ADFC-Fahrradklima-Test 2020: Braunschweig mit mäßigen Noten

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Nachholbedarf bei Breite und Oberflächen der Radwege, bei der Mitnahme von Rädern im ÖPNV sowie dem Umgang der Politik mit dem Thema Radverkehr in der Coronapandemie

Beim am 16.3.2021 im Bundesverkehrsministerium vorgestellten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 schaffte es Braunschweig erneut nur ins obere Mittelfeld der fahrradfreundlichsten Städte in Deutschland. Ergebnis: Platz 5 von 26 Städten im bundesweiten Vergleich in der Stadtgrößenklasse 200.000-500.000 Einwohner und damit ein Platz schlechter als 2018; vor Braunschweig liegen Karlsruhe, Münster, Freiburg und Kiel – Göttingen ist Sieger in seiner Größenklasse, Hannover nach Bremen auf dem 2. Platz der Städte ab 500.000 Einwohner.

1576 Braunschweiger (neuer Rekord) haben im Herbst letzten Jahres an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Unzufrieden sind Braunschweigs Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem mit Breite und Oberflächen der Radwege, der Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen sowie den unbefriedigenden Möglichkeiten der Fahrradmitnahme im ÖPNV. Positiver als im Bundesschnitt wurde die Frage nach eher Spaß oder eher Stress (beim Fahren in der Stadt) beurteilt, sowie die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die Radwegweisung.

Der ADFC Braunschweig fordert nach diesem Gesamtergebnis für unsere Stadt eine zügige Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 14.Juli.2020 und einen beschleunigten Ausbau des Radwegenetzes mit (Förder-)Mitteln des Bundes.

ADFC-Vorsitzende Susanne Schroth sagt: „Die Corona-Zeit hat viele Menschen veranlasst, neu auf das Rad zu steigen – und wir wollen, dass sich die „Neuen“, ja alle Radfahrenden von 8-80+ auf dem Rad wohl und sicher fühlen.“ Leider ist das in Braunschweig nicht immer der Fall: 57% Prozent fühlen sich beim Radfahren nicht sicher, 67% bemängeln Hindernisse auf Radwegen. Dabei ließe sich schon mit kleineren Maßnahmen die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch konsequente Ahndung von Falschparkern auf Radwegen / mehr Tempo 30 / Modale Filter / fahrradfreundliche Lösungen an Baustellen (o.ä.).

„Damit Braunschweig wirklich noch mehr zum Radfahren einlädt, brauchen wir ein durchgängiges Netz an guten Radwegen,“ ergänzt Susanne Schroth.

Der ADFC Braunschweig und die Fahrrad- und Mobilitätsverbände haben mit dem im März 2021 vorgelegten Velorouten-Netz Politik, Verwaltung und der Öffentlichkeit ein überzeugendes Konzept vorgeschlagen. Der Bund stellt mit dem Sonderprogramm Stadt und Land den Kommunen Mittel zur Verfügung. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2018 hat sich Braunschweig zwar im
Ranking verschlechtert, mit der Gesamtnote von 3,7 jedoch geringfügig verbessert (Vergleich 2018: 3,8).

Im Durchschnitt geben die Braunschweiger die Note befriedigend bis ausreichend für die Fahrradfreundlichkeit. Die Mehrzahl der Befragten bemängelt sicheres Fahren auf Radwegen und Schutzstreifen (Note 4,3) sowie im Mischverkehr (Note 4,4). Außerdem finden die Befragten, dass in jüngster Zeit zu wenig für den Radverkehr getan wurde (3,8). Radwegereinigung und Winterdienst werden mit 3,9 bzw. 4,2 beurteilt. Da die Umfrage am 30.11.2020 beendet wurde, konnten die Erfahrungen des Schneeeinbruchs und den damit verbundenen Unzulänglichkeiten im Winterdienst noch nicht in die Bewertung einfließen.

1 KOMMENTAR

  1. Den „Winterdienst“ mit den wochenlang zugeschobenen Radstreifen und nicht geräumten Radwegen werde ich mir fürs nächste Mal besonders merken, habe eine schöne Fotoserie gemacht.
    Und der ADFC soll hier blos nicht noch mal auf die Kacke hauen, von wegen mehr Radwege usw.! Eure eigenen ehemaligen Vorstandsmitglieder wie Dr. Sven Wöhler bescheinigten braunschweigs Radfahrern psychologische Probleme, wenn sie sich auf der Fahrbahn nicht sicher fühlen.
    In älteren pedaleo-Ausgaben freut sich Herr Wöhler über die Entfernung der blauen Verkehrszeichen und damit die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht. An verschiedenen Stellen in der Stadt hat der ADFC Braunschweig in der Vergangenheit sehr wohlwollend den Rückbau von Radverkehrsanlagen kommentiert und man brüstet sich jedes Jahr aufs neue mit höheren Mitgliederzahlen, jetzt 13000, wovon man aber nur von höchstens 15 Aktiven regelmäßig was sieht. Die anderen sind Karteileichen oder so wie mein Vater nach kurzer Zeit wieder ausgetreten. Der ADFC hier wirbt gerne Mitglieder, die dannach dann desillusioniert hinter vorgehaltener Hand das eigene Versagen des KV bemängeln und sich das mit dem Wirken doch ganz anders vorgestellt hatten.

    Das die Stadt BS nicht gerade fahrradfreundlich ist und nicht Willens ist den Zustand der Radwege zu verbessern (Schäden, Breite, Verkehrsführung) ist wahrlich seit 40 Jahren nichts neues mehr und müsste eigentlich wieder in Problemradtoren mit verantwortlichen Stadtangestellten und Politikern angemahnt werden.

    Aber auch der ADFC müsste mit seinen angeblich 13000 Mitgliedern mehr machen, Probleme, Schäden und falsche Beschilderungen finden, sachdienliche Hinweise geben. Tut er das? Nein, er macht Radtouren nach Wolkenkuckucksheim und fordert Schnellradwege zu Zielen, wo bereits vier asphaltierte Wege parallel zueinander sind. Schnellradwege scheinen sowieso ein übergeordnetes Ziel des Bundesverbandes zu sein, ich frage mich nur, ob die hiesigen Mitglieder die das fordern, die ganzen existierenden Wege nach Wolfenbüttel, Salzgitter, Wolfsburg, Peine, Schwülper, Gifhorn, Helmstedt nicht kennen? Früher war das mal eine Spezialität bei ADFC- und Forumsradtouren die schnellen ruhigen Schleichwege zu zeigen, heute fordert man beleuchtete Fahrradautobahnen im Schutzgebiet und unterstützt das Abholzen der Bäume am Ringleisweg. Wo sind die wahren Grünen und fundamentalistische Ökos unter den Radfahrern geblieben? Wohl etwas schwarz geworden und haben ne BI gegen den Rückbau von Parkplätzen auf dem Wilhelmitorwall gegründet, sowas sticht mir in der BZ ins Auge, gerade wenn man gewisse Namen eines dortigen Bewohners liest, welcher auch bei den Radfahrgruppen hier immer ganz lautstark fordert.

    Auch die neue Wortkonstruktion „Velorouten“ ist völliger Blödsinn, hat ja laut BZ auch gar keine Relevanz für irgendwelche Vor- oder Nachteile, Zustand, Schadensbeseitigung, Vorfahrt oder Schneeräumung. Und alle vom ADFC, BS-Forum und der Initiative Fahrradstadt BS stehen pressewirksam vorm Rathaus mit einem Stück Papier für Herrn Leuer, welches lediglich reines Phantasie-Blablabla ist. Über 40 Jahre ADFC, über 40 Jahre BS-Forum und die eigentlichen Probleme im Radverkehr hier werden nicht mal ansatzweise angepackt, statt dessen immer mehr neue geschaffen und die neuen Mängel nicht beseitigt.

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