Traumatisierte Flüchtlinge in Braunschweig finden Hilfe

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Am Bohlweg 14, gegenüber des Schlossplatzes, befindet sich seit Juni 2019 eine neue Adresse: NTFN e.V., PSZ Braunschweig. Dahinter verbirgt sich das „Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen“, PSZ steht für „Psychosoziales Zentrum“. In diese neue Einrichtung wurden am Mittwochnachmittag (6.11.) Vertreter/-innen des Gesundheitswesens und der Flüchtlingssozialarbeit zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.

Man könnte auch sagen „nachgeholte Eröffnungsfeier“, denn das PSZ begann schon vor einem Jahr ohne großes Aufheben mit seiner Arbeit, zunächst in den Räumlichkeiten des Refugium am Steinweg. Die neuen Räume in der Größe einer Dreizimmerwohnung waren mit Besuchern bis aufs engste gefüllt.

Nach einem schönen Querflötenspiel hielt Frau Loos, Geschäftsführerin des NTFN, eine einführende Ansprache. Aufgabe des Netzwerkes ist es, den Flüchtlingen möglichst rasch eine gute Hilfe anzubieten, und zwar orientiert an der Schwere des Leidens, nicht an bestimmten Zeitvorgaben der Rechtsgrundlagen. Die regulären Therapiemöglichkeiten sind nämlich in den ersten 15 Monaten des Asylverfahrens eingeschränkt. In schweren Fällen kann das Netzwerk dennoch Hilfe vermitteln, z.B. bei notwendigen Psychotherapien. Diese werden von kooperierenden Psychotherapeutinnen durchgeführt, zum Teil in eigener Praxis oder in den Räumlichkeiten des PSZ. Sind die Wartezeiten zu lang, können die Ratsuchenden als schnelle Hilfe an Frauen- oder Männergruppen, Kunst- oder Entspannungsgruppen teilnehmen. Es besteht auch ein Angebot für Kinder und Jugendliche. Viel persönliches Engagement steckt hinter der gesamten Arbeit. Das merkte man auch an den Vorbereitungen dieses Tages, die mit viel Einsatz von freiwilligen Helfern geschultert wurden, wozu z.B. ein hervorragendes orientalisches Büffet gehörte.

Fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen bewältigen die täglich anfallenden Aufgaben in Form von Gesprächen, Therapien und Vermittlungen. Leiterin ist Jenni Schmedt-Barnstorf, Sozialwissenschaftlerin, die darauf hinwies, dass noch weitere Psychiater und Psychotherapeutinnen in der Region gesucht werden, die für Diagnostik und Therapie zur Verfügung stehen. Ungefähr 100 Personen wurden zur Beratung oder Therapie vom PSZ in 2019 aufgenommen.

Sie wird unterstützt von den Psychologinnen Diana Bichert, Mascha Fiebeck, Mersedeh Hashemi und Sabrina Lauenroth, hinzu kommen vier studentische Hilfskräfte. Drei der genannten Mitarbeiterinnen sind auch im AWO-Psychiatriezentrum Königslutter tätig, welches insgesamt eng mit dem PSZ zusammenarbeitet.

Es folgte ein Grußwort von Christos Pantazis, Braunschweiger Landtagsabgeordneter, der sich von Anfang an für das NTFN engagiert. Die Gründung erfolgte 2014 in Hannover, seit 2017 kamen Filialen in sieben weiteren Städten hinzu. Finanziell steht das Land Niedersachsen hinter dem NTFN. Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, beschrieb die innere Haltung der LAB und auch des NTFN mit den Worten, es handele sich um eine „Kultur des Hinschauens“. Auch lieferte er aktuelle Zahlen: Etwa 200 Flüchtlinge treffen derzeit täglich in Niedersachsen ein und werden auf die verschiedenen Standorte verteilt. 80% der Hilfesuchenden im PSZ kommen aus der LAB Braunschweig. Martin Klockgether, Leiter des Fachbereichs Soziales und Gesundheit in Braunschweig, wies auf die Rolle der Stadt hin bei der Bereitstellung von Wohnraum für Geflüchtete, der engen Zusammenarbeit von Gesundheitsamt und LAB sowie der Hilfe bei der Vermittlung von Übersetzern für die Arbeit des PSZ.

Überhaupt, die Verständigung: Die spielt im Umgang mit den Geflüchteten eine große Rolle, denn diese kommen aus etwa 40 Ländern. Übersetzerinnen für Kurdisch, Farsi und Arabisch sind in den Sprechstunden regelmäßig anwesend, bei anderen Sprachen werden Sprachmittler gesondert bestellt.

Mit welchen Problemen kommen die Flüchtlinge in das PSZ? Meist sind es seelische Krankheitssymptome wie Schlafstörungen, Depression, Ängste, Alpträume und Aufflackern von Erinnerungen an das traumatische Ereignis oder auch suizidale Gedanken. Diese Symptome können Zeichen einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“ sein. Eine Behandlung ist sehr wichtig, denn abgesehen von dem Leiden des Kranken ist sie ein erhebliches Integrationshindernis.

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