Dynamik der Eichenurwälder

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Foto: Karl-Friedrich Weber. Dichtstehende ca. 200-jährige Stark-Eichen – ohne Abstandsregulierung und Kronenpflege

38. Waldbrief 29.05.2021

„Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.“

(Richard Feynman, 1918 – 1988, Physiker und Nobelpreisträger)

In den Wäldern der Slowakei, die geographisch in den Westkarpaten liegen, blieb dank des Zusammentreffens verschiedener günstiger Umstände eine bedeutende Menge von Wäldern mit Urwaldcharakter erhalten.
Der Slowakische Forstwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Korpel (ꝉ) begann 1955 an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität in Zvolen mit seinen Mitarbeitern die Erforschung der Urwälder der Slowakei. In Jahrzehnten akribischer Messung und Beobachtung auf über 100 Versuchsflächen in diesem Gebiet, kommen Korpel und Nachfolger zu Erkenntnissen, die eine neue Sicht auf die dynamischen Prozesse in Naturwäldern bewirken.

Korpel schreibt: „Die wichtigste Aufgabe der Forstwissenschaft ist es, die kausalen Abhängigkeiten, Gesetzmäßigkeiten und Prozesse aufzudecken, zu formulieren und zu erläutern, denen zufolge sich die Waldökosysteme entwickeln und erhalten.
….
Eine tiefgründigere Erkenntnis des Waldes führt zu einer größeren Freiheit in der Bewirtschaftung. Wenn feststehende Tatsachen, dynamische Veränderungen und ihre Tendenzen unberücksichtigt bleiben und ignoriert werden, können ungünstige Zustände nicht beseitigt werden, im Gegenteil, sie verschärfen sich noch mehr.“ Sein Postulat als Ergebnis seiner bahnbrechenden Arbeiten lautet: „Die Erkenntnis der inneren Beziehungen, Kräfte und Prozesse ist die notwendige Voraussetzung für die Aufdeckung der
Ursachen des unbefriedigenden Zustandes der Wälder und die Kennzeichnung der Entwicklungstendenzen in der Forstwirtschaft.“
Wenn seine klugen Aussagen von einer nachdenklichen Forstwirtschaft zur Grundlage einer neuen ethischen und naturwissenschaftlichen Handlungsmaxime sowie einer systemischen Waldwende führten, könnten wir erleichtert aufatmen. Danach sieht es gegenwärtig nicht aus. Weiter:

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