1941 griff der katholische Bischof Clemens August Graf von Galen das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten offen an

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Gedenkstätte Schillstraße. Hier finden die jährlichen Gedenkfeiern zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung, statt. Foto: Hans-Georg Dempewolf

Am 3. August 1941 hielt der katholische Bischof Clemens August Graf von Galen im Dom von Münster eine mutige Predigt, in der er das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten offen angriff. Die als „Aktion T 4“ bezeichnete Tötung von Kranken und Behinderten war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgenommen. Auch aus der Landesheil- und Pflegeanstalt Königslutter wurden seit Mai 1941 Patienten in die Tötungsanstalt Bernburg verlegt. Galens Predigt und zahlreiche andere Proteste veranlassten die Machthaber, das Programm vorerst zu stoppen. Die Tötungsmaßnahmen in den Anstalten wurden dennoch später fortgesetzt.
Wir möchten in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße an die Vorgänge vor 80 Jahren durch die Anbringung neuer Tafeln an der Gedenkmauer erinnern. Eine Tafel weist künftig auf das Mahnmal für Braunschweiger „Euthanasie“-Opfer auf dem Hauptfriedhof hin. Zwei Tafeln erinnern an Hildegard Erika D’Heureuse und Heinrich Waltemate, zwei aus Braunschweig kommende Opfer.
Die Enthüllung findet auf dem Gelände der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße am Dienstag, den 3. August 2021 um 17.00 Uhr statt.
Über die neuen Tafeln sprechen Regina Blume, Projektgruppe „Mahnmal für Braunschweiger NS-‚Euthanasie‘- Opfer“ der Gedenkstätte Friedenskapelle, und Werner Hensel, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten.
Die Tafeln der Gedenkmauer machen auf das Offene Archiv „Braunschweig – eine Stadt in Deutschland erinnert sich“ aufmerksam, das die Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson vor 25 Jahren initiierte. Diese Sammlung im Gebäude wird durch die Übergabe neuer Dokumente erweitert
Wir freuen uns, Sie zu der Übergabe der Tafeln einladen zu können. Leider ist die Teilnahme aufgrund der Pandemiesituation begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um Anmeldung, telefonisch unter 0531 2702565 oder unter mailto:gedenkstaette@schillstrasse.de. Bei andauerndem Regen findet die Veranstaltung nicht statt.

Frank Ehrhardt
Leiter der Gedenkstätte

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