Verdi at its best: Staatsorchester Braunschweig interpretiert Verdis Requiem unter Stefan Soltesz

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Liana Aleksanyan (Sopran) und Dorothea Spilger (Mezzosopran) v. links Foto: Veronika Werner, Braunschweig

Jedes Mal entstehen eine ganz besondere Atmosphäre und ein überwältigendes Sinfoniekonzert, wenn der ehemalige Generalmusikdirektor Stefan Soltesz das Staatsorchester Braunschweig leitet. Soltesz gehört zu den ganz großen europäischen Dirigentenpersönlichkeiten. Er ist regelmäßig in Musikmetropolopen wie Wien, Dresden, Budapest, München oder Berlin zu Gast. Als Spezialist für die Opern und sinfonische Musik von Richard Strauss, Gustav Mahler, Giuseppe Verdi oder Ludwig van Beethoven hat er sich einen großen Namen gemacht.

Im Jahr 2012 ernannten die Staatsorchester-Musiker den Klassikweltbürger Prof. e.h. Stefan Soltesz zum Ehrendirigenten. Im November stand zweimal Verdis Requiem auf dem Konzertprogramm des Staatsorchesters Braunschweig in der Stadthalle. Unter keinem Dirigenten spielen die Staatsorchestermusiker ähnlich konzentriert und erreichen echte musikalische Höhenflüge. So auch bei Messa da Requiem, der Totenmesse von Giuseppe Verdi aus dem Jahr 1874. Wer jedoch bei dieser Totenmesse eine dauerhafte bedrückende Mollstimmung erwartet sieht sich durch aufrüttelnde Pauken- und Trommelschläge und einer dramatischen Musik zwischen Todesangst und christlicher Verheißung der Erlösung in ein Konzert eingefangen, das auch eine Oper hätte sein können. Und genau diese vielschichtige Interpretation gelingt Stefan Soltesz mit „seinen Musikern“, den Chören und den Solisten. Der erfahrene Dirigent hat den Konzertapparat ausnahmslos bestens im Griff und es gelingt ihm ein Ausmaß an Motivation und Spielfreude, die man sonst kaum in Braunschweig erleben kann.

Liana Aleksanyan, Dorothea Spilger, Matthias Stanze, Georg Menskes, Ehrendirigent Stefan Soltesz, Michael Ha und Jisang Ryu – von links nach rechts Foto: Veronika Werner

Ein Optimum an Stimmklang erreichen Sopranistin Liana Aleksanyan und Mezzosopranistin Dorothea Spilger. Aleksanyan war unter Generalmusikdirektor Alexander Joel lange in Braunschweig engagiert und avancierte zum Publikumsliebling. Ihr Sopran hat an Durchschlagskraft noch weiter zugenommen, ohne dass die eminente Stimmschönheit darunter gelitten hat. Feinste lyrische Momente gelingen ihr genauso wie das mühelose Überstrahlen von Orchester und Chor. Dorothea Spilger, die sich in wenigen Monaten einen festen Platz im Braunschweiger Musikleben ersungen hat, zeigt den großen Tonumfang ihrer Stimme. Sie verfügt über eine klangvolle Tiefe und eine jubelnde Höhe. Ihre Klangfarbe ist etwas fester und nachdrücklicher als die von Aleksanyan und das führt zu einem ausgesprochen angenehmen Klang. Den Tenorpart sang Michael Ha, der über viele Spielzeiten dem Opernensemble des Staatstheaters angehörte und nunmehr europaweit in Oper und Konzert reüssiert. Der lyrische Tenor hat ausreichend Stimmkraft, um die notwendige Dramatik abzubilden. In den fein lyrischen Passagen kann er gesanglich nachhaltig punkten. Der junge Bassist Jisang Ryu steht auch den größten Vertretern seines Stimmfachs in seinem Part in Verdis Totenmesse in nichts nach. Eine satte Tiefe, eine prächtige Mittellage und wundervolle Modulationsfähigkeit zeichnen seine bestens geschulte Stimme aus.

Die rund 100 Sänger von Staatstheaterchor, Extrachor und KonzertChor Braunschweig zauberten einen ergreifenden Chorgesang. Die Chorleiter Georg Menskes und Matthias Stanze, der sich auch selbst unter die Sänger reihte, haben die Chöre bestens einstudiert. Der Chorgesang ist wortverständlich und mit höchster Präzision. Mit aufwühlender Kraft und Pracht gestalteten Chor und Orchester das „Dies irae“. Nach 85 Minuten war das Erlebnis „Staatsorchester Braunschweig“ unter Stefan Soltesz vorbei und das Publikum bejubelte ihn, Orchester und Chöre und die hervorragenden Solisten ausgiebig. Bravo!

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