Start Kultur WUNDER:KAMMER:WELTEN – Lothar Osterburg back from Brooklyn

WUNDER:KAMMER:WELTEN – Lothar Osterburg back from Brooklyn

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CABINET OF WONDERS –  noch bis zum 30. August 2026 im Herzog Anton Ulrich Museum

Die Welt als Wunderkammer der Fantasie.

Der braunschweigisch-amerikanische Künstler Lothar Osterburg zeigt in seinen außergewöhnlichen Werken, seinen surrealistischen Tiefenbohrungen, seinen hintergründigen Treibladungen des Absurden faszinierende Durchbrüche in verborgene Welten.

Lothar Osterburg ist ein Weltenerschaffer, für den die Kunst niemals aufhört, ein Weltenentdecker, der immer tiefer geht, hinein in die eigenen und in die Fantasien des Betrachters, den er so (fast unmerklich), vom Zuschauer zum Mitspieler, Mitwisser, Mitendecker, Mitfantasten macht.  

Lothar Osterburg in seinem Atelier (c)Marek Kruszewski

Wunderkammern sind Orte der gesammelten Neugier auf die Welt.

Wunderkammern waren einmal Sammlungen, vor allem im Barock, an Fürstenhöfen sehr beliebt. Unter Wundern verstand man staunenswerte und unbekannte Besonderheiten der Natur.

Es ging natürlich um Repräsentation, das Darstellen der eigenen Bedeutung, aber auch um die Idee der Erkenntnis aus der Betrachtung, aus dem Wundern über das Vielfältige, das Seltsame, das Unbekannte, das Unterschiedliche.

Das Herzog Anton Ulrich Museum ist so eine (gepflegte, lautlos funktionierende) Wunderkammer, tatsächlich angefüllt mit fantastischen Sammlungen, mit den unglaublichsten kulturellen Schätzen – und liegt auch noch mitten in unserer Stadt.

Blick in die Ausstellung © Herzog Anton Ulrich-Museum, Kathrin Ulrich
Mein Traum vom HAUM mit Subway-Station (Foto M. Brandes)

Gibt es also einen besseren Platz als das HAUM für die subtile, fantastische, absurde Kunst, die seltsamen Bilderwelten und Weltenbilder des gebürtigen Braunschweigers Lothar Osterburg, der sich 1987 aus den Vorlesungen der HBK herauskatapultierte – mitten hinein in die internationale amerikanische Kunstwelt, wo sich seine Werke inzwischen in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art, der Library of  Congress und des Art Institute of Chicago finden.

Seine Kunst entfaltet sich in einem von ihm geschaffenen surrealen Reich aus fragilen, bewusst unvollkommenen Miniaturmodellen aus Fundholz, Seife oder Styropor, die er dann fotografisch und druckgraphisch inszeniert.

Der Künstler bei der Arbeit (Ausstellungsfoto M. Brandes)

Heliogravüre, ein nur noch sehr selten verwendetes Tiefdruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert (wahrscheinlich ist Lothar Osterburg einer der Letzten, der dieses Verfahren noch so meisterlich beherrscht), verleiht seinen Werken ein tiefes, samtiges Schwarz/Weiß und die Atmosphäre expressionistische Stummfilme. 

Grand Central Library (Ausstellungsfoto M. Brandes)

In Lothar Osterburgs surrealen, immer menschenleeren Welten ist es ganz normal, dass Lokomotiven durch Kamine in Bibliotheksräumen dampfen oder eine New Yorker Subway-Station direkt unter dem Herzog Anton Ulrich Museum liegt – der Traum vom HAUM –  bewacht vom Braunschweiger Löwen oder ein Zeppelin am babylonischen Turm andockt, der mitten in der Skyline New Yorks auftaucht (Inspiriert von einem Stich von Hans Collaert: “Die Sprachverwirrung”, 1579).

Library Dreams – Ausschnittfoto mit Lokomotive (Ausstellungsfoto: M. Brandes)

In seinen absurd-realistischen Bilderwelten stehen auch Wohnwagensiedlungen im Treppenhaus einer Art Burgruine, wacklige Baumhäuser nisten mit haarsträubender Kühnheit auf kahlen Ästen.

Downtown Transfer (State 2) Bildausschnitt (Ausstellungsfoto: M. Brandes)

So bohrt Lothar Osterburg nicht nur mit seinen Bildern Löcher in den Kosmos unseres Sehens, sondern bringt auch unsere Wahrnehmungsmuster heimtückisch klug ins Wanken.

Seine wunderbar manische Freude am handwerklichen Detail, an der meisterlich unperfekten Ausstattung beispielsweise seiner Miniatur-Guckkästen (auf keinen Fall verpassen da reinzuschauen) wird nur noch überstrahlt von der künstlerischen Kraft und Intensität seiner rätselhaft visionären Bilderwelten.

Guckkasten: „Das Silber der Welfen“ (Ausschnittfoto: M. Brandes)

Lothar Osterburg hat in den USA eine einzigartige künstlerische Sprache entwickelt: Seine ausgestellten Arbeiten zeigen Stationen einer imaginären Reise, die von den altmeisterlichen Bildwelten Pieter Bruegels d. Ä. und den düsteren Visionen Piranesis bis in die Straßenzüge Brooklyns führen.

Ausstellungsblick (Foto M. Brandes)

Unbedingt anschauen sollte sich Besucher:in natürlich auch die Stopp-motion-videos hinter dem Vorhang und die tollen skurrilen Schiffsmodelle im hinteren Ausstellungsraum.

Blick in die Ausstellung © Herzog Anton Ulrich-Museum, Kathrin Ulrich

Der Besuch dieser Ausstellung ist wie eine fantastische Weltenreise, ist ein außergewöhnlicher Kunstgenuss und natürlich ein sinnliches und intellektuelles Vergnügen.

Das Begleitprogramm:

So, 26. April, 3. & 10. Mai | jeweils 11:30 Uhr | Künstlerführung Mein Traum vom HAUM

Mit Lothar Osterburg

Do, 30. April | 18:30 Uhr | Vortrag

Wenn Kunst antwortet: Personalisierte Kulturvermittlung mit künstlicher Intelligenz

Mit Prof. Dr. Tobias Dörnbach und Prof. Dr.-Ing. Reinhard Gerndt (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften)

Do, 7. Mai | 18:30 Uhr | Gespräch

Ein Doppelleben: Künstler/Druckgrafiker

Mit Lothar Osterburg und Maria Ondrej (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig)

Ab 24. Mai jeden Sonntag | 11:30 Uhr | Führung Cabinet of Wonders

Sa, 6. Juni, 7. Juli & 1. August | 15 Uhr | Führung

Kulturvermittlung 2.0. Interaktive Museumsführung mit KI

Mit Prof. Dr. Tobias Dörnbach (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften)

Sa, 29. August | 15 Uhr | Kinderprogramm

Der HAUMi-Club entdeckt die fantastische Bildwelt von Lothar Osterburg

https://3landesmuseen-braunschweig.de/herzog-anton-ulrich-museum

https://lotharosterburgphotogravure.com/artist

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