Wiege und Grab des Neoliberalismus

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Screenshot aus dem Film

Film von Gaby Weber

Chile im Ausnahmezustand. Die Geduld ist am Ende. Die Demonstranten fordern ein neues Gesellschaftsmodell. Leider liest und hört man über die Revolte in Chile und deren Hintergründe in unseren Medien kaum etwas.

Viele chilenische Bürger protestieren gegen die soziale Ungleichheit im Land und das neoliberale Wirtschaftssystem, das während der Militärdiktatur eingeführt wurde. Sie protestieren nicht nur auf der Straße, sondern organisieren sich außerdem in sogenannten „Asambleas“ oder „Cabildos“, Nachbarschaftsversammlungen, in denen sie gemeinsam und basisdemokratisch den verfassungsgebenden Prozess vorbereiten. Seit Mitte Oktober 2019 wird in Santiago de Chile jeden Freitag demonstriert. Im ganzen Land wurden dutzende Einkaufszentren abgefackelt, hunderte Polizeireviere niedergemacht, ebenso Büros, Hotels und Banken. Neue soziale Akteure, fern der Parteien und Institutionen, haben die chilenischen Eliten in Angst und Schrecken versetzt. Sie fordern ein neues Gesellschaftsmodell. An den Wänden steht: „Chile war die Wiege des Neoliberalismus und wird hier beerdigt werden“.

Niemand hatte das vorausgesehen, auch nicht die radikale Linke, die gegen die Diktatur bewaffneten Widerstand geleistet hatte. Diese neuen Akteure werden „flaites“ genannt, ein Schimpfwort, am ehesten zu übersetzen mit: Proleten. Es sind Jugendliche aus den Vorstädten oder vom Land ohne Bildung und ohne Zukunft, ausgeschlossen von Sozialprogrammen und den „Wohltaten“ der Marktwirtschaft. Sie kümmern sich nicht um die politisch korrekte Sprachregelung, sind keine Veganer und haben, auch wenn viele Frauen auf den Barrikaden sind, mit traditionellen Feministinnen wenig zu tun. Obwohl sie die Medien als „Chaoten“ und „Randalierer“ bezeichnen, lässt sich die chilenische Mittelschicht nicht abschrecken. Die jungen Leute kämpfen auch für sie, sprechen sie den Journalisten in die Mikrophone. Im Andenstaat ist die Geduld am Ende.

Dieser Film entstand ohne Finanzierung von dritter Seite; Spenden über Paypal: gaby.weber@gmx.net Die Chilenen protestieren gegen die soziale Ungleichheit im Land und das neoliberale Wirtschaftssystem, das während der Militärdiktatur eingeführt wurde. Sie protestieren nicht nur auf der Straße, sondern organisieren sich in Nachbarschaftsversammlungen, in denen sie gemeinsam und basisdemokratisch den verfassungsgebenden Prozess vorbereiten.

Mit dem Abkommen für eine neue Verfassung, das die Regierung am 15. November gemeinsam mit der Opposition beschlossen hat, sind viele der demonstrierenden Bürger nicht einverstanden. Zum einen, weil die Bürger nicht in dem Abkommen berücksichtigt wurden, und zum anderen, weil es zahlreiche Kritikpunkte gibt. Im April soll in einem Referendum darüber abgestimmt werden, ob die Chilenen eine neue Verfassung wollen, und wenn ja, ob diese von einer gemischten Konvention (50 Prozent Abgeordnete und 50 Prozent gewählte Bürger) oder von einer Verfassungskonvention (100 Prozent gewählte Bürger) ausgearbeitet werden soll. Die Regierung weigert sich aber bisher, Quoten für Frauen und für indigene Völker festzulegen. Das vorgesehene Wahlsystem erschwert außerdem die Wahl unabhängiger Kandidaten. Zum youtube-Film

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