Start Kultur FAZ dreht durch: Braunschweiger Landeskirche Einfallstor für Kremlfreunde!

FAZ dreht durch: Braunschweiger Landeskirche Einfallstor für Kremlfreunde!

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Reinhard Bingener, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in Hannover, schäumt: Die Evangelische Akademie Braunschweig verfolge ein „Moskau-freundliches Programm“, in den großen Kirchen der Evangelischen Landeskirche Braunschweig fänden „regelmäßig Veranstaltungen statt, die auf dieser Linie liegen“. In Bingeners Artikel hagelt es nur so von diffamierenden Ausdrücken: „Putin-Versteher“, „Kremlfreunde“, „Moskau-freundlich“, selbst die „Verschwörungstheorie“ darf nicht fehlen (alle Zitate aus FAZ, 24.4.26).

Was den FAZ-Redakteur stört, empfinden Viele als Bereicherung

Wer sich das Programm der Evangelischen Akademie anschaut, wird schnell feststellen, dass dort Menschen mit sehr verschiedenen, darunter auch sehr unterschiedlichen Anschauungen referieren – anders als Bingener es suggeriert. Aber tatsächlich finden sich auch Veranstaltungen, auf denen Gegenpositionen formuliert werden zu den gängigen Mustern, die in den letzten Jahren in fast allen Medien geboten werden. Diese Gegenpositionen werden von in der Regel außergewöhnlich kompetenten, prominenten Referenten dargestellt: so etwa General a.D. Kujat, immerhin seinerzeit Inspekteur der Bundeswehr; oder Brigadeneneral a. D. Erich Vad, seinerzeit Berater der Kanzlerin Angela Merkel; oder Helmut Hoffmann, langjähriger Diplomat in Diensten des deutschen Staates; oder Günter Verheugen, langjähriger EU-Kommissar (er wird am 9. Mai in der Katharinenkirche sprechen; Bingener stellt ihn übrigens als „Erlers Partner“ vor – keine Rede von seiner wichtigen Funktion, die ihn zum maximal sachkundigen Referenten gemacht hat).

All diese Veranstaltungen zeichnen sich durch eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung aus, was darauf hinweist, dass es bei vielen Menschen das starke Bedürfnis gibt, der Verengung des Meinungskorridors auszuweichen und sich ein eigenes Bild zu machen, anstatt schlicht das zu übernehmen, was in den meisten Medien so frappierend übereinstimmend dargeboten wird (so dass auch in den zahlreichen Talkshows allenfalls ein Teilnehmer von vieren oder fünfen eine abweichende Meinung äußern darf, über den dann die anderen unter Beihilfe des Moderators herfallen). Das Bedürfnis, sich ein eigenes Bild zu machen, drückt sich auch in der dem jeweiligen Vortrag folgenden Diskussion aus, die diszipliniert und in der Regel sachlich erfolgt. Nach unserem Eindruck gehen die meisten Teilnehmer der Veranstaltungen hinterher mit dem Gefühl nach Hause, ihre Zeit sinnvoll genutzt zu haben. Das findet auch seinen Ausdruck in den meist ergiebigen Geldsammlungen am Ende der Veranstaltungen. – Bemerkenswert übrigens, dass die Braunschweiger Zeitung über diese Veranstaltungen trotz des großen Zuspruchs oft Hunderter Bürger nicht berichtet hat (bei einer Ausnahme, die allerdings nicht sehr sachbezogen war).

Bingener kennt die Veranstaltungen nicht aus eigener Anschauung

Aber all das kann Herr Bingener natürlich nicht wissen, denn er war nach unserer Beobachtung auf keiner einzigen der von ihm verleumdeten Veranstaltungen. Dabei ist der Weg von Hannover nach Braunschweig ja nicht so weit.

Die Veranstaltungen wurden übrigens auch keineswegs alle von der Evangelischen Akademie durchgeführt. Wenn wir richtig gezählt haben, wurden drei davon von der Gemeinde der Magnikirche auf den Weg gebracht, eine vom Braunschweig-Spiegel und wieder andere von der Akademie in Zusammenarbeit mit dem Friedenszentrum und dem Braunschweig-Spiegel. Letztere greift Bingener besonders an. Viel hat er dabei allerdings nicht zu bieten. So wirft er dem Braunschweig-Spiegel etwa vor, dass auf der Homepage ein großes Werbebanner für die „Nachdenkseiten“ prange, die Nachdenkseiten gälten als „Plattform zur Verbreitung von Verschwörungstheorien und Kremlnarrativen“. Wer die Nachdenkseiten kennt, weiß, dass das nicht stimmt, aber wer die Nachdenkseiten nicht kennt, kann sich der Manipulation nicht erwehren. Übrigens findet sich das „Werbebanner“ ganz unten auf der Homepage, in trauter Eintracht mit den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, mit „Le Monde Diplomatie“ und mit „Telepolis“, Medien also, die ganz verschiedene Sichtweisen haben. Diesen Pluralismus im Kleinen verschweigt Bingener geflissentlich, ihm kommt es auf Diffamierung an, nicht um sachliche, ehrliche Berichterstattung.

Die Evangelische Landeskirche wie die Akademie haben Herrn Bingener gegenüber erklärt, sie wollten der Pluralität der Perspektiven gerecht werden, träten für einen weltoffenen, toleranten Protestantismus ein und fühlten sich dem Erbe der Aufklärung verpflichtet (daher nicht umsonst der Name „Abt-Jerusalem-Akademie“). Bingener dürfte das nicht gefallen. Sein gesamter Artikel zielt darauf ab, Druck auf die Landeskirche auszuüben: Schluss mit solchen Veranstaltungen! Wir von der FAZ und vielen anderen Medien wissen am besten, wie man die Bürger informiert. Andere, gar gegensätzliche Positionen verunsichern die Bürger nur, gleich wie kompetent und prominent die Referenten sein mögen. Mit Sicherheit stört ihn auch dieses: „Die Leiterin der Akademie hält gleichwohl an der Zusammenarbeit mit den beiden Organisationen fest.“

Wir wollen nicht verschweigen, dass die Landeskirche schon einmal weich geworden ist: sie hat die Veranstaltung mit Michael Lüders zum Thema „Naher Osten“ am 12. Februar abgesagt – unter massivem Druck des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Hannover (wie wir berichtet haben, wurde sie dann aber ohne die Evangelische Akademie durchgeführt).

Nun bleibt abzuwarten, ob die Evangelische Landeskirche dem massiv erhöhten Druck standhalten wird.

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