Robert B. Laughlin: Abschied von der Weltformel

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Emergenz: Aus Vorhandenem entsteht unvorhersehbar Neues. Foto: Karl-Friedrich Weber

Auch der 42. Waldbrief nähert sich der Frage des Dr. Faustus nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Für uns als interessierte Menschen mag das beim ersten Querlesen nicht gerade als eine leichte Kost erscheinen; bei Wiederholung erschließen sich nach und nach immer mehr Zusammenhänge. Dann wird es spannend, und das Interesse wächst. Irgendwann ist eine neue Erkenntnis das Ergebnis und entwickelt ein vorhandenes Meinungsbild weiter. Eine Meinung zu haben, ist legitim. Eine festgefügte Meinung lediglich gegen eine andere zu stellen, führt uns nicht weiter. Die Waldbriefe bemühen sich deshalb im Diskurs um das Waldwesen um ein Format, das Ursachen und Wirkungen auch außerhalb des engen Paradigmas der Forstwirtschaft sucht, weil sie in der subjektiven Innensicht verdeckt bleiben.Ich möchte gern so weiter arbeiten, auch weil es mir Freude bereitet, die vielfältigen bundesweiten Reaktionen zu erfahren und daraus zu lernen.Jetzt möchte ich aber mit dem 42. Waldbrief in eine sommerliche Redaktionspause gehen und im August meinen Teil am Diskurs um unsere Wälder mit frischer Kraft fortsetzten.
Karl-Friedrich Weber

42. Waldbrief 26.06.2021

Naturwissenschaft im Wandel – vom Reduktionismus zum Holismus

„Den reduktionistischen Mythos können wir dadurch widerlegen, dass wir die Korrektheit der Regeln beweisen und dann sehr kluge Leute auffordern, von ihnen ausgehend etwas vorherzusagen. Ihre Unfähigkeit, das zu tun, wird dann offenbar.“
(Robert B. Laughlin, Physiker und Nobelpreisträger)

In der Außenbetrachtung wird die Forstwissenschaft scheinbar von einem „linientreuen“ relativ kleinen Kreis etablierter Persönlichkeiten und ihrer Institutionen gesteuert. Ihr dominantes theoretisches Fundament ist linear-kausal und reduktionistisch angelegt. Das mag eine Ursache dafür sein, dass ihr Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit immer noch groß ist und sich deshalb die forstliche Praxis in ihren herkömmlichen Entscheidungsmustern immer wieder bestätigt fühlt. Im Gegensatz zu dieser Haltung wachsen auch in der Innenbetrachtung Nachdenklichkeit und Betroffenheit in der Frage, warum es Forstwissenschaft und -praxis bis heute nicht gelungen ist, naturnahe Wälder mit hoher ökonomischer und ökologischer Wertschöpfung zu gestalten, wie sie seit vielen Jahrzehnten den gesellschaftlichen Zielen entspricht.

Vieles spricht dafür, dass wir wie in den 1920er Jahren in der Gegenwart am Beginn einer neuen naturwissenschaftlichen Zeitenwende stehen. Die Form eines neuen Paradigmas wird stets von wenigen Persönlichkeiten eingeleitet, deren Thesen und Einsichten zunächst ignoriert, dann belächelt und schließlich erbittert bekämpft, bis sie spät, oft zu spät als selbstverständlich hingenommen werden. Manche zerbrechen daran und geben auf.

Der Physiker Robert B. Laughlin gehört nicht dazu. Die Robustheit seiner Thesen reißt Denkschranken ein und erweitert den Erkenntnishorizont, gerade auch dann, wenn er damit nichts neues postuliert. Indem er die Situation seiner „Wissenschaftsgemeinde“ pointiert skizziert, zeigt er auf, dass auch die Naturwissenschaft durch menschelnde Subjekte weiterentwickelt oder deformiert wird. Aus Einblicksfähigkeit erwächst Einsichtsfähigkeit. Wenn wir beim Lesen feststellen: Ja, Laughlin trifft es, können wir daraus eigene Parallelen und aus diesen wiederum Schlussfolgerungen auf die Situation des Waldes ziehen. Weiter:

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