Vor 75 Jahren und heute: Wieder deutsche Soldaten an Russlands Westgrenze

1

Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlerdeutschland die Sowjetunion. Der Ostfeldzug, das sog. „Unternehmen Barbarossa“, begann – die Apokalypse schlechthin. 75 Jahre liegt das nun zurück. Der Krieg kannte keine Regeln – es war der gewollte Vernichtungskrieg. Nicht nur 75 Jahre liegen zwischen Kriegsbeginn und heute, sondern auch mindestens 27 Millionen Tote auf sowjetischer Seite, die gezielte Vernichtung von Menschen, der Holocoust, mit etwa 6 Millionen Toten.

Aber dazwischen liegen auch der Wiederaufbau Europas und Deutschlands, Deutschland als geachtetes Mitglied in der Völkergemeinschaft, das Erlassen der deutschen Kriegsschulden, die deutsche Teilung und Wiedervereinigung. Und, das Wichtigste, Frieden in Deutschland.

„Nie wieder Krieg“, so schallt es seit Kriegsende an den Volkstrauertagen über die Gräber der Kriegstoten. Nie wieder Krieg?, oder nur in Deutschland? Wieder so eine Lüge, die wir so reichlich kennen? Vermutlich nur in den NATO-Staaten, denn um uns herum tobt der Krieg. Wir bekamen nur die Flüchtlinge der Kriege zu spüren. Nun nicht mehr, denn die ertrinken im Mittelmeer. Nie mehr Krieg? Na ja, die Toten im Mittelmeer sind ja nicht so richtige Kriegstote. Die gehören in eine andere Statistik. Die Zahlen sind gnädig.

Seit wenigen Tagen stehen deutsche Soldaten wieder an der Westgrenze von Russland, nicht mehr die Sowjetunion. Natürlich verbietet sich jeder Vergleich zwischen damals und heute. Wir sind nun Partner eines Bündnisses freier Nationen und auf Wunsch osteuropäischer Partner, die sich vor den Russen fürchten, stehen wir nun wieder an der Grenze und üben mit den Partnern Krieg.

Sind die Verteidigungsministerin und die Bundeskanzlerin noch ganz bei Trost. Ist uns Deutschen nicht die vornehmste Aufgabe alles zu tun, um den Frieden in Europa zu fördern? So wie z. B. Willy Brandt, der ein geeintes Europa in Frieden vorbereitete. Ist es wieder soweit, dass kalten Krieger/innen kein Einhalt mehr geboten werden kann? Steht Bündnistreue inzwischen für Vasallentreue?

Drittgrößter Waffenexporteur, Krieg wo man hinsieht, 65 Millionen Flüchtlinge weltweit, Tausende ertrinkende Flüchtlinge, und Deutschland übt wieder Krieg. Über die 27 Millionen Tote auf sowjetischer Seite, über diese historische Schuld, wurde in Deutschland nie richtig diskutiert. Waren ja nur Russen, und dann auch noch Kommunisten. Wir standen nun endlich auf der richtigen Seite. Deutschland und die Kriegsteilnehmer waren kaum bereit, sich mit dem Ostfeldzug auseinanderzusetzen. Sollten die Millionen deutschen Söhne und Väter nicht nur sinnlos gefallen sein, sondern auch noch für Verbrecher, auf die sie einen Eid geschworen hatten? Das war uns in der Nachkriegszeit wohl nicht zuzumuten. Wer nicht richtig aufarbeitet, muss Fehler wiederholen. Deutschland ist verantwortlich für Friedenspolitik, und nicht für den Aufbau neuer Feindschaften.

»Der Krieg ist ein besseres Geschäft als der Friede. Ich habe noch niemanden gekannt, der sich zur Stillung seiner Geldgier auf Erhaltung und Förderung des Friedens geworfen hätte. Die beutegierige Canaille hat von eh und je auf Krieg spekuliert.«

Carl von Ossietzky in der Weltbühne vom 8. Dezember 1931

1 Kommentar

  1. Ich stimme dem Verfasser aus tiefster Seele zu.

    Hatte Deutschland – im Gegenzug zur Zustimmung Russlands zur Wiedervereinigung – nicht auch versprochen, dass die Nato NICHT nach Osten erweitert würde?

    Ich habe als Kind die Ausbombung erlebt und oft quält mich der Gedanke, dass so etwas auch meinen Enkeln drohen könnte. Ist es so schwierig, aus der Geschichte zu lernen?

Möchten Sie den Artikel kommentieren

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.