Gedenken an die ermordeten PatientInnen der LHP Königslutter

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Am 19. Mai 1941 – heute vor 80 Jahren – wurden 37 Frauen und 33 Männer, PatientInnen der Landes Heil- und Pflegeanstalt (LHP) Königslutter, ermordet. Daran erinnerten am Mittwoch, dem 19.5.2021 im Laufe des Tages einige Menschen am Mahnmal für die „Euthanasie“-Opfer in Königslutter und legten Blumen nieder.

Die PatientInnen der LHP wurden an diesem Tag mit zwei Bussen (die heute als ‚Graue Busse‘ bezeichnet werden) nach Bernburg in Sachsen-Anhalt gefahren, wo sie sofort (noch am selben Tag) in der dortigen Gaskammer getötet wurden.

Es war der erste Transport der LHP Königslutter im Rahmen der so genannten „Euthanasie-Verbrechen“ im Deutschland des Dritten Reichs, die zentral organisiert wurden aus der Berliner Tiergartenstraße 4 ,– und als „Aktion T4″ genannt in den Landes Heil- und Pflegeanstalten Deutschlandweit durchgeführt wurden.

Bislang stand die LHP Königslutter eher im Fokus als so genannte „Zwischenanstalt“ zur Tarnung und zur Verschleierung der auch nach NS-Recht illegalen Aktion T4. Aber wie nach jüngsten Recherchen herausgefunden, fielen fast ebenso viele eigene Patient/-innen aus Königslutter den Mordaktionen der Ärzte, Juristen und Verwaltungsbeamten zum Opfer.

Die 70 Menschen, deren Ermordung vor 80 Jahren gedacht wurde, waren Menschen aus der Region: Sie stammten u.a. aus Braunschweig, Königslutter, Schöningen, Wolfenbüttel und konnten Nachbarn, Bekannte, Freunde gewesen sein, bis sie psychisch erkrankten und in die Heilanstalt Königslutter kamen.

In der Folge (bis zum Gasmordstopp im August 1941) starben weitere 120 eigene Patient/-innen. 234 Patient/-innen anderer Anstalten kamen nach Königslutter, um kurz darauf in der Tötungsanstalt Bernburg vergast zu werden. So fielen nach den jüngsten Recherchen 424 Menschen dem Gasmord zum Opfer. Und auch noch später, nach dem August 1941 und dem Ende der „Aktion T4″, ging das Töten direkt in der Heil- und Pflegeanstalt durch Medikamente weiter.

Wir haben heute dieser Menschen gedacht, die sich schutzbedürftig, da krank und beeinträchtigt, in der Heilanstalt Königslutter befanden. Die dort von Ärzten, die dem hippokratischen Eid zum Schutz der Kranken verpflichtet waren, als angeblich ‚lebensunwert‘ eingestuft wurden. Und hier aktiv vor Ort zur Ermordung in Bernburg ‚ausgewählt‘ wurden. Die dann -nach den neuesten Erkenntnissen 424 Personen – in der Gaskammer in Bernburg getötet wurden. Die Täter (wie mein Großvater) wurden nie zur Rechenschaft gezogen.

Mit den nun so akribisch recherchierten Namen der Ermordeten können ihre Einzelschicksale und die Erinnerung an ihr Leben, an ihre Existenz, wachgehalten werden. Das ist Auftrag und Verpflichtung gleichermaßen. Ihre Schicksale mahnen uns daran, dass dies nie wieder passieren kann und darf.

Anschließend verlas Götz Van Ooyen vom Staatstheater Braunschweig die Namen der an diesem Tage ermordeten 70 Menschen. Video.

Götz Van Ooyen vom Staatstheater Braunschweig verliest die Namen der an diesem Tage ermordeten 70 Menschen. Fotos: privat.

Am Donnerstag, dem 20.5. um 19h, hält Susanne Weihmann im Rahmen der Vortragsreihe des Friedenszentrums Braunschweig e.V. einen Vortrag mit Buchvorstellung: „80 Jahre Krankenmord im Braunschweiger Land“ (online über www.friedenszentrum.info ).

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