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„Ich glaube, die Welt insgesamt ist ganz aus den Fugen geraten, und dabei ist auch Israel vollkommen aus den Fugen geraten.“ Moshe Zuckermann

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Foto: pixabay

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, erscheint demnächst.

Moshe Zuckermann über die zerfallende Demokratie und den Faschismus in Israel, das Mitläufertum als tragende Machtstütze in Israel und im Nazideutschland,  die Militarisierung und die AfD, im Gespräch mit Florian Rötzer.

Florian Rötzer: Wir wollen zuerst über die Situation in Israel sprechen. Israel ist auf eine Nebenbühne geraten. Der Krieg zwischen Iran und USA ist dominant. Wie ist denn die Situation im Augenblick?

Moshe Zuckermann: […] Netanjahu ist in der Bredouille genau aus dem Grund, […] weil Israel aus dem Fokus herausgerutscht ist, unter anderem deshalb, weil Trump vermutlich sehr spät begriffen hat, dass er mit Netanjahus Vorschlag, Iran einzugreifen, in ein Schlamassel geraten ist. Man hat ja nichts erreicht, also weder ist das Nuklearprogramm stillgelegt, noch ist das ballistische Raketenarsenal dezimiert worden oder ist es zum Regime Change gekommen. Trump ist von Netanjahu abgerückt, aber Netanjahu braucht Trump unbedingt, um noch den Kriegszustand aufrechtzuerhalten. Auch jetzt bei dem Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran ist Israel erst einmal beiseite geschoben. Ich habe das Gefühl, und da spekuliere ich im Moment, dass dann, wenn Netanjahu allzu sehr an die Wand gedrückt wird, also, wenn er sieht, dass er dabei ist, die Wahl zu verlieren, noch vielleicht im letzten Moment ein Waffengang lostreten wird. Vielleicht gegen Hamas oder, was näher liegt, im Libanon gegen die Hisbollah. Ich schließe auch nicht aus, dass es auch noch zu einem Waffengang kommen könnte gegen den Iran. Obwohl das das Unwahrscheinlichste ist. […]

Florian Rötzer: Noch mal zurück zur innerisraelischen Befindlichkeit. Ich habe gelesen, dass die Orthodoxen versuchen, vor der Wahl noch einiges durchzusetzen. Es soll etwa ein Gesetzentwurf vorliegen, der den Universitäten gestattet, eine Geschlechtertrennung vorzunehmen. Das wäre ja undenkbar in Westeuropa. Wie kommt so etwas zustande?

„Israel hat nichts mehr mit Europa, mit Aufklärung, mit Demokratie zu tun“

Moshe Zuckermann: Du redest mit mir schon lange genug, um zu wissen, dass Israel nichts mehr mit Europa, mit Aufklärung, mit Demokratie zu tun hat. An der Regierung ist nicht nur der perfide Netanjahu mit seiner manipulativen Politik, sondern das sind also teilweise Faschisten ersten Grades wie Ben-Gvir und Smotrich, also Kahanisten und messianische Faschisten, dazu kommen drei orthodoxe Parteien, die mit dem Zionismus nichts am Hut haben, sondern den Staat Israel nur als eine zu melkende Kuh betrachten. Weil Netanjahu sie in der Koalition braucht, lässt er sich auch als melkende Kuh funktionalisieren.

Das ganze Interview findet sich hier: https://overton-magazin.de/top-story/ich-schliesse-nicht-aus-dass-auch-europa-wieder-in-den-kriegszustand-zurueckkehrt/

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