Wieder Waldvernichtung: Schildbürgerstreich des Planungs- und Umweltausschusses

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Die Tiefe Straße aus Hondelage soll in einer seichten Kurve in die Grasseler Str. einmünden, damit man besser durchrauschen kann. Der Wald muss erhalten bleiben! Foto: Bernhard Piest

Die Start- und Landebahnverlängerung des Braunschweiger Flughafens, die 2012 fertiggestellt wurde, zieht einen Rattenschwanz von Problemen nach sich. Durch das jetzt laufende Planänderungsverfahren soll nicht nur die Kappung der Grasseler Straße zementiert werden, sondern auch ein Waldstück in dem Winkel Grasseler Straße – Beginn Tiefe Straße verschwinden. Da die Haupt-Straßenführung jetzt von Querum nach Hondelage verläuft, ist den Autofahrern offenbar nicht mehr ein rechtwinkliges Abbiegen zuzumuten, sondern der Fahrer soll im sanften Bogen in den Wald Richtung Hondelage einbiegen. Statt Bremse drücken ist Gas geben angesagt. Hindernisse werden nicht geduldet. Konsequenz: Der störende Wald soll abgeholzt werden, ein knapper halber Hektar oder genauer 4191 m². Etwa 1800 m² Waldboden würden unter Asphalt verschwinden.

Was geht verloren? Ein ausgewachsener Mischwald, hauptsächlich mit Kiefern, aber auch mit Eichen und Hainbuchen bewachsen. Er ist Teil des Vogelschutzgebietes V 48 und mit dem Fällen würde ein Revier des Mittelspechtes vernichtet.

Diese Entwicklung ist hinsichtlich Natur- und Klimaschutz nicht zu verantworten. Wer hat den Unsinn verzapft? Ausgearbeitet wurden die Pläne vom Flughafen. CDU, SPD, Grüne, AfD und Piraten haben der Stellungnahme im Planungs- und Umweltausschuss, in der die „Kurvenabflachung“ einen Teil der Flughafenpläne darstellt, als Gesamtpaket zugestimmt und eine entsprechende Entscheidung herbeigeführt, BIBS und Linke stimmten dagegen. Haben alle Unterstützer der Stellungnahme gewusst was sie tun? Das muss bezweifelt werden, schließlich gehören doch Klima- und Umweltschutz zu ihren Schwerpunkten! Gewusst hat es auf jeden Fall die Ausschussvorsitzende Nicole Palm (SPD), denn sie wurde von der stellvertretenden Bürgermeisterin des Bezirks Wabe-Schunter-Beberbach, Tatjana Jenzen, (BIBS) vor der Sitzung gründlich über die Problemlage informiert.

Wie berichtet im BS-Spiegel am 17.3. (Gibraltar-Lösung für die Grasseler Straße nicht unmöglich), muss die Sitzung des Ausschusses wiederholt werden. Fehler können korrigiert werden und das ist in diesem Fall zwingend. Alles andere wäre ein Skandal! Die BIBS hat im Rat einen Vorbehaltsbeschluss beantragt, mit dem dies Thema in den Rat hineingeholt werden soll.

3 KOMMENTARE

  1. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“

    Hier mal ein Auszug aus der gerade laufenden Diskussion auf facebook, nachdem innerhalb der SPD-Klima-Runde entdeckt wurde, dass man (wohl) unwissend der Abholzung eines halben ha hoch geschützten Waldes zugestimmt hat …

    Tatjana Jenzen: Denn sie wissen nicht was sie tun!
    GRÜNE, SPD UND CDU stimmen im Planungs.- und Umweltausschuss für erneute Waldvernichtung im FFH Naturschutzgebiet Querumer Forst, zwecks einer Kurvenabflachung zwischen“ Alter Grasseler Straße und Tiefen Straße.
    Ca 4200 qm Wald würde der kosmetischen Behandlung der Kurvenabflachung zum Opfer fallen.
    1800 qm davon würden versiegelt werden.
    Wie begegnet man Entscheidungsträgern, die offensichtlich nicht wissen, worüber sie entscheiden und leider auch nicht entsprechend nachfragen?
    Die blind einer Verwaltungsvorlage folgen, ohne sich entsprechend zu informieren, welche Folgen ihre Zustimmung hat.
    Wenn Entscheidungsträger behaupten, sie hätten nicht über bestimmte Punkte abgestimmt, obwohl sie dies getan haben,löst das bei mir mittlerweile nur noch Verachtung aus.
    Wenn nicht einmal das Präsentieren der Fakten zu einem Umdenken führt, dann dürfen sich die Damen und Herren im Rat der Stadt nicht wundern, wenn man sie nicht mehr ernst nimmt.
    Zu verurteilen sind allerdings jene, die die Fakten kennen, diese ignorieren und stattdessen einer Parteiräson folgen …

    Antwort von Nicole Palm: Peter, an mir brauchst Du Dich nicht mehr abarbeiten… ich trete nicht mehr an. Das hast Du doch nicht ernsthaft nötig – oder etwa doch? Was willst Du damit erreichen, außer vor Deinem „Gefolge“ gut dazustehen?
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    · 10 Std.

    Peter Rosenbaum
    Du räumst also die obigen Fakten ein und Dir war das aber egal, weil Du sowieso nicht mehr für den Rat antrittst ?

    Antwort von Nicole Palm:
    Jeder weitere Kommentar erübrigt sich…
    viel Spaß
    weiterhin beim Kollegenbashing!

    · 2 Std.

    Steffi Schlensog
    Sehr geehrte Frau Palm, es ist nicht schön, dass sie auf Kritik an ihrem Amt so parieren und das sie Menschen, die sich engagieren als „Gefolge“ betiteln, ganz schwierig… und als Leitung des PLUAS sind sie schon in der Verantwortung, alles unabhängig abzuwägen… und warum bashen sie zurück, wenn sie das so unmöglich finden…

    Hier geht es zur Original-Debatte auf Facebook:
    https://www.facebook.com/peter.rosenbaum.5/posts/3859846510776103?notif_id=1617136873541388&notif_t=comment_mention&ref=notif

    … und nun? ALLES muss noch einmal aufgerollt werden, wenn man abgestimmt hat, ohne etwas zu wissen

  2. Fahrraddemo fällt aus – Bäume vorerst gerettet!
    🙂
    Nach unserem Alarm-Schlagen bei der SPD und bei den Grünen wurde im Klima- und Umweltforum der SPD ihr Fehler erkannt (der Vorlage der Verwaltung zuzustimmen, was die Vernichtung der Bäume bedeutet hätte). Ratsherr D. Kühn hat daraufhin eine Anfrage an die Verwaltung gestellt und zunächst folgende mündliche Zwischeninfo erhalten:

    – „Die 2007 vorgelegte Planung für den Bereich Tiefe Straße/Grasseler Straße wird so nicht weiterverfolgt. Es wird für diesen Bereich ein anderer Vorschlag zur Umsetzung vorgelegt.
    – Der Stadtbezirksrat und PlUA werden in die neue Planung eingebunden.
    – Mit Zustimmung zur Vorlage 20-14885-02 wird keine Vorentscheidung getroffen, wie der angesprochene Kreuzungsbereich tatsächlich gestaltet wird.“

    Damit ist die Verwaltung in dieser Hinsicht zurückgerudert, um ihr Gesamtprojekt zu retten (keine Lösung für die unterbrochene Grasseler Straße finden zu müssen).

    Jetzt fehlt aber noch eine Rücknahme der angestrebten Enteignung der für die Verwaltung unbequemen Familie Jenzen!

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