Hagenmarkt: Alles auf Null

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Rund zwei Stunden stritt der Rat heute über die Zukunft des Hagenmarkts. Foto: Klaus Knodt

Knapp, aber wie erwartet, endete die Diskussion um den Hagenmarkt in der Ratssitzung vom 11. Mai mit einer herben Schlappe für die Braunschweiger Stadtverwaltung. Die Stadt-Pläne des Baudezernenten dürfen in die Grüne Tonne geworfen werden. Die Planung beginnt wieder bei Null.

Dreieinhalb Jahre nach Planungsbeginn wurde mit 28 zu 24 Stimmen (bei einer Enthaltung) der interfraktionelle Antrag von SPD, Grünen, FDP und P² angenommen. In einem neuen Ausschreibungsverfahren soll die vom Orkan seinerzeit heimgesuchte Grünfläche wieder umgestaltet werden. Weitere Änderungsantrage von CDU, BIBS und Linken erledigten sich durch die Zustimmung zum Antrag.

Als „zynisch und eine Unverschämtheit“ bezeichnete Wolfgang Büchs (BiBS) die vorgelegten Vorschläge der Stadtverwaltung, den Hagenmarkt mittels einer wasserundurchlässigen Decke „puppenhausmässig ausstatten und versiegeln“ zu wollen. Heidemarie Mundlos (CDU) merkte an: „Die … Pläne haben enttäuscht.“

Anke Schneider (Linke) wies darauf hin, dass in ersten Planungen von der Aufstockung auf 50 Bäume die Rede war. Nach den Planungsergebnissen der Verwaltung sagte sie: „Da fühlt man sich doch ein wenig veralbert“.

Selbst SPD-Fraktionschef Christoph Bratmann gab zum Hagenmarkt-Debakel zu bedenken: „Das Prozedere war nicht unbedingt ein Ruhmesblatt, auch nicht für unsere Fraktion.“ Immerhin: „Wir haben ja das Leitbild ‚Steinerne Stadt‘.“ Und da könne er sich „für den Hagenmarkt mehr vorstellen, als jetzt vorhanden ist.“

Bevor die Debatte mit noch blöderen Wortbeiträgen ausuferte, begrenzte sie Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD): „Ich finde, der Prozess ist in eine Sackgasse geraten. Aber wir haben noch andere, wichtigere Themen.“ An die Adresse der CDU richtete er die Ansage: „Es hat, Frau Mundlos, hier in der Stadt eine riesige grüne Lunge gegeben, und das ist jetzt vorbei.“

Denn da steht jetzt ein Einkaufszentrum.

3 KOMMENTARE

  1. Da fragt man sich doch als Leser/-in, warum der Umweltdezernent, Holger Herlitsche, von den Grünen dazu nichts gesagt hat. Klimaschutz, Bäume mit freien Sitzplätzen und Biodiversität sind doch Umweltthemen. Hat er etwa in diesem konstruktiven Streit keine Meinung. Oder hat er als Architekt mit dem Ackers-Büro zusammengearbeitet?

  2. „Wir haben ja das Leitbild ‚Steinerne Stadt‘.“
    Christoph, wir schreiben das Jahr 2021 und befinden uns in einer Klimakatastrophe. Kann es sein, das da mensch vergessen hat, ein altes Leitbild zu korrigieren?
    Ein Blick in’s Wahlprogramm der SPD könnte auch schon etwas helfen…

  3. „Aber wir haben noch andere, wichtigere Themen“,so OBM Markurth.
    Das weiß inzwischen jeder in der Stadt. Trotzdem wünscht er sich ein Planungsverfahren, das vielmehr kosten wird, als den Hagenmarkt mit mehr Bäumen, Blumen, Bänken und Büschen aufzuwerten. Das wollten gestern Ratsmitglieder. Das ist Routinearbeit des Grünflächenamts wie die Sanierung des Löwenwall zeigt.
    Wichtige Themen wie unterlassene Pflichtaufgaben werden so sträflich weiter vernachlässigt.

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