

Wie haben Sie die Jahre von 1992 bis 1999 unter Präsident Jelzin erlebt?

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Foto: Bernd Krauß

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