„Auslassungen und Lügen“? – Was Putin wirklich geschrieben hat

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Wladimir Putin Foto: Pixabay

Der russische Präsident hat einen interessanten Aufsatz in der Zeitschrift „The National Interest“ veröffentlicht. Darin geht er auf die Behauptung ein, Nazi-Deutschland und die Sowjetunion seien gleichermaßen für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Genau diese These hat das Europäische Parlament im vergangenen September auf Antrag von 18 polnischen Abgeordneten in einer Entschließung vertreten. Dort heißt es, der Krieg sei die „unmittelbare Folge“ des 1939 geschlossenen Nichtangriffsvertrages zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion gewesen; die „beiden gleichermaßen das Ziel der Welteroberung verfolgenden totalitären Regime“ hätten „die Weichen für den Zweiten Weltkrieg“ gestellt. Putin kritisiert diese Sicht, wobei der unvoreingenommene Beobachter überhaupt nicht den Eindruck hat, dass Putins Argumente und Belege völlig aus der Luft gegriffen seien.

Der Aufsatz macht nicht den Eindruck, dass Putin seine Sichtweise zur alleinseligmachenden erklärt. Im Gegenteil, befürwortet er doch einen Prozess der „Wahrheitsfindung“, an dem die unterschiedlichen Positionen beteiligt werden sollten: „Wir sind hier zu einer breiten Zusammenarbeit, zu gemeinsamen Forschungsprojekten von Historikern bereit.“

Vor allem aber tritt Putin nachdrücklich für den Erhalt und die Stärkung des Systems der Vereinten Nationen ein. Dessen Vorläufer, der Völkerbund, habe leider dabei versagt, den Weltkrieg zu verhindern, daraus hätten die Nationen nach 1945 gelernt und mit der UNO ein neues System geschaffen, das seine Kernfunktion bisher erfüllt habe. Es habe immerhin 75 Jahre lang einen neuen globalen Krieg verhindert und solle nun für das gemeinsame Lösen von Weltproblemen wie Friedenssicherung, Terrorismus, Klimawandel oder Wirtschaftskrise besser genutzt und ertüchtigt werden.

Die Reaktionen der deutschen Medienwelt sind auffällig. Zunächst wird kaum oder gar nicht darüber berichtet. Dann beginnen einige Medien, den Text mit Begriffen wie „Lügenpropaganda“ zu diskriminieren. Die FAZ gibt mit mehreren Stücken den Vorreiter, bisheriger Höhepunkt: der Artikel „Auslassungen und Lügen“ vom 2. Juli; all das, ohne dem Leser den Inhalt des kritisierten Aufsatzes auch nur auszugsweise vorgelegt zu haben.

Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, veröffentlicht der Braunschweig-Spiegel im Folgenden zwei Texte. Zunächst die Darstellung eines erfahrenen Schweizer Journalisten, die in der Internetzeitung „Infosperber“ erschien, dann den Originaltext von Putin in deutscher Übersetzung. Da dieser Text recht ausführlich ist, muss man sich dafür etwas Zeit nehmen. Auch wenn man nicht alle Gedanken Putins teilen muss: es lohnt sich!

Christian Müller auf INFOSperber: Wladimir Putin: «Verantwortung für Vergangenheit und Zukunft»

Wladimir Putins Artikel in deutscher Sprache

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