Start Kultur Leserbrief: Droht den Stiftshöfen der Baustopp?

Leserbrief: Droht den Stiftshöfen der Baustopp?

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Foto: Hans Georg Dempewolf

Von Bürgerinitiative Markthallenpassage

… so titelte die Braunschweiger Zeitung am 11.7.2026.

Redakteur Daniel Johannes Kalis verschob klammheimlich den bisher von der Struktur-Förderung-Braunschweig (SFB) genannten Fertigstellungstermin von 2028 auf 2029.

„Die Antragstellerin wendet sich vor allem gegen die Dimension des genehmigten Hotel- und Bürogebäudes“, heißt es in der BZ. Diese Aussage ist schon einmal falsch – denn es geht nur um eine Grundstücks-Grenzwand des Hotelneubaus, die nach der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) so nicht genehmigungsfähig ist.     

Darüber hinaus wendet sich die Nachbarin gegen den Abbruch des Stammhauses der Braunschweiger Zeitung, Hutfiltern 8. Dieses 1875 – 1881 erbaute Gebäude des berühmten Architekten Julius Raschdorff – er schuf u.a. den Berliner Dom – ist ein gutes Beispiel für die Stadtplanungen des 19.Jahrhunderts unter Stadtbaurat Ludwig Winter und damit ein bedeutender Vertreter des Historismus.  Laut Denkmalatlas des Niedersächsischen Landes-Denkmalamtes (NLD) steht es unter Denkmalschutz.

Dieses Gebäude will die SFB nun partout abreißen.  Erhalten bleiben soll lediglich die Fassade vom 1.- 3.OG. Die neue Planung sieht vor, den vorhandenen Keller zu entfernen und stattdessen über 40 Pfähle einzubringen. Dabei ist insbesondere der im östlichen Grundstücksbereich verlaufende und verrohrte ehemalige Burgmühlengraben problematisch. Ein Foto, das die Braunschweiger Zeitung veröffentlicht hat, zeigt das Innere des Rohrgrabens, was das Problem verdeutlichen kann.                                                                          

 Dass dieses geschichtsträchtige Gebäude abgerissen werden soll, ist an sich schon ein Skandal. Es gehört zu den wenigen Gebäuden der Innenstadt, die den Krieg unbeschadet überstanden haben. Zudem erschien hier am 8. Januar 1946 die erste Nachkriegszeitung in der britischen Zone! Seit der Errichtung des Gebäudes 1881 erschienen hier im Druckhaus Limbach die Braunschweigische Landeszeitung und der Braunschweiger Stadtanzeiger, der ab 1906 Braunschweiger Allgemeiner Anzeiger hieß.

Angemessen wäre es deswegen, im westlichen Erdgeschossbereich ein kleines Museum zur Hausgeschichte einzurichten. In Kombination mit dem ursprünglich hier geplanten Restaurant könnte es einen sehr anziehenden Eingangsbereich zu dem geplanten Hotel bieten. Die in den Obergeschossen vorgesehenen Büroräume könnten dadurch einen besonderen Charme bekommen: „Office im Pressehaus“.                

Ausschließlich aus diesen beiden Gründen hat sich die Nachbarin nun an das Verwaltungsgericht gewandt. Mit ihrem Eilantrag soll verhindert werden, dass von der SFB vollendete Tatsachen geschaffen werden. Damit widerspricht die Nachbarin auch entschieden der im BZ-Artikel zitierten Behauptung, die SFB hätte „…als städtische Tochtergesellschaft und Bauherrin im Vorfeld Gespräche mit den betroffenen Nachbarn geführt“. Die SFB hat im Gegenteil ausschließlich einseitige Forderungen gestellt. Gespräche oder Ortstermine gab es nicht. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass das nun durch den Widerspruch nachgeholt werden kann.

Wie Herr Kalis in seinem Artikel weiter beschreibt, sieht die Stadtverwaltung keinen Grund für einen Baustopp, da „…in den kommenden Monaten überwiegend Abbruch- und Tiefbauarbeiten geplant seien“.  Aber genau das ist ja ein Teilaspekt des Widerspruchs!

Eine besondere Kuriosität sei abschließend noch erwähnt: der neue amtierende Stadtbaurat Gerold Leppa ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der SFB. In dieser Funktion genehmigt er sich praktisch seinen eigenen Bauantrag!

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