Buntes Braunschweig Teil 4: Der Stadtentwicklungsplan

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„It’s better to be first than to be better.“

In der Reihe „Buntes Braunschweig“ veröffentlicht der Braunschweig-Spiegel in loser Folge Ideen, welche das Leben in der Stadt bunter und lebenswerter machen. Jeder ist herzlich eingeladen, sich mit Ideen und Vorschlägen zu beteiligen und diese an die Redaktion zu senden!

In der vierten Folge veröffentlichen wir eine weitere Idee von B.E.R.N.D., der Braunschweiger EntwicklungsRunde Neues Denken, über die Notwendigkeit eines Stadtentwicklungsplans.

 

Der Anlass:

Es gibt zur Zeit eine Diskussion über den Ausbau der Straßenbahn nach Volkmarode. Im Rahmen dieser Diskussion wurde angesprochen, dass Braunschweig keinen Verkehrsentwicklungsplan hat. Ein Kulturentwicklungsplan ist auch nicht vorhanden. Und was mindestens ebenso schlimm ist: Es gibt auch keinen Stadtentwicklungsplan! Die derzeitige Stadtverwaltung kann man daher getrost als „schamlos planlos“ bezeichnen. Um Impulse für einen neuen Stadtentwicklungsplan zu liefern, hat die Gruppe B.E.R.N.D. letztes Wochenende getagt, und präsentiert hier ihre Vorschläge für einen neuen Stadtentwicklungsplan.

 

Zur Inspiration für einen Stadtentwicklungsplan haben wir vier Vorschläge:

1) Braunschweig — die Stadt der Ringe

Ein Alleinstellungsmerkmal von Braunschweig ist, dass die Stadt in Ringen aufgebaut ist, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind und unterschiedliche Funktionen haben. Der Okerumflutgraben als ehemalige Befestigungsanlage der Stadt ist rund 800 Jahre alt, der Inselwall rund 200 Jahre, der Wilhelminische Ring rund 150 Jahre und das Ringgleis ist zeitgenössisch. Diese sympathische Besonderheit der Stadt gilt es zum einen mehr herauszustellen, zum anderen zu fördern. Dafür haben wir folgende Ideen:

    • Der Okerumflutgraben hat zur Zeit einen Nachteil: Boote müssen an zwei Wehren übertragen werden, so dass man die Stadt nicht problemlos mit einem Boot umfahren kann. Schleusen für Tret- und Paddelboote würden die Oker rundum befahrbar machen. Funktion des Umflutgrabens in der Stadt: Freizeit, Tourismus und Wassersport! Ein Tipp am Rande: Wir empfehlen die Wiederbelebung der Weltmeisterschaft im Tret- und Paddelbootfahren auf der Oker, die bisher fünf mal statt gefunden hat und ein einzigartiges Sportevent in Braunschweig war.  Ein weiterer Tipp: Dampfschifffahrten vom alten Bahnhof zum Heinrichshafen wie in den 50er Jahren! Ein letzter Tipp: Das Baden in der Oker sollte wieder an ausgewählten Stellen erlaubt werden!
    • Der Inselwall wurde nicht zu Unrecht zu den Weltkulturerben gezählt. Wir halten es daher für sinnvoll, dass der Inselwall – soweit wie möglich – erweitert wird. Um des Architekten Peter Joseph Krahe zu Gedenken empfehlen wir, die Torhäuser an den Okerbrücken wieder zu errichten. Funktion des Inselwalls in der Stadt: Natur, Erholung und Wohnen!
  • Der Wilhelminische Ring ist eine gute Orientierungshilfe und gibt der Stadt Struktur als Hauptverkehrsweg. Wir empfehlen, die Straßen am Ring umzubennen, so dass zum einen die Struktur des Rings deutlicher erkennbar wird und zum anderen die Orientierung leichter fällt. Ein einfaches und geniales System wäre, die Ringstraßen wie folgt umzubenennen: Nordring (Neustadt-, Wenden- und Rebenring), Ostring (Hagen- und Altewiekring), Südring (Kurt-Schumacher-Straße, Konrad-Adenauer-Straße und Luisenstraße) und Westring (Altstadt- und Sackring). Funktion des Wilhelminischen Rings in der Stadt: Autoverkehr und Orientierung!
  • Das Ringgleis ist der neueste Kreis, der leider noch nicht fertig gestellt ist. Wir empfehlen, den Ausbau schleunigst voran zu treiben und Brachfläschen am Ring nicht mit Wohnbebauung zu füllen, sondern mit Treffpunkten und Natur zu füllen. Funktion des Ringgleises in der Stadt: Radverkehr, Kultur und Lebensqualität!

 

Das Zusammenspiel dieser Ringe in Verbindung mit der Innenstadt und den umliegenden Dörfern und Städten macht diese Stadt einzigartig. Hier ist die Stadtplanung gefragt, um aus diesem besonderen Gefüge ein Gesamtkonzept zu gestalten!

 

2) Braunschweig — die nachhaltige Stadt

Städte werden langfristig nur überleben können, wenn sie nachhaltig wirtschaften, also schonend mit Ressourcen umgehen. Hier wurde in den letzten zwanzig Jahren leider vieles in Braunschweig verschlafen. Wir freuen uns sehr über die „Fairtrade-Town“-Initiative und unterstützen sie in jeder Hinsicht. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung haben wir noch folgende Vorschläge:

  • Energetische Sanierung: Öffentliche Gebäude sollten schnellstmöglich energetisch saniert werden. Ziel dabei muss sein, öffentliche Gebäude zu Null-Emissions-Gebäuden umzugestalten. Dies kostet zwar zunächst Geld, rechnet sich allerdings langfristig, da mit stark steigenden Energiekosten zu rechnen ist.
  • Vegetarische Stadt: Wir empfehlen, dass bei allen städtischen Veranstaltungen ausschließlich vegetarisches Essen angeboten wird, um Klima und Tiere zu schützen. Dies wäre ein schönes Alleinstellungsmerkmal, das uns überregional positives Ansehen bringt. Ein Tipp am Rande für die SPD: Eine Partei, deren Mitglieder sich auf Parteiveranstaltungen hauptsächlich von Bratwurst, Steak und Bier ernähren, kann man als Klimaschützerpartei nicht ernst nehmen!
  • Fahrradstadt: Der Fahrradverkehr ist Braunschweig ist massiv zu fördern. Unser Tipp am Rande: Zwei Fahrradwege direkt durch die Innenstadt einrichten, einmal in Ost-West- und einmal in Nord-Süd-Richtung.
  • Kostenfreier ÖPNV: Wie kann man den ÖPNV am besten fördern? Indem man ihn kostenfrei macht! Das klingt vielleicht absurd und nach Verschwendung von Steuermitteln, ist jedoch das ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Und außerdem ein schönes touristisches Alleinstellungsmerkmal für die Stadt.

 

3) Braunschweig — die Gründerstadt

Die Wirtschaft in Braunschweig ist stark von Volkswagen abhängig. In wirtschaftlich guten Zeiten ist das ein Vorteil, sobald es der Automobilindustrie schlecht geht, ist das für die Stadt jedoch sehr negativ. Dem kann entgegen gewirkt werden, in dem junge Gründer besonders gefördert werden, um sie langfristig an die Stadt zu binden und so weitere Wirtschaftszweige in der Stadt anzusiedeln. Hierfür ist zum Beispiel die Bereitstellung von günstigen Co-Working-Spaces sinnvoll, aber auch die Unterstützung von Gründern durch erfahrene Manager und Wissenschaftler. Alles drei ist in Braunschweig vorhanden. zum Beispiel Raum: Die IGS Wilhelm Bracke wird bald an neuer Stelle errichtet. Das alte Schulgebäude wird abgerissen. Wenn man dieses Gebäude mit einfachsten Mitteln sanieren würde, dann könnte man daraus ein großes Gründungszentrum machen mit Tagungsräumen und vielen Co-Working-Spaces. Die Kombination aus Wissenschaft, Wirtschaft und jungen Talenten bietet viele Chancen, die nur genutzt werden müssen.

 

4) Braunschweig — die sympathische Stadt

Ein großer Fehler des Stadtmarketings war, den schönen Slogan: „Unser sympathisches Braunschweig“ durch den biederen Slogan „Unser sauberes Braunschweig“ zu ersetzen. Sauberkeit ist kein Wert an sich. Niemand möchte in einer Stadt leben, nur weil sie sauber ist. Sympathisch und bunt sollten die Leitlinien des Stadtmarketings sein. Eine Stadt, in der es sich zu leben lohnt. Eine Stadt mit spannenden Geschichten! Eine Stadt, die an die Zukunft denkt! Eine Stadt für Migranten, für alte und junge Menschen, für Menschen mit Behinderungen, für Homo- und Heterosexuelle, für Briefmarkensammler, Taubenzüchter und Tangotänzer — oder kurz gesagt: eine tolerante, sympathische Stadt!

Die Gruppe B.E.R.N.D. hofft, dass es zukünftig ein sympathisches Zusammenspiel von Bürgern, Stadtplanern, Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft gibt — so kann ein sympathisches Braunschweig gelingen!

 

P.S.: Die obere Grafik ist – abgesehen vom Slogan – die Originalgrafik, mit der die Stadt Braunschweig für ein sauberes Braunschweig wirbt. Ein Mitglied unserer Runde hat sich die Frage gestellt, was daran sauber sein soll, dass ein junges Mädchen mit einer Lupe auf das Geschlechtsteil eines Löwen zeigt. Auf diese Frage haben wir leider keine vernünftige Antwort gefunden …

 


Kommentare   
 
0 #2 Meister 2014-08-30 13:36
Die Darstellung der Stadt der Ringe müsste erweitert werden um die alte Landwehr u.a.mit den besonderen Stationen Wendenturm, Gliesmaroder Turm, Ölper Turm, Raffturm, Rothenburg, Rüninger Turm, Schöppenstedter Turm
Das Braunschweiger Forum hat schon vor über 20 Jahren Radeltour „Rund um die alte Landwehr“ angeboten. Nähere Info über Hans-Walter Fechtel, Tel. 0531/400339
 
 
0 #1 Matthias 2012-12-20 18:42
Viele gute Ideen die man hier liest. Ein paar Vorschläge hätte ich auch noch:__- Ausbau von innerstädtische n Nebenstraßen wie z.B. der Schöppenstedter Straße zu Verkehrsberuhig ten Zonen._-Ausserh alb des Bereiches der sogenannten 1A /1BLagen Wegfall oder eine deutliche Reduzierung der Kosten für Aussensitze in der Gastronomie._-B ei der Sanierung von Gebäuden der Baugenossenscha ften jungen Architekten die Chance geben Entwurf und Planung zu übernehmen _Beispiel: die BBG plant in der Schuntersiedlun g den Abriss und Neubau einiger Häuser- verschiedene Architekten erhalten einen Rahmenplan (Baukörpergröße , min/max Wohnfläche Budget etc) und bauen ansonsten frei.__- Gründung eines Gestaltungsbeir ats nach Regensburger Modell_http://w ww.regensburg.d e/rathaus/aemte ruebersicht/pla nungs-u-baurefe rat/bauordnungs amt/gestaltungs beirat/5999__-N eue Wege bei der energetischen Sanierung finden und zum Modell machen. Fassadendämmung verschandelt das Stadtbild und ist nicht ökologisch!_-Fa hrradwege nach Niederländische m Vorbild farblich abheben- Mündungsbereich e von Seitenstraßen in Hauptstraßen werden durch die Radwege „unterbrochen“ und nicht wie bisher umgekehrt._-Das Okerufer im Bereich des Busbahnhofes durch Treppen erreichbar machen.
 
 

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