Neuer Anlauf für die Stadtbahn?

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Die Detailaufnahme zeigt in Rot die mit höchster bzw. hoher Priorität bewerteten Trassen, enthalten sind auch alternative Führungen (dünn gestrichelt). Foto: S. Vockrodt

Vor gut einem Jahr sorgte eine so genannte Standardisierte Bewertung“ zur geplanten Stadtbahnerweiterung in Volkmarode für einen kleinen Eklat, in dessen Folge der Rat die Stadtverwaltung mit der Ausarbeitung eines „Stadtbahnkonzepts“ beauftragte. Im September forderte man Bürgerinnen und Bürger der Stadt zur Mitarbeit auf, mehr als 50 Vorschläge gingen bei Stadtbaurat Leuer und seinen Mitarbeitern ein, zum Teil außerordentlich detailliert.

In den folgenden zehn Wochen arbeitete man in der Verwaltung intensiv an der Bewertung der Vorschlägen, woran auch das WVI-Institut von Prof. Wermuth und ein weiteres Ingenieurbüro aus Hannover beteiligt waren. Am 12. Dezember schließlich stellten Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer und seine Mitarbeiter die in die engere Wahl genommenen Vorschläge in einer Bürgerinformation in der Stadthalle Braunschweig vor.

Gut 200 Interessierte verfolgten die Ausführungen und beteiligten sich rege an der anschließenden Aussprache, die von Sachlichkeit und einer grundsätzlich positiven Haltung der meisten Anwesenden zum Stadtbahnausbau geprägt war. Die Vorschläge, die in der engeren Auswahl stehen, sind (s. auch Datei PrioritaetenersteWahl_sv) nichts neues. Ganz oben steht die westliche Innenstadtstrecke, wobei neben der bereits durchgeplanten und prinzipiell planfeststellungsreifen Führung über Gördelinger Straße – Altstadtmarkt – Friedrich-Wilhelm-Platz auch eine Führung entlang der Güldenstraße dargestellt wurde. An den nächsten Stellen folgen der Ausbau der Tram nach Lehndorf und weiter nach Kanzlerfeld und Lamme sowie die Verbindung Hauptbahnhof – Heidberg über die Salzdahlumer Str. Letztere wurde übrigens bereits Ende der 1950er Jahre bei der Planung des neuen Hauptbahnhofs trassiert und bis heute freigehalten.

Während der Debatte wurde auch auf die Verbindung nach Wendeburg eingegangen. Dabei stellte sich heraus, dass in der Kalkulation seitens der Stadt eine komplette zweigleisige Neubaustrecke betrachtet wurde als die Führung auf dem bestehenden und ab 2015 wieder im Güterverkehr befahrenem Gleis. Der Unterschied in den Baukosten zwischen diesen Varianten liegt bei bescheidenen 40 Mio. €uro!

Leider fand die allgemein positive Beurteilung der Arbeit der Bauverwaltung und der beteiligten Institute und Bürger keinen Widerhall in der Braunschweiger Zeitung. Neben teilweise hanebüchenen Unsinn wurde dort auch einem „Anwohner des Madamenwegs“ viel Raum gegeben, der vehement eine evtl. Wiedereinführung der Tram im Madamenweg ablehnte. Dass dieser Anwohner Lokalredakteur der Zeitung ist, vergaß der BZ-Schreiber zu erwähnen …

Für alle, die nicht dabei sein konnten: Am 23. Januar diskutiert das Umweltzentrum ab 19 Uhr im Studiosaal der Brunsviga mit Stadtbaurat Leuer, Michael Walther vom braunschweiger forum und Prof. Christoph Menzel von der Ostfalia, Salzgitter sowie einem Vertreter der Braunschweiger Verkehrs-AG über die Chancen der Stadtbahnerweiterung. Dann geht es nicht nur um die jetzt priorisierten Strecken.

 


Kommentare   
 
0 #3 Olaf Schlüter 2014-02-16 00:41
Im Planungs- und Umweltausschuss wurde letzten Mittwoch ein Antrag gestellt, die Straßenbahnstre cken bezüglich Ökobilanz, ökonomischem Nutzen und der erreichbaren Fahrgäste zu untersuchen.
Der Kommentar verschiedener Parteien (CDU, Grüne, Linke) war, dies wäre ein Stadtbahnverhin derungsantrag, denn wenn man dem Antrag zustimmen würde, bräuchte man das Stadtbahnkonzept gar nicht mehr zu verfolgen. Im Klartext heißt das, alle Parteien gehen davon aus, bei einem Vergleich von Straßenbahn und Bus (insbesondere Elektrobus mit Induktionsaufla dung) würde die Bahn sowohl kostenmäßig als auch von der Ökobilanz her schlechter abschneiden.

 
+1 #2 Daniela 2014-01-16 22:03
Ich bin relativ neu in der Diskussion. Dass die Situation auf der B1 aus Richtung Vechelde nicht mehr tragbar ist, sollte ja klar sein. Da ist die Tram längst überfällig. Zumal wenn man mal betrachtet, dass es in alle Richtungen, z.T. sogar sehr weit eine Tramverbindung gibt. Wer unterstützt den Ausbau speziell in den Westen, bzw. westl. Ringgebiet/Lamme?

 
+1 #1 Bz-Watch 2013-12-23 17:08
Anmerkung zur „Berichterstatt ung“ der BZ: Beide am 12.12. anwesenden Redakteure (Herr Dr. Jonscher offen und Herr Stachura undercover)sind seit Jahrzehnten als vehemente Gegner des (innerstädtischen) Schienenverkehr s bekannt. Sie sind jedoch bar jeder Sachkenntnis und absolut beratungsresistent!

Im angehenden OB-Wahlkampf werden wir von der BZ noch viel Unsinn zu dringend notwendigen (kommunalpolitischen) Maßmnahmen und Zielen lesen, die seit über zehn jahren verschlampt wurden…

P.S.: Die Richtigstellung aus der Stadtverwaltung zu den BZ-Behauptungen in Sachen Umgründung der Verkehrs-AG in eine GmbH spricht Bände, peinlicher kann man als Redakteur seine Dummheit (und miesen Absichten) nicht unter Beweis stellen!
Fröhliche Weihnachten!

 
 

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