Corona: Sind wir am Limit?

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Covid-19 Foto:Pixabay

„Wird Ostern zum Stresstest für die Kliniken? Corona-Krise: Wo jetzt die Intensivbetten knapp werden“

So titelt die Braunschweiger Zeitung am Samstag dem 11. April. „Hoffentlich bekomme ich im Ernstfall noch eine Krankenhausbehandlung, sonst ist es aus…“ geht mir beim Lesen durch den Kopf, schließlich gehöre ich mit über 60 Jahren schon zur „Risikogruppe“. Und dann lese ich fettgedruckt mitten im Artikel „Von einer Entspannung kann man noch nicht ausgehen“.

Erstmal tief durchatmen und beruhigen, denke ich, und dann genau lesen was der Redakteur der BZ, Alessandro Peduto, schreibt. Ein Blick auf die im Artikel abgedruckte Karte über die Intensivbettenkapazitäten in Deutschland gibt mir erste Beruhigung. Von mehreren hundert über ganz Deutschland verteilten Punkten sind nur 25 rot, die meisten grau und ca. ein Viertel braun, nur die roten Punkte zeigen Auslastung eines Krankenhauses, von Überlastung nichts zu sehen. Warum behauptet der Redakteur denn „Es ist eine Entscheidung über Leben und Tod“? Der Text erläutert dazu, damit sei gemeint, dass Ärzte bei nicht mehr genügend vorhandenen Kapazitäten schwer Erkrankte möglicherweise abweisen müssten. Erst am Ende des Artikels dann die Erlösung für den geängstigten Leser, denn aktuell am Karfreitag müssten nur 1786 Erkrankte beatmet werden und 8069 Intensivbetten seien noch frei. Also Ostern alles ruhig in den Kliniken.

Ich atme durch und frage mich, wie passt die alarmierende Überschrift zu den Fakten, die der Autor am Ende nennt. Ist das nicht Panikmache ohne Fakten? Behauptet die BZ nicht, sowas gebe es nur in den alternativen Medien?

Wie sieht die Auslastung der Intensivbetten mit Corona Patienten nach dem DIVI Register aus?

Dem DIVI Register (Originalangaben siehe unten) nach sind bis zum 7.4.2020 nur in 2 Bundesländern 30% der Betten mit Covid-19 Patienten belegt, sogar in NRW nur 15,4%! Von 16 Bundesländern haben also 14 eine mindestens fünffache freie Kapazität! Dabei werden in Krankenhäuser aller Bundesländern auch schon Erkrankte aus den Nachbarländern behandelt. Laut DIVI Intensiv Register, das alle aktuellen Kapazitäten und die Belegung registriert, ist die Zahl der Covid-19 Beatmeten sogar seit Tagen rückläufig.

Wieso müssen eigentlich immer weniger Covid-Patienten beatmet werden, wenn doch überall zu lesen ist, dass die Zahl der getesteten Infizierten so bedrohlich wachse einschließlich einer noch höheren Dunkelziffer? Müssen die Erkrankten, die sich hinter der Dunkelziffer verbergen, eigentlich nicht ins Krankenhaus?

Beinahe hätte mir die BZ das Osterfest verdorben.

1 KOMMENTAR

  1. Lieber Achim Kleppe,
    wir leben seit Corona halt nur von Momentaufnahmen. Ich bin der Letzte, der die BZ verteidigen würde; aber der arme Reporter durfte wahrscheinlich nichts anderes schreiben, als sein Chefredakteur befiehlt.
    BS hat sich in der Coronakrise bisher armselig verhalten. Der ehemalige Sozialdezernent und heutige Oberbürgermeister ist schlichtweg abgetaucht und fährt wahrscheinlich Kanu auf der Oker.
    Was die Stadt BS bis heute nicht im Griff hat ist die „schnelle, unbürokratische Hilfe“ für Solo-Selbständige oder Leute, die jetzt auf Grundsicherung angewiesen sind. Statt Geld gibt’s neue Formulare im Nachschub (schlimmer als eine Steuererklärung). Die braucht kein Mensch und retten keine Existenz.
    Während VW-Werker unter dem Schutzschirm des Kurzarbeitergeldes weiter dösen können, bricht kleinen Selbständigen der Boden unter den Füßen ein. Ihre Rentenersparnisse werden vom Jobcenter BS als „Vermögen“ angerechnet; und das war’s dann mit der „schnellen und unbürokratischen Hilfe“. Dabei hat die Bundesregierung selbst die Hilfezahlungen „vermögensunabhängig“ postuliert.
    Statt auf der Oker rumzupaddeln sollte sich unser Oberbürgermeister vielleicht mal dieser Problematik widmen. Das Jobcenter gehört zu 50% der Stadt Braunschweig.

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