Equal Care Day: Kümmern ist politisch

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Von Marion Lenz, Gleichstellungsbeauftragte für Braunschweig

Kundgebung und Demo am 29.2.2024, 16:00 Uhr Schlossplatz

Überall fehlen Fachkräfte in Betreuung, Pflege, Bildung und zahlreichen weiteren professionellen Fürsorgebereichen. Die Versorgungslücken werden vielfach im privaten und familiären Umfeld aufgefangen. Diese Entwicklung führt zunehmend zu einer Überlastung und zur Erschöpfung der Betroffenen.

Am 29. Februar ist Equal Care Day. Dieser Tag, der nur alle vier Jahre sichtbar ist, soll auf die ungleiche Verteilung von Sorgeverantwortung und auf die geringe Wertschätzung der Sorgearbeit hinweisen. In diesem Jahr ruft die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Marion Lenz gemeinsam mit der Frauenberatungsstelle, ver.di und DGB unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Dr. Thorsten Kornblum zu einer Kundgebung auf. Betroffene Menschen, aber auch Institutionen, Organisationen und Projekte sind aufgerufen, gemeinsam den Sorge-Notstand sichtbar und hörbar zu machen.

Drei Beispiele, stellvertretend für viele andere Sektoren, die bereits ebenfalls – zu Lasten der Betreuten wie auch der Beschäftigten – am Limit sind:

  • 200 000 Vollzeitkräfte fehlen bundesweit in der Pflege, Tendenz steigend, bei gleichzeitig steigendem Pflegebedarf (Berufsverband für Pflegeberufe, 2022)
  • 23 800 Lehrkräfte werden bis 2035 fehlen, prognostiziert die Kultusministerkonferenz. Gleichzeitig soll der Unterricht an Grundschulen ausgeweitet werden.
  • 384 000 Kita-Plätze fehlten 2023 laut Bertelsmann-Stiftung bei einem ebenfalls steigenden Betreuungsbedarf.

Der Frauenanteil liegt in diesen Berufsgruppen bei ca. 80% (z. B. in der Pflege 2022 82%, sowie in der Kinderbetreuung (Kita) 2022 92%). Zudem übernehmen Frauen auch den größten Teil der unentgeltlichen Sorge-Arbeit.

Diese ungerechte Verteilung der Sorgearbeit erlebt zu Krisenzeiten eine zunehmende Verschärfung. Dies zeigte sich gerade in der Corona-Pandemie. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung belegt, dass die erforderlichen Sorge-Tätigkeiten während des Lockdowns in überwiegender Mehrheit von Frauen geleistet wurden, teilweise unter erheblichen, und nicht nur finanziellen Einbußen. Der Studie zufolge haben 27 % der befragten Mütter mit Kindern unter 14 Jahren, aber nur 16 % der Väter aufgrund der zusätzlichen Sorge- und Betreuungsaufgaben ihre Arbeitszeit reduziert.

Um die Hilfesysteme vor einem Kollaps zu bewahren und um Menschen, die Sorgeverantwortung übernehmen, vor der Überlastung, aber auch vor Verarmung und Altersarmut zu schützen, braucht es gesamtgesellschaftlich Lösungsmodelle. Für den hierfür erforderlichen gesellschaftlichen Diskurs soll der Aktionstag ein erster Anstoß sein.

Um 16 Uhr beginnt die Kundgebung auf dem Schlossplatz mit einem Grußwort der Bürgermeisterin Cristina Antonelli-Ngameni und weiteren Redebeiträgen. Im Anschluss ist eine Demo durch die Innenstadt geplant. Um 17.30 Uhr wird die Abschlussveranstaltung im Roten Saal durch Nicole Kumpis, Vorständin des DRK, eröffnet.  Es folgen Impulsvorträge durch Professorinnen der TU Braunschweig. Studierende der HBK werden Care-Clips präsentieren.

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