Corona – Sport stärkt das Immunsystem gegen Atemwegsinfekte

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Foto: Pixabay

Der Autor Dr. Bernhard Piest war bis 2017 in Braunschweig als Hausarzt tätig.

Wie können wir uns vor einer Corona-Erkrankung schützen? Natürlich, indem wir die wichtigen Hygieneregeln beachten und gegenüber anderen Menschen Abstand halten. Aber zusätzlich hat jeder von uns noch weitere Möglichkeiten. Die Stärke unseres Immunsystems entscheidet darüber, ob die Menge der Viren, die wir in uns aufgenommen haben, zu einer leichten, mittleren, schweren oder überhaupt keiner Erkrankung führt. Die Frage ist, ob und wenn ja, wie wir unser Immunsystem beeinflussen können. Und zwar nicht nur durch die Impfung. Dieser Aspekt der Erkrankung wurde leider in der bisherigen Diskussion über COVID-19 nicht berücksichtigt, auch nicht von Ärzten.

Es gibt mehrere Ansatzpunkte für eine Beeinflussung, und ein ganz wesentlicher dabei ist Sport. Der Zusammenhang zwischen Sport und Immunsystem wurde wissenschaftlich untersucht, natürlich nicht für COVID-19, aber generell für Atemwegsinfekte, die durch verschiedene Viren ausgelöst werden. Nach 15 Wochen sind Effekte zu sehen, die Erkrankungen waren bei den Sportlern kürzer im Vergleich zur Gruppe der Inaktiven. Nach einem Jahr zeigte sich in einer anderen Untersuchung, dass die Anzahl der Infekte sank. Schneller finden sich Veränderungen im Bereich von Abwehrzellen, deren Anzahl im Blut sich bereits während der Belastung erhöht. Wenn wir davon ausgehen, dass die Pandemie bis zu zwei Jahren dauern kann, lohnt es sich auf jeden Fall, sportliche Aktivitäten jetzt zu beginnen oder zu intensivieren, um besser gegen COVID-19 gewappnet zu sein.

Welcher Sport ist zu empfehlen und in welcher Intensität? Die Untersuchungen wurden mit Mittelstreckenläufern durchgeführt, lassen sich aber auf vergleichbare andere Ausdauersportarten übertragen, auch schnelles Gehen gehört dazu. Die Trainingsumfänge waren 15-25 km pro Woche, verteilt auf drei Einheiten und damit moderat. Die angestrebten Pulswerte sollten bei 110-140 liegen, bei älteren Menschen eher im unteren Bereich der Spanne. Rechnen wir nach Zeit, sollten es drei bis vier Stunden pro Woche sein. Ersteinsteiger müssten ihre Ziele natürlich niedriger ansetzen!

Ganz wichtig ist die Vermeidung von hohem Ehrgeiz und Erschöpfungszuständen! Damit erreicht man das Gegenteil, nämlich die Empfänglichkeit gegenüber Erkältungsviren wird gesteigert. Man sollte also auf keinen Fall bis an die Leistungsgrenze gehen. Und: bei akuten Infekten pausieren.

Wichtig und gut ist Sport für jeden. Aber insbesondere ist er eine Möglichkeit für ältere Menschen mit einer oder mehr Vorerkrankungen, um die Abwehrkraft gegen COVID-19 zu stärken. Für diese Gruppe empfiehlt es sich, vor dem Einstieg mit ihrem Hausarzt über ein Trainingsprogramm im Detail zu sprechen.

Der Vorteil beim Sport ist, dass die präventiven Effekte sich über einen weiten Bereich erstrecken, z.B. auch zur Vorbeugung gegen Krebserkrankungen wirksam sind. Die Liste der gesundheitlichen Vorteile ist lang.

Im Rahmen der aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens muss leider jeder alleine joggen oder mit mindestens zwei Meter Abstand in einer Kleingruppe. Oder – falls eine Ausgangssperre kommt, zu Hause improvisieren, mit oder ohne Crosstrainer.

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