Waldpolitik 2022 – von Zuversicht und enttäuschten Hoffnungen

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Autor der Waldbriefe: Karl-Friedrich Weber

55. Waldbrief vom 01.01.2022

„Wenn die Wissenschaft ihren Kreis durchlaufen hat, so gelanget sie natürlicher Weise zu dem Punkte eines bescheidenen Misstrauens, und sagt, unwillig über sich selbst, wie viele Dinge gibt es doch, die ich nicht einsehe.“

(Immanuel Kant)

Als ich im September 2006 nachstehendes Referat hielt, war ich voller Zuversicht. Aus der Niedersächsischen Landesforstverwaltung wurde 2005 der Landesbetrieb Niedersächsische Landesforsten. Es war die politische Phase, in der Institute öffentlicher Daseinsvorsorge möglichst zu Betrieben und in der Ideen möglichst zu Produkten eines Projektes wurden. Effizient und wirtschaftlich sollte alles werden. Heute erkennen wir immer klarer, wieviel Ideologie damals im Spiel war. Ich teilte die Bedenken einer rentabilitätsgesteuerten Beugung von Wirtschaftlichkeit nicht. Die Worte der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vom Mai 2006 überzeugten mich. Heute, 15 Jahre später, muss ich mir eingestehen, dass die damaligen Skeptiker wohl Recht behielten und mein Referat lediglich von der Hoffnung auf Wandlungsfähigkeit geprägt war.

Was ist seitdem geschehen? Das Regierungs-Programm LÖWE – Langfristige Ökologische Waldentwicklung von Niedersachsen von 1991- seinerzeit wegweisend, heute ein mehrfach aufgeweichtes und verbal beliebig deformiertes LÖWE-plus, als „ökologisch fortgeschrieben“ bezeichnet und in den waldgesetzlichen Rang erhoben.

Im Dezember 2021: Keine Mehrheit im Deutschen Bundesrat fand die Empfehlung der Waldstrategie der Europäischen Kommission, wonach sich die Bundesregierung aus Umweltschutzgründen für ein europaweites Verbot von Kahlschlägen einsetzen solle. Ebenfalls keine Zustimmung gab es für die von der Kommission geforderte Vermeidung der flächigen Befahrung der Bestände mit schwerer Forsttechnik.

Meinungsführende Forstwissenschaftler des Clusters Forst und Holz in Kooperation mit den Forst-Chefs der Länder und Privatwald-Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet. Deutschlands frühere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Vertreter der Waldbesitzer in Deutschland hatten die EU-Strategie in den zurückliegenden Monaten als „unausgewogen“ kritisiert. Die wirtschaftliche Bedeutung der Wälder komme zu kurz, so ihr Vorwurf.

Auf meine Anfrage nach dem aktuellen Stand von Forschungen über das flächige Ausmaß der Verdichtungen deutscher Waldböden durch Schwermaschinen, antwortete die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt am 8. Dezember 2021: „Eine fundierte und präzise Beantwortung der Frage nach dem Flächenanteil von Bodenverdichtungen auf deutschen Waldflächen ist nicht abschließend möglich. …“

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