Vier Plagen und ein Fass ohne Boden

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Foto Pixabay

Plage eins ist zur Zeit allgegenwärtig: Das Coronavirus

Plage zwei ist bei uns fast unbekannt: Das Denguefieber

In Lateinamerika sind zur Zeit 3,2 Millionen Menschen am Denguefieber erkrankt. Allein in den ersten zwei Monaten des Jahres wurden 125.000 Neuinfizierte registriert. Ohne Behandlung liegt die Todesrate bei 20%. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Honduras sind 77,8 Prozent der Dengue-Todesopfer Kinder unter 15 Jahren. Das Land mit den meisten Dengue-Infizierten in Lateinamerika ist Brasilien mit über 2,2 Millionen Infizierten. Das ist unseren Medien kaum eine Meldung wert. Im Zeitalter der neoliberalen Ideologie interessiert das nicht, die Solidarität endet spätestens an der deutschen Grenze. Naja genau genommen reicht sie nicht einmal bis zum nächsten Krankenhaus. Unsere neoliberalen Vordenker überlegen die Hälfte der Krankenhäuser abzuschaffen. (BertelsmannStiftung)
Übrigens: Brasiliens Regierung unter Jair Bolsonaro bittet jetzt um die Rücksendung derselben kubanischen Ärzte, die sie Monate zuvor als „Terroristen“ verunglimpft und ausgewiesen hatte. 2018 arbeiteten noch 10.000 kubanische Mediziner in Brasilien. Kuba erwartet allerdings zuvor eine Entschuldigung Brasiliens.

Was geschieht, wenn Corona auf Vorerkrankte mit Denguefieber trifft?

Plage drei: die Heuschreckenplage
In großen Teilen Afrikas bis an die Grenzen Indiens kann die neue Heuschreckengeneration noch nie dagewesene Ausmaße annehmen und damit die Nahrungsgrundlage der dortigen Menschen vernichten – das hängt wesentlich vom Wetter und den Abwehrmaßnahmen ab. Das Wetter hat durch die Klimaveränderung der Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) unbekannte Entwicklungsmöglichkeiten beschert. Viele Menschen in Ostafrika haben schon jetzt nicht genug zu essen. Die wichtigste Pflanz- und Erntezeit in der Region steht unmittelbar bevor. Sollten die Insekten dann großflächig unterwegs sein, könnten die Folgen nach Angaben von Experten verheerend sein. Die FAO bezeichnet die Situation in Afrika als „extrem alarmierend“.

Plage vier: die vom Menschen gemachte Erderwärmung.
Das Thema ist hinreichend bekannt, trotzdem ist bei den „Entscheidern“ wenig Solidarität gegenüber den nächsten Generationen auszumachen.

Das Fass ohne Boden: Die Kriege, die Kriegsvorbereitungen, der Wirtschaftskrieg.

Die große Militärübung „Defender“, die den Aufmarsch der Nato gegen Russland proben wollte, ist glücklicherweise von Corvid-19 gestoppt worden. Trotzdem fressen diese Kriege gigantische Ressourcen, die wir dringend für sinnvolle Dinge, wie für den Kampf gegen die genannten „Plagen“ benötigen. Die tagtägliche Kriegspropaganda wird angesichts der Coronakrise ein wenig zurückgefahren. Trotz der wirtschaftlichen Folgen der  Coronavirus-Krise  forderte der Nato-Generalsekretär Stoltenberg die Nato-Staaten dazu auf, ihre Zusagen bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben einzuhalten.

Auch die Kriege gehen weiter, so im Irak: Der in Ausweitung (!) begriffene Einsatz der Bundeswehr im Irak gerät durch US-Bombenangriffe auf Einrichtungen der irakischen Streitkräfte unter Druck.

Quellen zum DengueFieber: Blickpunkt Südamerika und RT

1 KOMMENTAR

  1. Danke Dir sehr für die Einordnung der „Plagen“, lieber Bernd – genau genommen sind es ja neben den drei natürlichen Plagen mindestens zwei von Menschenhand gemachte. Das mit dem Dengue-Fieber in Südamerika und der erst verschmähten und nun wieder nachgefragten Solidarität für Brasilien war mir neu. Das würde ich gern auch in die nächste BIBS-Zeitung berichten. In der Not tun sich ja auch bzgl. Solidarität quer über den Erdball neue Aspekte auf – von wegen, wer ignoriert oder tut sich schwer mit schnellen Hilfen z.B. auch innerhalb Europas und wer springt ein und leistet Hilfe von ganz weit weg.
    Peter Rosenbaum

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