Start Kultur Wenn Strukturen aufbrechen: Eine überraschende Begegnung im Botanischen Garten

Wenn Strukturen aufbrechen: Eine überraschende Begegnung im Botanischen Garten

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Die Künstlerin Barbara Schulz mit ihren im Torhaus des Botanischen Gartens ausgestellten Werken

Manchmal sind es die ungeplanten Momente, die uns am meisten überraschen.

Am Samstag, den 8. August, war ich eigentlich einfach nur zu einem Spaziergang im Botanischen Garten in Braunschweig unterwegs. Ein bisschen Natur, ein bisschen Ruhe – und eigentlich hatte ich nicht vor, an diesem Tag eine Kunstausstellung zu besuchen.

Doch als ich den Garten wieder verlassen wollte, fiel mein Blick auf das Torhaus. Etwas Buntes, Leuchtendes und irgendwie Einladendes war dort zu sehen. Also blieb ich stehen, ging hinein – und entdeckte eine Ausstellung, die mich nicht nur wegen ihrer Farben und ungewöhnlichen Strukturen sofort neugierig machte.

„Struktureller Aufbruch“ von Barbara Schulz.

An den Wänden begegneten mir intensive Farben, spannende Oberflächen und Strukturen, die man nicht einfach im Vorbeigehen betrachtet. Ich begann, die einzelnen Arbeiten genauer anzusehen. Je länger ich hinschaute, desto mehr Details entdeckte ich.

Und dann hörte ich plötzlich eine Frauenstimme aus einem anderen Raum.

Ich folgte ihr – und stand wenig später der Künstlerin selbst gegenüber.

Aus ein paar Minuten wurden schnell mehr. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns erstaunlich offen – fast so, als würden wir uns schon viel länger kennen.

Barbara Schulz, die in Peine geboren wurde und viele Jahre als Erzieherin gearbeitet hat, erzählte mir, dass Kunst sie eigentlich schon immer begleitet und fasziniert hat. Doch wie es so vielen Frauen passiert, war in verschiedenen Phasen ihres Lebens schlicht kein Raum dafür. Zu viele Anforderungen, zu viel Verantwortung, zu viele Dinge, die gleichzeitig funktionieren mussten.

Bis irgendwann nichts mehr ging.

Eine schwere Depression brachte sie dazu, innezuhalten. Und gerade in dieser schwierigen Zeit fand sie zur Kunst zurück. Das Malen wurde für sie zu einer Möglichkeit, ihre Gefühlswelt auszudrücken und sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen. Ein Prozess, der ihr – wie sie selbst beschreibt – ähnlich einer Therapie geholfen hat.

In ihrem Ausstellungsflyer schreibt sie: „Schon lange faszinieren mich aufbrechende Strukturen.“

Für ihre Arbeiten verwendet Barbara Schulz unter anderem Marmormehl und Sumpfkalk. Dazu kommen Materialien, die sie bei Spaziergängen in der Natur, auf Flohmärkten oder sogar im Baumarkt findet: Totholz, rostige Nägel, Drähte, alte Kaffeesäcke und verschiedene Stoffe.

Was für andere vielleicht Abfall oder längst Vergangenes ist, bekommt in ihren Bildern ein neues Leben.

Und genau das fand ich besonders faszinierend.

Das Unperfekte wird nicht versteckt. Im Gegenteil: Es wird zum Bestandteil der Kunst. Aus Spuren, Rissen, Materialien und Strukturen entstehen neue Zusammenhänge – und Dinge, die vielleicht schon alt oder beschädigt waren, erscheinen plötzlich in einem völlig neuen Licht.

Vielleicht ist genau das auch eine schöne Metapher für das Leben.

Manchmal muss etwas aufbrechen, damit etwas Neues entstehen kann.

Besonders angesprochen haben mich die Arbeiten in Blau- und Türkistönen. Und natürlich musste ich Barbara fragen, was es mit diesen Farben auf sich hat.

Ihre Antwort hat mich sofort zum Schmunzeln gebracht.

Es ist ihre persönliche Verbindung zum Wasser. Etwa alle drei Monate, erzählte sie mir, müsse sie ans Meer. Sie brauche das Wasser, die Weite, die Verbindung zu diesem Element.

Da waren wir uns plötzlich sehr ähnlich. Denn auch ich bin ein ausgesprochener Wasser-Mensch. Ich muss schwimmen, segeln, schnorcheln, am Meer sein. Wasser ist für mich ebenfalls etwas, das Energie gibt und gleichzeitig zur Ruhe bringen kann.

Und so standen wir zwischen ihren Bildern und unterhielten uns über Kunst, das Leben, das Meer und darüber, wie wichtig es sein kann, etwas zu finden, das einem selbst guttut.

Ich war eigentlich nur spazieren gegangen. Und ging mit einer neuen Bekanntschaft und einer ganzen Reihe neuer Gedanken wieder nach Hause.

Genau solche Begegnungen machen für mich den besonderen Reiz einer Stadt aus. Man muss nicht immer gezielt auf der Suche sein. Manchmal reicht es, aufmerksam durch die Gegend zu gehen und sich von etwas Unerwartetem anhalten zu lassen.

Wer also in den kommenden Tagen noch einen Spaziergang durch den Botanischen Garten plant, sollte unbedingt einen Abstecher ins Torhaus machen.

Die Ausstellung „Struktureller Aufbruch“ von Barbara Schulz ist noch bis zum 16. August 2026 in der Torhausgalerie am Botanischen Garten zu sehen. Geöffnet ist sie donnerstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr.

Und wer am kommenden Sonntag, dem 16. August, Zeit hat, kann die Künstlerin bei der Finissage von 12 bis 16 Uhr noch einmal persönlich treffen. Vielleicht entdeckt ihr dabei euer eigenes Lieblingswerk – einige Arbeiten können auch erworben werden.

Mehr über Barbara Schulz und ihre Kunst gibt es auf ihrer Website: www.artofbarbara.com.

Die Informationen zur Ausstellung und zur Finissage findet ihr auch auf der Website der TU Braunschweig.

Vielleicht begegnet ihr dort nicht nur einer interessanten Ausstellung, sondern – wie ich – auch einem Menschen, dessen Geschichte noch lange nachwirkt.

Copyrights: Alle Fotos von Dorothea „Dottie“ Lipinski / Helllove Photography; alle Kunstwerke von Barbara Schulz

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