Corona und das GROSSE GLÜCK

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Düstere Zeiten bleiben auch mit Impfstoff und Maske Pixabay

Während die Wogen der Kritik in der Corona-Pandemie hoch gehen, während sich politische Pannen häufen und diese auch zunehmend nerven, während kein Ende der Pandemie absehbar ist und die Hoffnung auf ein normales Leben schmilzt, während wir fast 80.000 Tote zu beklagen haben, können wir uns glücklich schätzen in diesen pandemischen Zeiten unter diesen Bedingungen zu leben.

Es ist alles richtig was da so beklagt wird aus Wirtschaftskreisen, es mag auch richtig sein, dass man sich auf Malle mal nicht im verantwortungslosen Kollektiv besaufen konnte. Auch die unverständlichen Fehler des RKI bei der Epidemieeinschätzung und Maskennotwendigkeit sind nur schwer nachvollziehbar und schon gar nicht sind vertrauenschaffend einige Lockdown-Entscheidungen und Impfstoff-Beschaffungsfehler.

Aber was derzeit an Kritik in den Medien, auch den sog. etablierten, und in der Bevölkerung laut wird, ist an Masslosigkeit nicht zu überbieten. Diese ätzende Rhetorik wie „Impfdesaster“ oder gar „Staatsversagen“ dient der Stimmungsmache ohne Verantwortung, denn mit Realität hat das nichts mehr zu tun.

Gerade beendet eine bislang beispiellose staatlich organisierte Impfkampagne die größte Katastrophe innerhalb einer Pandemie in Deutschland: Das Massensterben in den Alten- und Pflegeheimen. Über 29.000 Menschen tötete Sars-CoV-2 dort. Schon Ende Februar hatten 85 Prozent der Heimbewohner die Erst- und 60 Prozent die Zweitimpfung erhalten. Die Infektionszahlen unter ihnen sind stark gesunken. Ein Meilenstein im Weg aus der Pandemie! Man könnte sagen, das knappe Gut Impfstoff ist sehr effektiv unter Beachtung moralischer Grundlagen eingesetzt worden.

Erleben wir einen Skandal?

Ja, ganz klar! Doch der liegt nicht im nationalistischen Gejammere, dass „Deutsche“ zu wenig Impfstoff zu spät haben. Im Grunde ist es egal, wer den Impfstoff bekommt. Wichtig ist, dass den Stoff zuerst die Risikogruppen bekommen haben. Egal ob ein Engländer, Isreali, ein Ire oder ein Deutscher. Es werden Leben gerettet, egal wo auf dem Globus. Das ist das Entscheidende! Wenn wir aber nun schon mal beim ekligen Nationalismus sind, dann sollte man sich den Begriff „Impfdebakel“ für ungleich skandalösere Ereignisse aufsparen. Vielleicht dafür: Während einige wenige Länder schon ein Drittel oder mehr ihrer Einwohner mindestens eine Dosis verabreicht haben, bleibt ein ganzer Kontinent, nämlich Afrika, mit 0,38 verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohner weit abgeschlagen. Nicht nur Experten halten einen solchen Impfnationalismus in einer Pandemie für einen schweren Fehler. Denn wo das Virus weiter unbekämpft übertragen wird, bildet es neue Mutanten, die schlimmstenfalls unseren vorhandenen Impfschutz umgehen. Es bringt gar nichts in einer Pandemie, eine Insel der Gesundheit zu sein. Das müssten doch auch all die erkennen, die gerne die nationalistische Keule schwingen oder Brandbescheuniger in der Gesellschaft rumspritzen.

Ist AstraZeneca das Problem?

Als ich diesen Kommentar schrieb verimpfte Deutschland die Vakzine von AstraZeneca. Die Aufregung nach dem Stopp ist nun groß. Das ist nur allzu verständlich. Es ist davon auszugehen, dass in der pannenreichen Impfkampagne noch mehr ins Stocken geraten dürfte. Das mit Bananenrepubliken zu vergleichen ist natürlich Quatsch. In den despektierlich so genannten Ländern, wird die Normalbevölkerung überhaupt nicht geimpft und an Corona-Sekundärauswirkung sterben Kinder an Unterernährung, weil die Eltern kein Geld mehr verdienen.

Natürlich hat sich Minister Spahn inzwischen als zu eitel und damit in Verbindung als zu unfähig erwiesen die Bekämpfung Pandemie zielführend zu organisieren. Zu viele folgenlose Ankündigungen und miserables Impfmanagement. Doch bei AstraZeneca trifft ihn keine Schuld. Schon im Herbst haben Epidemiologen, Immunologen und Virologen darauf hingewiesen, dass nach der Zulassung von Impfstoffen mit Rückschlägen zu rechnen sei. Und wer sich nur ein bisschen mit diesen Fragen und Problemen auskennt, für den ist das völlig normal, denn wir sind nun mal biologische Wesen. Angesichts der riesigen Zahl von Menschen, die innerhalb kurzer Zeit weltweit geimpft werden sollen, kann es vereinzelt zu unerwünschten und unvorhersehbaren Reaktionen kommen. Das ist nun passiert. Der vorläufige Impfstopp sollte uns beruhigen, zeigt er doch, dass die Kontrollmechanismen in Deutschland funktionieren. Wenn alle Menschen vernunftgesteuert wären, hätte man auch weiterimpfen können. Aber wie man am Verhalten vieler Menschen in der Pandemie erkennt, sind eben viele nicht vernunftgesteuert. Das beste Indikator dafür ist die Bildzeitung: „Malle ist wieder offen“. Yaeeeeee!

Das reale Problem

Größte Sorgen sollten im Moment die bedrohlich steigenden Infektionszahlen bereiten. Angesichts der aggressiven Virusvarianten warnen Wissenschaftler/-innen seit Monaten vor einer dritten Welle exponentiellen Wachstums. Sie rechneten im Detail vor, warum es so wichtig ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner/-innen stabil auf unter 35 zu drücken, bevor langsam geöffnet wird. Zu frühe Lockerungen würde die Gefahr bergen, dass die Pandemie außer Kontrolle gerate, so die Epidemiologen. Auf dieser Türschwelle stehen wir nun, und sind bereit weitere Schritte in die falsche Richtung zu gehen. Alles wissend, entschieden sich Bund und Länder bei ihrem letzten Treffen für das Gegenteil von Vorsorge. Sie ließen Lockerungen zu, sofern die Inzidenz nicht über 100 steigt. Manche Länder interpretieren inzwischen die Zahl 100 als 200, und manche Landkreise lassen ihre Geschäfte bis Inzidenz 200 öffnen. Das ist Staatsversagen! Diese Pandemie in der dritten Welle wird so richtig schlimm werden, zumal weitere Virusvarianten vor der Tür stehen.

Bleibt noch die Frage warum wir so ein Glück gehabt haben bis jetzt:

Weil wir so schnell Impfstoffe zur Verfügung hatten, wobei die mRNA-Vakzine rasch an neue Mutanten angepasst werden kann. Das ist eine grandiose wissenschaftliche und technologische Leistung. Ohne diese Leistung wären bei uns hundertausende Menschen jämmerlich erstickt.

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