China auf dem Weg zur Vormacht

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Peking und die Halle des Volkes in dem derzeit der Volkskongress mit 3000 Delegierten stattfindet. Foto: Uwe Meier

Das 21. Jahrhundert wird ein asiatisches sein, darüber sind sich seit Jahren alle politischen Beobachter einig. Weitgehend unbestritten ist auch, dass damit einhergehend die zweihundertjährige Dominanz des Westens beendet, zumindest relativiert wird. Nicht nur ökonomisch, auch politisch.

Der Politikwissenschaftler Kishore Mahbubani ist eine der maßgeblichen Stimmen aus Asien, die sich mit dieser dramatischen Machtverschiebung befassen. Dazu gibt er der TAZ ein Interview. Interessant ist das Interview nicht nur aufgrund der genannten Widersprüche im westlichen System sondern auch, weil er mehrfach auf die kulturellen Unterschiede zwischen einem 2000 Jahre alten China und den seit 250 Jahren existierenden USA hinweist. Zugleich kritisiert er die westliche Doppelmoral bei der Forderung nach Demokratie und Menschenrechten oder bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen.

Die Kritik an China ist eine der wenigen kontinuierlichen Linien in der Politik von US-Präsident Trump. In der Corona-Krise legte er noch einmal nach. Dabei wäre Kooperation wichtiger denn je. Die USA haben immer noch nicht erkannt, dass es bei knapper werdenden Ressourcen außenpolitisch zunehmend um Kooperation geht und nicht um Konkurrenz. Die Corona-Krise zeigt, auf welch tönernen Füßen die Weltmacht USA auch im Innern steht. Kein Manko der USA ist dabei größer als die Unfähigkeit oder gar der Unwille, in systemischen Zusammenhängen zu denken und das Land so besser gegen Notlagen zu schützen. Denn das würde viel Geld kosten, sehr viel Geld..

„Kaum vorstellbar, aber das reiche Amerika ergießt sich trotz der alltäglichen erschreckende Nachrichten wegen Corona gerade in eine grandiose Selbstbeweihräucherung. So war in den Kommentarspalten des „Wall Street Journal“ zu Ostern zu lesen, wie außerordentlich schnell und geschickt sich die Nation von 330 Millionen Individuen an die neuen Erfordernisse der Covid-Bekämpfung angepasst habe. Kein Wort etwa zu den katastrophalen Versorgungsengpässen oder dem administrativen Chaos,“ schreibt Stephan Goetz-Richter, Herausgeber und Chefredakteur von www.TheGlobalist.com

Kishore Mahbubani, 71, ist einer der renommiertesten Politikwissenschaftler Asiens. In seiner diplomatischen Karriere diente er u. a. als Singapurs Botschafter bei den Vereinten Nationen. Von 2001 bis 2002 war der Sohn indischer Immigranten Präsident des Weltsicherheitsrats. Der Titel seines aktuellen Buchs: „Has China Won?“

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