Historiker kochen auch nur mit Wasser –

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zu den (bislang weitgehend unbekannten) Lobhudeleien des Groß-Bürgers (und guten Komponisten) Hans Sommer für General Maercker (Kolonialist – Stichwort Völkermord Namibia, schlug in Braunschweig die Novemberrevolution nieder) erging eine erstaunliche Reaktion eines Geschichtswissenschaftlers, die nicht unwidersprochen bleiben kann. 

2018 hatte ich für das städtische Projekt „Vom Herzogtum zum Freistaat – Braunschweigs Weg in die Demokratie“ die Kulturveranstaltung „Was geht Sie der Krieg an?“ durchgeführt. Darin erstmals verlesen und veröffentlicht wurden Briefe Hans Sommers, die die Verehrung für den „Städtebezwinger“ General Maercker zum Ausdruck bringen.  

Hans Sommer Quelle: Wikipedia

Zudem hatte Hans Sommer General Maercker extra einen unrühmlichen Huldigungsmarsch komponiert, der in meiner Veranstaltung zur Uraufführung gelangte.

Und nun: Eine ziemliche derbe Reaktion auf meine Veröffentlichung in der letzten Ausgabe von „unser-braunschweig“ (Ausgabe 24, Seite 8 http://bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/2020_05_18-ub24.pdf ) – verfasst vom Leiter des Stadtarchivs Braunschweig, der zugleich Mitglied des Braunschweigischen Geschichtsvereins ist.

In meiner Erwiderung habe ich mich ausnahmsweise mal auf das Niveau seiner Reaktion eingelassen, die dankenswerter Weise auch schon als Kommentar unter den Beitrag im Geschichtsblog eingestellt wurde. Ein Beitrag, der auch in Zusammenhang mit der aktuellen „Kolonialismus-Debatte“ gesehen werden kann: 

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrter Herr Barnstorf,

    warum Sie reisserisch in dem Artikel der Mai-Ausgabe «Unser Braunschweig» behaupten, der im Umfang marginale Briefwechsel Hans Sommers mit General Maercker würde belegen, «wer Hans Sommer wirklich war», erschliesst sich mir nicht. Vielleicht, weil diese Briefe die einzigen von mehreren Tausend im Hans-Sommer-Archiv in Berlin aufbewahrten Briefe und Briefentwürfe von und an Hans Sommer sind, die Sie je gelesen haben?

    Warum ist «zum Glück» durch Ihre Initiative und der des BIBS «ein Ehrengrab für Hans Sommer» verhindert worden? Warum soll man sich da glücklich schätzen? Ihre Geschichte wäre ja schön, würde Sie stimmen! Aber leider haben Sie bereits einen der zwei Briefentwürfe Hans Sommers an General Maercker, den Sie in „Unser Braunschweig“ zitieren, falsch datiert und so in einen falschen Sinnzusammenhang gerückt. Insofern liegt Herr Dr. Steinführer mit seiner Kritik an Ihrem Umgang mit Quellen nicht so falsch und ist es nicht so schlecht, auch einmal Kritik von renommierten Historikern anzunehmen und diese nicht gleich zu verteufeln. Einen ausführlichen Faktencheck findet man in meinem Kommentar im Braunschweiger Geschichtsblog: https://histbrun.hypotheses.org/2579. Mit freundlichen Grüssen, Hans-Christoph Mauruschat, Verwalter des privat verwahrten Nachlasses Hans Sommers in Berlin

  2. Sehr geehrter Herr Mauruschat,
    reißerisch behaupte ich, der im Umfang marginale Briefwechsel Hans Sommers mit General Maercker würde belegen, „wer Hans Sommer wirklich war“? Nein! Sie reißen mein Zitat damit aus dem Gesamtzusammenhang. Lesen Sie meinen Artikel! Dem Satz „Wer Hans Sommer wirklich war“ folgt, dass er „Mathematik-Professor“ war. Und „Komponist hochromantischer Lieder und Opern.“ Das sind meine Anschlusssätze, die Sie nicht erwähnen. Wenn Sie so wollen, war meine „reißerische“ Absicht in einem Zeitungsartikel (keine wissenschaftliche Arbeit), irgendwelches Interesse bei Leser*innen zu wecken und zu umreißen, um wen es sich bei Hans Sommer überhaupt handelt. Wer kennt schon Hans Sommer? Er ist nun einmal „Spezialthema“. Die Hans-Sommer-Straße kennt man in Braunschweig. Gerade weiß man vielleicht noch, dass er Wissenschaftler war. Aber (ich betone:) guter Musiker und Komponist? Das wissen zu wenige. Hier bin ich mit Ihnen einer Meinung. Die Werke Hans Sommers gehören an die Opern. Sie müssen mehr gespielt werden, weil sie gut sind. Aber die Schatten seiner Person (und da ist es egal, ob er das in tausend oder drei Briefen geäußert hat), seine Lobhudelei zum Kolonialisten und Freikorpsler General Maercker gilt es zu diskutieren. Zum Ehrengrab: Da nehme ich es wie jüngst Christian Thielemann in Bayreuth: „Ich bin kein Grabfetischist“. Auch nicht mit dem von ihm zusätzlich geäußerten „eigentlich“ in Bezug auf Richard Wagner. Ein Ehrengrab wird ihn nicht bekannter machen. Gerne wüsste ich noch, an welcher Stelle ich „falsch datiert“ hätte. Selbst wenn das eine Rolle spielte (denn es ändert nichts an der Haltung Sommers zu Maercker!), muss ich diese Kritik leider (ebenso wie Herrn Steinführers zweitrangige Kritik an angeblich schlechter Quellenkritik) nur als Versuch empfinden, mein Ansinnen insgesamt zu diskreditieren. Zumal ich als Artikelschreiber für eine Zeitung nie in Anspruch genommen habe, eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulegen. Aber angesichts der vielen Briefe in Ihrem Archiv und der Möglichkeit einer weiteren Untersuchung durch die Stadt sollte Hans Sommer sicher näher wissenschaftlich untersucht werden! Das könnte seine Bekanntheit (wie vielleicht auch diese hier öffentlichkeitswirksam geführte Debatte) steigern. Und das sollte doch auch in Ihrem Sinne sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Sebastian Barnstorf

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