27. Internationales Filmfest Braunschweig ehrt Birgit Hein mit Werkschau

Das 27. Internationale Filmfest Braunschweig (05.-10.11.2013) ehrt die Filmemacherin und Performancekünstlerin Birgit Hein mit einer Hommage. Birgit Hein, die als Wegbereiterin des deutschen Underground- und Experimentalfilms gilt, stellt auf dem Festival neun ihrer Filme aus den Jahren 1968 bis 2013 persönlich vor.

Das 27. Internationale Filmfest Braunschweig würdigt mit dem Portrait eine der bedeutendsten Wortführerinnen des europäischen Undergroundfilms und die langjährige Leiterin der Filmklasse der Hochschule der bildenden Künste Braunschweig. „Seit seinen Anfängen in den 80er Jahrenpräsentiert das Filmfest Braunschweig in jedem Jahr die neuesten Arbeiten der HBK-Filmklasse, und wir fühlen uns der Hochschule und ihren Absolventen eng verbunden. Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr diejenige Künstlerin ehren können, die mit ihrem Werk und ihrer Lehrtätigkeit die Karrieren so vieler Experi-mentalfilmer geprägt hat“, so Festivalleiter Volker Kufahl.

Auf dem Filmfest wird der Kunsthistoriker und –kritiker Michael Stoeber aus Hannover in Birgit Heins Werk einführen. Auf dem Programm stehen „Rohfilm“ (1968), „Reproductions“ (1968), „625“ (1969), „Die unheimlichen Frauen“ (1991), „Baby I will make you sweat“ (1994), „Eintagsfliegen“ (1997), „La moderna poesia“ (2000), „Kriegsbilder“ (2006) und die ganz neue Arbeit „Abstrakter Film“ (2013).

Die 1942 in Berlin geborene Birgit Hein studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Köln. Durch die intensive Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst entwickelt sie in den 60er Jahren ein starkes Interesse am Film. Ab 1966 entstehen die ersten gemeinsamen Filme und Performances mit ihrem damaligen Ehemann Wilhelm Hein. Zwei Jahre später ist sie Mitbegründerin von X-Screen in Köln, der ersten Vorführstätte für unabhängige Filme.

Mit ihrem Film „Rohfilm“, einem Meilenstein des Materialfilms, erlangt sie 1968 internationale Aufmerksamkeit. Hein beschäftigt sich in ihren Filmen mit der vermittelnden Präsenz und der Funktion des Filmmaterials. 1971 erscheint ihr Buch „Film im Underground“ über die Entwicklung des unabhängigen Films in Europa und Amerika des 20. Jahrhunderts. Das Buch gilt bis heute als das Standardwerk des Undergroundfilms.

Mitte der 70er Jahre zeigt sich Heins Bedeutung für die Entwicklung einer europäischen Nachkriegs-Filmavantgarde auch durch internationale Retrospektiven ihrer Filme, u.a. im Museum of Modern Art in New York. Hein wird Teilnehmerin an der documenta 5, deren Abteilung für Experimentalfilm sie schließlich gemeinsam mit Wilhelm Hein auf der documenta 6 leitet. Nach weiteren gemeinsamen Arbeiten endet die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Birgit und Wilhelm Hein 1989.

Im folgenden Jahr übernimmt Hein eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK), die kurz darauf zur Professur auf Lebenszeit erweitert wird (Emeritierung 2007). Für ihren ersten eigenen Film dieser zweiten Arbeitsphase „Die unheimlichen Frauen“ erhält sie den Preis der deutschen Filmkritik für den besten Experimentalfilm. Die strukturelle Bildcollage setzt sich mit dem falschen Idealbild von Weiblichkeit auseinander. Das schonungslose Selbstbild der alternden Frau bleibt auch in der Folge Thema ihrer Arbeiten (z.B. „Baby I will make you sweat“), die ebenso persönlich wie politisch sind und immer wieder Tabu-Verletzungen zum zentralen Thema machen. 2007 wird Hein Mitglied der Akademie der Künste.

Pressemitteilung

27. Internationales Filmfest Braunschweig | 05.-10. November 2013
Neue Strasse 8 | 38100 Braunschweig | Germany
terhorst[at]filmfest-braunschweig.de | www.filmfest-braunschweig.de
tel.: +49 (0)531 – 70 220 220 | fax: +49 (0)531 70 220 299

 

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