Fritz Bauer – „Westdeutschlands Nazijäger Nr.1“

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Auftaktveranstaltung zum Jahr des „Remer-Prozesses“ von 1952 in Braunschweig

Zum Vortrag von Prof. Dr. h.c. Biegel „Der streitbare Jurist“ über Fritz Bauer am 26.01.2012 im Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte, Braunschweig

Es war ein spannender Vortrag – mit weit über 100 Zuhörern im vollbesetzten Saal des Instituts, darunter auch Generalstaatsanwalt Dr.Wolf. Inzwischen besteht ein größeres Interesse an der Person von Fritz Bauer in Braunschweig. Noch vor einigen Jahren war das deutlich anders. Da hatte Gerd Biegel schon zwei Mal Vorträge über Fritz Bauer gehalten. Es waren jeweils nur wenige Leute gekommen, die meisten davon hatten Fritz Bauer gar nicht gekannt.

Auch in dem Heft „Braunschweig Spezial“ von 2005 über die 100 größten Braunschweiger taucht Fritz Bauer zwar auf, aber Biegel erwähnt, dass er bei der Abstimmung der Braunschweiger Zeitung dann nicht eine Stimme erhalten hatte. Das verändert sich inzwischen, das Interesse wächst, insbesondere seit der Biographie von Irmtrut Wojak aus dem Jahr 2009 und dem Fritz-Bauer-Film (Filmausschnitte).

In dem Jahr 2012 jährt sich der Braunschweiger „Remer-Prozess“ zum 60.Mal. Daran wird in Braunschweig in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen (Vorträgen, Tagungen und einer Ausstellung) erinnert werden. Dieser Prozess, der den meisten nicht mal dem Namen nach bekannt ist, wurde von Fritz Bauer erfolgreich geführt. Er wurde bundesweit aufmerksam beobachtet und bewirkte die Rehabilitation der Männer des 20.Juli. Die Zeitungen berichteten international darüber, eine Folge war, dass ein jüdischer Emigrant in Argentinien davon erfuhr und daraufhin Fritz Bauer anschrieb und ihm den Aufenthaltsort von Eichmann mitteilte. Der Vortrag von Gerd Biegel war nun gewissermaßen die „Auftaktveranstaltung“ für dieses „Jahr des Remer-Prozesses von 1952“.

Der Vortrag selber gab zunächst einen Überblick über biographische Daten: Bauer war 1903 in einer deutsch-jüdischen Familie in Stuttgart geboren, dort aufgewachsen. Später hatte er Jura in Heidelberg, München und Tübingen studiert, nach 1933 Verhaftung, Aufenthalt im KZ, 1936 dann Emigration nach Dänemark und 1943 weiter nach Schweden.

Schwerpunkte des Vortrages bildete einerseits die Zeit Fritz Bauers in Braunschweig sowie die besonderen Intrigen innerhalb der SPD gegen Bauer, die fast die Bewerbung für Braunschweig verhindert hätten sowie weitere Infos zu Remer und dessen Aktivitäten, die auch später noch zu mehreren Prozessen wegen Volksverhetzung führten.

– Kurt Heinig, ehemaliger Reichstagsabgeordneter der SPD, intrigierte schon im schwedischen Exil gegen Bauer. Nach dem Krieg schrieb er an Kurt Schumacher Briefe gegen Fritz Bauer, da dieser „Marxist“, „Bolschewist“ und ein „Lump“ sei, außerdem hätte er noch eine solche „Nase“ und zeigte damit offen seinen Antisemitismus. Schumacher wurde durch diese Mitteilungen stark verunsichert, so dass sich die Bewerbung Bauers für Braunschweig verzögerte. Vor allem dank der Unterstützung von Hinrich Wilhelm Kopf, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten, und ganz besonders durch den neu ernannten OLG-Senatspräsidenten Bruno Heusinger, der sich ausdrücklich für Bauer einsetzte, konnte Fritz Bauer 1949 dann doch die Stelle als Direktor des Landgerichts in Braunschweig antreten.

– zu Remer: dieser verlor nicht nur den Prozess gegen Bauer 1952, sondern er war auch weiterhin in extremer Weise nationalsozialistisch aktiv und gab noch in den 90iger Jahren die „Remer-Depesche“ heraus, die rassistisch und antisemitisch war, den Holocaust leugnete und dann auch verboten wurde.

– Noch einmal zur SPD: Viele Jahre später (1963) kam es noch einmal zu Spannungen der SPD zu Bauer, und zwar nach einem Interview Bauers mit einer dänischen Zeitung. Bauer hatte hier auf das Erstarken rechtsradikaler Kreise in Würzburg aufmerksam gemacht, und die Zeitung schrieb, nach Bauer würde in Westdeutschland, wenn morgen gewählt könnte, Hitler wieder gewählt werden. Der Bundesvorstand der SPD distanzierte sich dann öffentlich von Bauer, ohne mit ihm vorher Rücksprache zu nehmen.

So war das Verhältnis zeitweise zur SPD nicht einfach. Zunehmend klagte er in den letzten Lebensjahren auch unter einer weiteren „Vereinsamung“. Um so wichtiger sind dann die Personen, auf die sich Bauer verlassen konnte, wie Georg August Zinn (SPD Ministerpräsident in Hessen) und Curt Staff (der erste Generalstaatsanwalt in Braunschweig, der später in Hessen tätig war). Diese Personen trugen auch dazu bei, dass Bauer dann 1956 nach Frankfurt ging. Außerdem konnte er dadurch sein Aufgabengebiet vergrößern, dort hatte er 13 Staatsanwaltschaften unter sich (in Braunschweig dagegen war es nur eine). Gerd Biegel wies nebenher darauf hin, dass bei der Festschrift der Braunschweiger Staatsanwaltschaft Curt Staff überhaupt nicht erwähnt wird, sicherlich eine eigenartige Auslassung dieser auch später noch bedeutenden Person.

Den Vortrag beendete Gerd Biegel mit dem Plädoyer, den Platz vor der Staatsanwaltschaft (gegenüber dem Dom) als Fritz-Bauer-Platz zu benennen. Dieser Ort würde sich anbieten, er sei klar abgegrenzt und außer der Staatsanwaltschaft gäbe es keine weiteren Anlieger. Diese hätte dann die Adresse „Fritz-Bauer-Platz Nr.1“…

Eine großartige und auch machbare Idee! Vielleicht könnte dann dort auch noch ein Denkmal á la Lessing oder Gauss aufgestellt werden. Es wäre ein würdiger Ort, mit Fritz Bauer als „Hüter“ für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte.

Eine letzte Anmerkung: Der interessante und höchst informative Vortrag wird ins Internet gestellt und abrufbar sein unter youtube (www.youtube.com/user/MrMarxismo.de) sowie auf der Webseite von attac (www.attac.de) und www.bessereweltlinks.de . Weitere Informationen im Braunschweig-Spiegel: „Ein Fritz Bauer-Jahr in Braunschweig„.

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