Der höchste französische General Fabien Mandon hat gefordert, dass wir akzeptieren müssen, „dass wir unsere Kinder verlieren“. Die Kirchen in unserem Land gehen noch einen Schritt weiter: sie machen sich bereits Gedanken, in welcher Weise die Überbringen von Todesnachrichten erfolgen solle. Der Satz stammt aus einem sogenannten internen Arbeitspapier der deutschen katholischen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche Deutschlands, in dem beide ganz offen beschreiben, welche „Aufgaben“ in einem kommenden Krieg durch ihre „Seelsorge“ zu erledigen sind.
Man müsse damit rechnen, „dass in Deutschland Kriegsgefangene untergebracht werden“; weiter solle „von einer hohen Zahl an Verwundeten und Gefallenen ausgegangen werden“. Außerdem werde es durch Truppenbewegungen in Deutschland, das im Krieg die Rolle einer logistischen Drehscheibe einnehmen würde, „für die Zivilbevölkerung Einschränkungen in bisher unbekanntem Ausmaß“ geben, die zu „großer Verunsicherung“ führen und für die Kirchen „Betreuungsbedarf generieren“ würden. Zum Thema Überbringen von Todesnachrichten (siehe Überschrift dieses Artikels) wird noch die Frage aufgeworfen, wie diese „seelsorglich begleitet werden kann“. (alle Zitate aus: FAZ, 5.5.26)
FAZ: „Die Kirchen machen sich kriegstüchtig“
Das 26-seitige Arbeitspapier entstand nach Beratungen mit der Bundeswehr und orientiert sich an deren „Operationsplan Deutschland“ . Als Ziel wird die Stärkung der Resilienz angegeben, also der Widerstandsfähigkeit der Kirchen und wohl vor allem der Bevölkerung insgesamt. Dabei wird sogar der Spannungsfall, also die Zeit vor einem Krieg einbezogen. Die FAZ fasst den Vorgang so nüchtern wie zutreffend in der Überschrift „Die Kirchen machen sich kriegstüchtig“ zusammen.
Der normale Christenmensch kann nur erschrecken angesichts der Kaltblütigkeit, mit der die Spitzen der Kirchen genau das unterstützen und vollstrecken wollen, was die Politik vorgibt: Kriegstüchtigkeit heißt das Ziel! Anstatt alles zu tun, was dazu beitragen kann, den kommenden Krieg zu verhindern, anstatt den vielen Millionen Gemeindemitgliedern die Gefahr vor Augen zu führen und sie genau auf die Aufgabe der Verhinderung des Unheils zu konzentrieren, wird der Krieg im eigenen Bereich mit vorbereitet.
Wissen die Kirchen nicht, welches Unheil und welche Gräuel uns im Krieg drohen würden?
Unheil? Gräuel? Vor einem Jahr hat General Vad in einer kleinen Broschüre eindrucksvoll skizziert, was Krieg in Deutschland bedeuten würde. Wir zitieren nur einen kleinen Absatz daraus:
„Dann wird Krieg in Deutschland herrschen. Realer, brutaler, blutiger, grausamer Krieg. Chaos wird regieren. Wirtschaft und Gesundheitssystem werden zusammenbrechen. Unsere Heime werden in Trümmern liegen, wir werden hungern und frieren. Der Staat wird es nicht für uns richten können.“
Vad geht übrigens ebenfalls davon aus, dass Deutschland von Hunderttausenden Soldaten als logistische Drehscheibe auf dem Weg nach Osten genutzt würde. Aber Vad schreibt nicht in fatalistischem Stil; sein Ziel ist, einen solchen Krieg zu verhindern. Deshalb entwickelt er im Anschluss an das Horror-Szenario acht Maßnahmen, durch die dieser Ernstfall abgewendet werden kann. Scheinbar eine paradoxe Situation: der Militär warnt vor dem Krieg, die Kirchen bereiten ihn mit vor! Wissen sie nicht, welche Gräuel uns drohen würden? Ist ihnen nicht klar, wie schnell ein solcher Krieg sich in einen Atomkrieg wandeln würde, der dann wirklich „tabula rasa“ für Europa bedeutete? Sehen sie nicht, dass im Kriegsfall ganz schnell andere über Deutschland und Europa entscheiden würden – und unsere deutschen Politiker einfach zur Seite schieben würden (vielleicht würden sie diese und ihre Familien gnädigerweise noch evakuieren)?
Vatikan: die Möglichkeit eines „gerechten Krieges“ wird immer unwahrscheinlicher
An der Spitze der katholischen Kirche sind diese Erkenntnisse inzwischen angekommen. Nicht umsonst ist der Vatikan Signatarstaat des Atomwaffenverbotsvertrag von 2017. Schon Papst Franziskus hat im selben Jahr gewarnt: „Atomare Massenvernichtungswaffen vermitteln lediglich ein trügerisches Gefühl von Sicherheit und können nicht die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben der Glieder der Menschheitsfamilie sein, das inspiriert sein muss von einer Ethik der Solidarität.“ Der Journalist Tornielli, Verantwortlicher für die Kommunikation des Vatikan, erklärt öffentlich, dass es aus Sicht des katholischen Lehramts angesichts der zerstörerischen Kraft morderner Waffen immer schwieriger geworden sei, überhaupt noch die Möglichkeit eines gerechten Krieges in den Blick zu nehmen (FAZ,18.4.26). Angesichts der jüngsten Entwicklungen der Militärtechnik, etwa von Drohnen und KI-Waffensystemen, seien auch die Päpste „nach und nach zu der Erkenntnis gelangt, dass die Möglichkeit eines ´gerechten Krieges´ immer unwahrscheinlicher“ werde. Der potentielle Schaden durch immense, womöglich autonome Zerstörungskraft gegenwärtiger Waffensysteme mache jeden erhofften Nutzen eines noch so gerechten Krieges zunichte.
Vor diesem Hintergrund versteht man besser, warum die Spitze der katholischen Kirche viel sensibler mit aktuellen Krisen und Kriegen umgeht. So hat Papst Leo unmissverständlich auf die Drohung Präsident Trumps reagiert, er werde die iranische Zivilisation auslöschen. Und schon Papst Franziskus hat sehr frühzeitig eine Arbeitsgruppe im Vatikan tagen lassen, die Friedensvorschläge zum Ukrainekrieg entwickelt hat, u.a. mit Michael von der Schulenburg und Jeffrey Sachs.
„Gott erhört nicht die Gebete derer, die Kriege vorbereiten“
Die Spitzen der deutschen Kirchen scheinen auf diese Erkenntnisse zu pfeifen. Dabei scheint die evangelische Kirche eine besonders forsche Rolle zu spielen. Das letzte Beispiel liefert allerdings der katholische Militärbischof Overbeck, der gerade die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht gefordert hat, und zwar für Männer und Frauen! Er plädiert auch für die deutsche Beteiligung an einem Einsatz in der Straße von Hormus.
Der normale Christenmensch fühlt sich da eher zu Papst Leo hingezogen. „Blicken wir auf Jesus, der sich als König des Friedens zeigt, während um ihn herum der Krieg vorbereitet wird“, sagt Leo, und weiter: „Das ist unser Gott, der das Gebet derer, die Kriege vorbereiten, nicht erhört und es mit den Worten zurückweist: Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht, Eure Hände sind voller Blut.“ (Quelle: FAZ, 9.4.26)
Es wäre gut, wenn die Spitzen der deutschen Kirchen das beherzigen würden, anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, wie man im Kriegsfall den Angehörigen die Todesnachricht überbringen sollte.



























