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„NAZA“, der israelische Film

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Von Jan-H. Raabe

‚Naza‘ ist ein hebräisches Kürzel im israelischen Militärjargon und bedeutet Kollateralschaden. Wie im Film erklärt, wird das Wort verwendet als Maßeinheit für Getötete. Eine getötete Zivilperson – sei es Mann, Frau oder Kind – ist ein Naza.

Der Film besteht im Wesentlichen aus anonymisierten Gesprächen mit Militärpersonal nachts auf den Dächern in Tel Aviv. Die SoldatInnen beschreiben Zielerfassungen und Tötungen, aber auch Zielplanung im großen Maßstab in Gaza, in Folge des Angriffs der Hamas vor einigen Jahren, bei dem über 1200 israelische Bürger getötet wurden.

Der Terrorangriff der Hamas löste bei vielen Israelis den Impuls aus, die Hamas praktisch auszulöschen, alle ihre Mitglieder zu töten. Das führte dann dem Anschein nach zu einer Zielplanung, die auch Familienmitglieder erfasste mit Frauen und Kleinkindern,
bis zum Verbleib der Getöteten, die im Kriegsgebiet nicht geborgen und beerdigt werden konnten. Diese Zielplanung dehnte sich aus auf Wartende in den Schlangen der Lebensmittelverteilung und auf unbewaffnete Kinder, die gewisse verbotene Zonen betraten.

Inoffiziell geht es nur noch darum, alle PalästinenserInnen aus Gaza zu entfernen, tot oder lebendig.

Der Schrecken des Films besteht dabei in der unterkühlt wirkenden, sachlichen Beschreibung – angefangen von der systematischen Zerstörung der Wohnviertel, die sortiert werden nach nicht mehr oder immer noch bewohnten Häusern – eine fünfköpfige Familie sind fünf ‚Naza‘.

Spoiler: Erst zum Ende des Films erscheint ein weinender Mann, der in Tümmern versucht seine getöteten Kinder zu bergen – das ist die Wahrheit, die in den Gesprächen vorher nur angedeutet wird: das Leid der Palästinenser.

Ich habe den zweiten Weltkrieg nicht erlebt, aber der historische Zusammenhang liegt auf der Hand. Seien es nun die Fotos der deutschen Städte nach dem zweiten Weltkrieg, woran die Aufnahmen aus Gaza erinnern – genügt es der deutschen Regierung, 70.000 Palästinenser
zu töten für 1200 ermordete Israelis, als Strafe? Als Vergeltung? Als ‚Lehre‘?

Oder seien es die Aussagen der Täter mit ihren Drohnen und ihren Statistiken – in einem Fall nannte einer der Täter „500 Naza“ als Zielplanung. Als Deutscher konnte man sich oft fragen, wie ‚das Böse‘ aussieht – wie Papa oder wie Opa?

Oder wie ein Schatten mit einem Stuhl auf einem Dach in der Nacht in Tel Aviv? Wie es einer der Soldaten sinngemäß formuliert, „man kann Bomben auf Kinder werfen, und danach Psychologie weiterstudieren“. Wer von uns will sich ausschließen von der Möglichkeit zum Täter zu werden für eine ‚gerechte Sache‘?

Und wir müssen diesen SoldatInnen dankbar sein – sie sprechen offen über ihre Taten.

Der Film ist wichtig, weil er uns etwas über Menschen zeigt, und warum wir töten, in Bezug auf Israel und die besetzten Gebiete, für alle Freunde Israels und Palästinas; aber auch in Bezug auf alle Menschen in Vergangenheit und Zukunft.
Wir müssen uns besser verstehen, wir müssen uns ändern, wenn wir weiter existieren wollen.

Ich wünsche diesem Film viele, viele Zuschauer – vielleicht nicht in Schulen, aber viele junge Erwachsene sollten ihn sehen.
Als Aufklärung für die Täter und ihre Verwandten, und als Warnung an alle, die nicht Täter sind.

Auch als Warnung vor einem computergesteuerten militärisch-industriellem Komplex. Am Mittwoch ist abends noch eine Vorstellung im Universum, der ‚Guardian‘ will ihn auf seiner webpage online stellen.

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