Der grüne Hagenmarkt darf nicht zerstört werden

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Heinrichsbrunnen auf dem Hagenmarkt. Foto: Friedrich Walz

Von Friedrich Walz, BIBS-Vertreter im Bezirksrat „Nochinnenstadt“

Im Jahr 1980 war der Hagenmarkt nur eine Verkehrsfläche mit Heinrichsbrunnen. Sie umfasste ein schmales Ost/West und Nord/Süd-Verkehrskreuz, nördlich vom Brunnen acht Bushaltestellen und südlich davon ca. 100 PKW-Parkplätze.

1981/82 wurde das Verkehrskreuz durch den Bau von Straßenbahntrassen verbreitert.

Im April 1982 beschloss der Bezirksrat Innenstadt einstimmig, den Platz um den Heinrichsbrunnen neu zu gestalten. Stadtgestalter Mander vom Stadtplanungsamt hatte eine Bepflanzung mit 44 mittelgroßen Robinien (Robinia pseudoacacia) und eine Anlage von Rasenflächen auf dem noch vorhandenen Platz vorgeschlagen. „Mander führte an, dass die beste Umweltqualität durch eine großzügige Bepflanzung erzielt wird.“ (vgl. BZ vom 8. April 1982, siehe Foto):

Robinien sind extrem genügsam, flachwurzlig auf dichteren Böden, schnellwüchsig und klima- sowie schadstoffresistent mit prachtvollen Blüten, die als Bienenweide (Akazienhonig) dienen.

Die 28 kostenlosen Bänke mit 56 Sitzplätzen um den plätschernden, denkmalgeschützten Heinrichsbrunnen lassen bis heute den lärm- und feinstaubintensiv-produzierenden Verkehr bei Aufenthalt ein wenig vergessen.

Zusammen mit den feinstrukturierten Wegen, die sternförmig auf den Brunnen zulaufen und von FußgängerInnen und RadfahrerInnen gern benutzt werden sowie einem Ent- und Bewässerungssystem unter der Erde hatte die Neugestaltung 2,6 Millionen DM gekostet. Diese Investition ist noch lange nicht abgeschrieben.

Diese vorausschauend geplante Anlage hat denkmalschutzwürdige Bedeutung. Nach Wegfall des Schlossgartens und des Pocketparks vor der ehemaligen, denkmalgeschützten Stadtbibliothek ist das Bedürfnis nach grünen Plätzen sowohl von BesucherInnen als auch BewohnerInnen Braunschweigs größer denn je.

Der Park trägt sowohl zur CO2-Senkung als auch zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

Es besteht geradezu die Pflicht, die im Oktober 2017 vom Orkan gefällten Robinien zu ersetzen. Diejenigen Robinien, die standfest geblieben sind, wären als Naturdenkmale auszuzeichnen.

Die Robinie ist zum Baum des Jahres 2020 ernannt worden. Es bietet sich also an, wieder 20 bis 30 mittelgroße Robinien – den vorhandenen Platz umrahmend und Haushaltsmittel sparend – nachzupflanzen.

Derzeit hat die Stadt rund um diese wertvolle, einzigartige grüne Platzanlage den Gewerbetreibenden 208 Freisitzplätze zur kommerziellen Nutzung genehmigt.
Dies ist völlig ausreichend und damit kann dieser Park wie in den letzten 38 Jahren weiterhin nichtkommerziell von aller Welt genutzt und genossen werden.

1 KOMMENTAR

  1. Die (fast) letzte Lunge der City

    Gestatten Mister Hagen Markt,
    bin Verfechter des Verweilens –
    im Vulkan des Eilens
    Vom zornigen Leben gezeichnet
    als im Sturme Bäume weichten
    An meinem Brunnen
    planschen die Vögel
    Ältere Menschen ruhen sich
    in meiner Obhut aus –
    von dem Strudel
    des Kommerzes gepeinigt
    Doch nun wollen SIE mir an den Kragen
    eine Beauty- OP soll meine
    Naturschönheit vernichten
    Eine Rundumerneuerung soll mich entgrünigen
    Das Leben unter meiner Haut soll ermordet werden!
    Kein Regenwurm und kein Erdbewohner
    wird unter künstlichem Deckmantel mehr kriechen.

    Meine Mission die qualmenden Geschwader des Verkehrs,
    in freie und turtelnde Frischluft zu verzaubern, ist gefährdet.

    Braunschweiger seit Menschengedenken

    Ich bin Hagen Markt und stehe vorm Herzinfarkt.

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