Noch bis zum 13.09.2026 im Museum für Photographie Braunschweig
Geboren und aufgewachsen in Brooklyn, beginnt Jamel Shabazz Ende der 1970er Jahre, Menschen auf den Straßen New Yorks zu fotografieren.
Brooklyn, Bronx, Queens, West Village, Harlem – seine Fotografien sind visuelle Erzählungen aus dem Leben in oft diskriminierten Stadtwelten. Sie zeigen Lebensfreude und individuelle Selbstbestimmung Schwarzer Menschen. Zudem sind diese Fotos auch ein unschätzbares Archiv in der Betrachtung kultureller Umbrüche und individueller Kämpfe um Würde und Anerkennung.

Die faszinierende aktuelle Braunschweiger Ausstellung „New York Moves and Black Communities“ zeigt als erste Museumsausstellung in Deutschland zentrale Arbeiten und Werkgruppen des in Brooklyn, New York, lebenden Fotografen.

Jamel Shabazz’ Fotografien erzählen Hunderte von individuellen Geschichten. Aber es sind Geschichten nicht nur von individueller Bedeutung. Sie zeigen das Leben auf den Straßen New Yorks aus einer gegenläufigen Perspektive zur klassisch dramatischen, anklagenden Sozial- oder Crime-Scene Photographie. Sie zeigen die Straßen, die Plätze, die Orte der Stadt als Freiraum einer nach Ausdruck und Stil suchenden Selbstdarstellung durch das Erschaffen eigener Moden und prägnanter Posen.

Diese Bilder erlauben uns spannende und berührende Begegnungen in Metros und Wohnvierteln, mit Jugendlichen in Sneakers und lässigem Streetstyle, und dokumentieren damit im Grunde auch das Entstehen neuer, bald weltweiter Modephänomene.
In seinen lebendigen Straßenfotografien begleitet Shabazz ganz natürlich auch die Entstehung der Hip-Hop-Kultur, noch bevor sie überhaupt ein Begriff war, ist beim Aufkommen des Breakdance und der Graffiti-Szene dabei; heute weltweit anerkannte Kunst- und Kulturformen.

Betrachter:in sieht und fühlt es beim Anschauen der Fotos: Stets respektiert Jamel Shabazz seine Motive, seien es Individuen oder Gruppen. Er gibt ihnen mit und durch seine Fotos Würde und Bedeutung, porträtiert im Grunde das Wesen eines speziellen urbanen Lebens – eines Lebens jenseits der Ausgrenzung und getrieben von der Sehnsucht, ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das ist eine außergewöhnlich spannende Ausstellung, die über das Dokumentarische hinausgeht. Sie zeigt Besucher:in nicht nur wie aus subkulturellen Nischen eine weltumspannende Kultur entstand. Man sollte sie sich vor allem auch anschauen, weil Shabazz’ Bilder eine seltene emotionale Kraft besitzen: Sie zeigen uns New York nicht als Kulisse einer Armutsinszenierung, sondern als Bühne von individuellem Stolz und Kreativität.

Titelfoto: Jamel Shabazz, Fly Girl, Brownsville , Brooklyn, NYC 1980 (c) Jamel Shabazz, Courtesy Galerie Bene Taschen, Köln


























