Hände weg von Viewegs Garten!

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BI Baumschutz Braunschweig zu den Plänen der Stadt für die Umgestaltung des Bahnhof-Bereichs und Viewegs Garten

Weit über 350 Bäume weniger, zwei Ecken des historischen Parks Viewegs Garten mit Hochhäusern bebaut (Südost- und Nordwest) und eine ordentliche Portion Steinwüste vor dem Hauptbahnhof (18.000 Quadratmeter neue Versiegelung), das planen Oberbürger-meister Markurth und Stadtbaurat Leuer, die Mitte Oktober den Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs Bahnhof bekanntgaben (Büro Welp von Klitzing).

Mit der Entscheidung hat die Stadt es sehr eilig. Viewegs Garten ist zwar nicht denkmalgeschützt, steht aber planungsrechtlich unter Schutz. Das soll nun durch eine Änderung des Flächennutzungsplans aufgehoben werden. Dies und die Aufstellung eines Bebauungsplans sollen bereits am 29.10.19 im Bezirksrat vorgestellt, am 30.10.19 im Planungs- und Umweltausschuss (öffentlich) vorentschieden und schon am 05.11.19 im Verwaltungsausschuss (nicht im Rat!) beschlossen werden, in nichtöffentlicher Sitzung.

Auf der Strecke bleiben Bürger*innenbeteiligung, Klimaschutz und Radverkehr!

Der Entwurf sieht eine komplette Umgestaltung vor Hauptbahnhof und Bravo-Park vor. Den Rückbau von Kurt-Schumacher-Straße und Heinrich-Büssing-Ring halten wir zwar für zukunftsweisend, um Raum für Gehwege, Radverkehr, ÖPNV, Bäume und Sträucher zu schaffen. Davon kann hier jedoch nicht die Rede sein. Die frei werdenden Flächen sollen dicht mit bis zu achtgeschossigen Hochhäusern bebaut werden (mit nur 300 Wohnungen!) Der klimaschädliche Autoverkehr wird durch den Neubau eines Parkhauses sogar noch gefördert. Der Radverkehr, den Braunschweig angeblich fördern will, wurde in den Plänen komplett vergessen (außer, dass die Radabstellplätze vor dem Bahnhof in ein Parkhaus daneben verlegt werden.) Die großen grünen Verkehrsinseln mit ihren Bäumen und Beeten sollen ersatzlos verschwinden.

Alle Entwürfe werden ab 28.10.19 im Rathaus im 2. OG ausgestellt. Einer davon ist auch stadtklimafreundlich und tastet Viewegs Garten und die Grüninseln nicht an: https://www.reichel-stauth.de/projekte.html?rs%5Bprj%5D=119

Gerade 2006 wurde der Park noch aufwändig saniert, Wege wurden erneuert und Bäume gepflanzt. 2017 fand hier der Tag des Baumes statt. 2014 hat die Stadt im Rahmen des Projekts „Drei Bäume für Deutschland“ in einer feierlichen Zeremonie an der Südostspitze drei Bäume gepflanzt. Sollen die jetzt wieder gefällt werden?

Im Bürger*innenbeteiligungsprozess ISEK jedenfalls war der Wunsch der Braunschwei-ger*innen nach Erhalt und Ausweitung unserer Parks einer der Spitzenreiter…

Kommentar Edmund Schultz

Während die meistens Ratsleute zustimmend nicken, wenn Fridays for Future vor dem naheliegenden Aussterben der Menschheit warnt wegen Untätigkeit angesichts der Klimakatastrophe, wird gleichzeitig ein Entwurf zum Sieger gekürt, der große Flächen versiegelt, hunderte wertvolle alte Bäume vernichtet und den Radverkehr vergisst! Geht’s noch? Schon jetzt kann Braunschweig seine Klimaziele nicht einhalten und dieses Projekt ist ganz offensichtlich in hohem Maße klimaschädlich! „How dare You – wie könnt Ihr es wagen!“ dieses Zitat von Greta Thunberg trifft hier den Nagel auf den Kopf. Solange es in der Stadt noch Dächer ohne Solaranlage gibt und Orte, wo ein Baum oder ein Strauch wachsen könnte, sollte man nicht einmal daran denken, Geld anders zu investieren als in das Ringen um unser aller Überleben!

1 KOMMENTAR

  1. Im April 2017 habe ich der BI Baumschutz und anderen Organisationen in Viewegs Garten schon von diesem „Wettbewerb“ und der Ausstellung im Bahnhof dazu erzählt und genau davor gewarnt. Damals wurde ich anscheinend nicht ernstgenommen, seit dem habe ich nämlich keine Aktionen hierzu erlebt. Jetzt, zwei Jahre später, wo es im Prinzip schon zu spät ist, kommt die BI Baumschutz aus den Löchern gekrochen und begehrt auf…..was soll ich denn davon halten?
    Und wo sind eigentlich die anderen Umweltorganisationen und Stadtplanungsvereine wie BUND, NABU, BS-Forum geblieben, die habe ich nämlich auch vor zwei Jahren schon dazu angesprochen?

    Politik und Stadtverwaltung sind wohl sehr investorenhörig, lassen sich alles abschwatzen und zerstören damit das was man vorher aus gutem Grund so gemacht hat. Hier ein Stück Park, da eine alte Reithalle, dort neben der Stadthalle, nicht zu vergessen der Rangierbahnhof, alles Sahnegrundstücke, wo sich die Investoren die Hände reiben. Sozialer Wohnungsbau Fehlanzeige, es wird sogar noch teurer weil die neuen Exclusiv-Wohnungen den Mietspiegel noch mehr hochtreiben.

    Politik und Stadtverwaltung bekennen sich gegenüber FfF zum Umwelt- und Klimaschutz, tun aber genau das Gegenteil. Alles inhaltesleere Lippenbekenntnisse, weil andere Interessen im Vordergrund stehen. Man hoft sicherlich noch, dass sich FfF bald totläuft, was ich leider auch befürchte.
    Ich glaube es ist eine Systemfrage, der Kapitalismus kennt nur noch Wachstum und frisst seine eigenen Kinder. Die Landwirte gehen auf die Straße, weil sie auch durch diverse Regularien eingeengt werden. Auf der einen Seite steht die Produktions- und Gewinnmaximierung, an der anderen Seite wachsen in jedem Kaff Gewerbe- und Neubaugebiete auf den früheren Äckern. Beton kann man nunmal nicht essen und auf Asphalt wächst kein Weizen.

    Zwischen Hamburger Straße und Mittelweg baut man auf dem riesigen Gelände des früheren Pressehaus, ex Schlachthofes gerade zwei Märkte in Flachbauweise. Warum hat man hier nicht mehrgeschossige Häuser mit Wohnungen oben und Geschäften unten vorgesehen? Das was da gerade entsteht ist eine unglaubliche Platzverschwendung. Die Diskussion um die (m.E. künstliche) Wohnraumnot ist auch nicht gerade neu, sondern wird uns ja schon seit Jahren unter die Nase gerieben. Das ist m.E. ein totales Versagen von Politik und Stadtverwaltung in Sachen zukunftsorientierter Problemlösungen, nämlich Wohnungen da bauen, wo auf bereits schon mal bebauten, aber brach liegenden Flächen ausreichend Platz dafür gewesen wäre.

    ÖPNV und Radverkehr wird in Braunschweig auch nur stiefmütterlich bewertet. Die letzte Fahrplanreform wurde als Verbesserung verkauft, ist in der Tat an vielen Stellen aber eine Verschlechterung. In diesem Jahr gab es mindestens zehn BZ-Artikel über das ach so tolle Ringgleis, welches angeblich wächst und wächst und wächst. Die Wahrheit ist aber, das es die meisten Wege im Osten und Süden bereits seit langer Zeit gibt, keinen Millimeter mehr auf der ehemaligen Bahntrasse verlaufen, teilweise nur mit neuer Oberfläche versehen werden, was auch dringend nötig war.
    Im Gegensatz dazu baut man im ganzen Stadtgebiet Radwege zurück, markiert lediglich Schutz – und Radfahrstreifen, einige Beispiele hierfür sind Messeweg, Leonhardstraße, Kastanienallee, Helmstedter Straße.
    Radverkehrsführungen werden immer unübersichtlicher, gefährlicher, Ampelschaltungen sind diskriminierend, bremsen das Vorankommen aus.
    Dazu noch Schäden, die seit Jahrzenten nicht beseitigt werden und die Antworten der Stadtverwaltung auf Meldungen hierzu der reinste Hohn sind.

    Wir werden unsere Umwelt schön zerstören, geht immer schneller. Ich möchte den totalen Kollaps allerdings nicht mehr miterleben.

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