
„Die Amerikaner sehen, dass die Ukraine in einen failed state abrutscht. Das sagen sie auch ganz offen.“ Die Entwicklung bedeutete nicht, dass alle Strukturen verschwinden: „Es gibt in der Ukraine ziemlich viele Milizen. Und das sind oft recht unappetitliche Milizen, mit Hakenkreuzen auf ihren Armen und so. Die werden die Strukturen übernehmen. Wollen wir das wirklich haben?“
Die große Menge an Waffen und Menschen mit Kriegserfahrung könne nach seiner Einschätzung zusätzliche Probleme schaffen: „Da werden wir ein Land haben, das voller Waffen ist, voller Leute, die irgendwo in Kriegen mitspielen wollen, weil sie nirgendwo anders Geld bekommen.“ Als weiteres Zeichen für einen Zerfallsprozess führt von der Schulenburg die Zahl der desertierten Soldaten an: „200.000 Soldaten sind desertiert. Das ist die offizielle Zahl. Die inoffizielle ist wahrscheinlich viel höher. Das sind ja zwei Armeekorps.“
Die betroffenen Soldaten seien nicht einfach verschwunden, sondern befänden sich weiterhin irgendwo im Land, sagt von der Schulenburg: „Diese Männer, die da abhauen, sind ja irgendwo im Land. Die können sie gar nicht mehr auffangen.“
Das Ziel müsse deshalb aus seiner Sicht sein, zumindest einen funktionierenden ukrainischen Staat zu erhalten: „Ich denke, was wir letztlich machen müssen, um die Ukraine zu retten, ist dafür zu sorgen, dass ein Reststaat, eine funktionierende, souveräne Ukraine übrig bleibt, auch wenn sie 20 oder 25 Prozent ihres Territoriums verloren hat.“
Hinter den geopolitischen und militärischen Fragen stehe für ihn letztlich das Schicksal der Menschen: „Das sind doch Menschen da, die müssen doch irgendwo leben. Ein failed state ist eine schreckliche Sache für die Leute, die dort leben. Da gibt es kein Recht mehr, da gibt es gar nichts mehr.“ Weiter
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