Götterboten oder Todesengel? Richard Wagners Walküren auf dem Prüfstand
In ihrem Vortrag will die Wagner-Forscherin Dr. Anja Schmickal den wahren Kern der legendären Heldinnen aus dem „Ring des Nibelungen“ entschlüsseln. Sind sie göttliche Kriegerinnen, unbarmherzige Schicksalslenkerinnen oder romantische Opernheldinnen? Im Zentrum des Vortrags steht der Wandel der Walküre von einer mittelalterlichen Schicksalsmacht zur modernen Opernfigur. Dr. Anja Schmickal hat für ihre Forschungen die zentralen Quellen des nordisch-isländischen Mythenkanons – darunter die Lieder- und Prosa-Edda, die Sagaliteratur sowie das Nibelungenlied – tiefgehend analysiert. Ihr Ziel ist es, die ursprünglichen Funktionen und Charakterisierungen der Walküren jenseits moderner und romantisierender Sehgewohnheiten zu rekonstruieren. Besonders im Fokus steht dabei Wagners Meisterwerk: Die Verwandlung der Hauptfigur Brünnhilde von einem bloßen göttlichen Werkzeug hin zu einer verboten Liebenden gilt als Meilenstein. Sie steht paradigmatisch für die tiefgreifende Umdeutung, die diese Figuren im 19. Jahrhundert erfahren haben. Der Vortrag bietet die Gelegenheit, dem Spannungsfeld zwischen mittelalterlicher Überlieferung und Wagners moderner Neuschöpfung nachzuspüren.
Dr. Anja Schmickal, geboren 1969 in Magdeburg, forscht intensiv zu den religiösen und mythologischen Motiven in Wagners Tetralogie. Ihre Dissertationsschrift erschien jüngst als Fachbuch unter dem Titel „Religiöse Kunstdeutung und Kunstreligion. Wagners ‚Der Ring des
Nibelungen‘“ im Tectum-Verlag.


















