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Spaltung nach Plan: Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg

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Foto. wikipedia, IWM Q 30040.jpg

Vorbemerkung der Redaktion: Erster Weltkrieg? Haben wir nicht genug aktuelle Probleme? Wieso also dieser Artikel? Es geht um die Haltung der Sozialdemokraten zum Krieg. Viele sind befremdet vom Vorgehen der heutigen sozialdemokratischen Führung, die nach der Pistorius´schen Formel von der anzustrebenden Kriegstüchtigkeit alles tut, um nach Kräften mit vielen Milliarden aufzurüsten, die Spannungen in Europa weiter zu verschärfen und die Diplomatie auf den Müllhaufen werfen. Dieses Vorgehen passt so gar nicht zu dem Bild der sozialdemokratischen Partei, die unter Willy Brandt eine erfolgreiche Entspannungspolitik realisierte. Alte Feindschaften wurden erfolgreich angegangen und aufgelöst, so dass Abrüstung möglich wurde und sogar die deutsche Wiedervereinigung. Die Diplomatie schaffte es wirklich, Berge zu versetzen. – Der folgende Artikel zeigt, dass schon einmal eine tiefe Spaltung der SPD herrschte zwischen Kriegsbegeisterten (!) und Kriegsgegnern. Daraus zu lernen wäre die Aufgabe, die so schwerfällt. Der erste Schritt bestände in der illusionslosen Betrachtung der Realität.

Ein aktualisierter Blick auf die deutsche Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg 

Von Axel Fersen, Erhard-Eppler-Kreis

Uli Schöler beschreibt in seinem Beitrag in den Frankfurter Heften eine aktualisierte Sicht auf die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg. Die lange vorherrschende Deutung, wonach die kriegskritische Minderheit den Weg in die Trennung eingeleitet habe, hält er für falsch. Bis weit ins Jahr 1917 hinein zielten die Kriegsgegner darauf, innerhalb der Partei für einen Politikwechsel zu kämpfen. Betrieben wurde der Bruch von der anderen Seite: Der äußerste rechte Flügel von Partei und Fraktion nutzte den Konflikt, um eine programmatische Radikalveränderung und das Hinausdrängen der Linken zu erzwingen. Erzwungen wurde die Spaltung von rechts, nicht von links.

Organisator dieser Bestrebungen war der Mainzer Reichstagsabgeordnete Eduard David, der eine wachsende Gruppe von Parlamentariern führte, nationalistische und annexionistische Kriegsziele propagierte und die Trennung von den Kritikern um Hugo Haase vorantrieb. Wie weit er sich dabei vom Internationalismus der eigenen Partei entfernt hatte, zeigen zwei seiner Aufzeichnungen. Mit dem Krieg sei „das realistische Deutschland auf der Weltbühne erschienen”, notierte er, dessen wirtschaftliche Kraft und technisches Können offenbare sich auch „in der Leistungsfähigkeit seiner grandiosen Kriegsmaschine”. Nach dem Besuch einer Ausstellung im Reichstagsgebäude hielt er fest: „Welch wunderbare Entwicklung der Einsichten, Methoden und Einrichtungen, um zu retten und zurechtzuflicken, was durch die noch wunderbareren Vernichtungsmaschinen zerfetzt wurde. Beides wird mit der gleichen Hingebung und Begeisterung betrieben.” Der Superlativ steht bei den Vernichtungsmaschinen, das Zurechtflicken der Zerfetzten kommt danach.

Mit der Unterstützung Friedrich Eberts und Philipp Scheidemanns stieg David auf, wurde Anfang 1919 für wenige Tage Reichstagspräsident und danach Minister im Kabinett Scheidemann. Auf der Gegenseite standen fast alle bedeutenden intellektuellen Köpfe der Partei, von Eduard Bernstein über Rudolf Hilferding und Karl Kautsky bis zu Rosa Luxemburg, die meisten von ihnen später in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Die SPD hat ihr Traditionsverständnis gleichwohl lange an der Mehrheitsrichtung ausgerichtet und die Frage des Disziplinbruchs noch Jahrzehnte später mit den Argumenten der Kriegsjahre beantwortet, obwohl ein solches Disziplinverständnis unter den Bedingungen des freien Mandats heute kaum jemandem zu erklären wäre. Willy Brandt hielt 1988 bei der Trauerfeier für Rosi Frölich-Wolfstein dagegen: Die Partei mache sich ärmer, wenn sie ihre historischen Bezüge ohne Not verkürze.

Quelle:

Schöler, Uli: Spaltung nach Plan. Ein aktualisierter Blick auf die deutsche Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg, in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Ausgabe 6/2025, 31. Mai 2025. 

Transparenzhinweis: Für diesen Text habe ich eine KI zur Recherche von Quellen, zur Auswertung von Material, als Sparringspartner bei der Durcharbeitung der Argumente, zur Rechtschreibprüfung, zur Bildgenerierung, für Entwurfsfassungen sowie für eine abschließende Prüfung auf Verständlichkeit und Lesbarkeit eingesetzt. Fragestellung, Einwände, Bewertungsmaßstäbe und die Endfassung stammen von mir. Autor dieses Textes bin ich.

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