Vorbemerkung der Redaktion: In der gestrigen Ausgabe der Braunschweiger Zeitung erschien ein bemerkenswerter Leserbrief, den wir mit Genehmigung des Verfassers ein zweites Mal veröffentlichen. Lars Hirsekorn hat ihn verfasst, er arbeitet seit 1994 bei VW Braunschweig und ist Mitglied im dortigen Betriebsrat. Er wendet sich dagegen, „dass die Aktionäre immer mehr auf Rüstung setzen“ und weist darauf hin, dass „die Dividenden nur fließen, wenn das Rüstungsmaterial auch irgendwann verbraucht wird“. Wie fragwürdig ein solcher Kurs ist, haben wir im Braunschweig-Spiegel vor Kurzem ein wenig beleuchtet. Hirsekorn ist übrigens auch Mitglied bei den „Naturfreunden“. Er setzt sich seit Jahren für eine „Verkehrswende“ ein, mit etwa 40 Kolleginnen und Kollegen aus drei VW-Werken zusammen arbeitet er an Überlegungen zu diesem Thema. a.m.
Leserbrief: Keine Mordwerkzeuge produzieren
Es ist bedrückend, dass unsere Aktionäre immer mehr auf Rüstung setzen. Im letzten Tarifabschluss haben wir bei VW die Arbeitszeit verlängert und auf Lohn verzichtet, um die Werke zu sichern und Entlassungen zu vermeiden. Die Aktionäre, insbesondere bei der Porsche SE, waren und sind nicht bereit auf Dividenden zu verzichten. Jetzt werden Monat für Monat Fertigungsumfänge von Volkswagen und MAN in Länder mit schwächeren Gewerkschaften (Ungarn ist quasi gewerkschaftsfrei) verlegt, um die Gewinne zu erhöhen. In der Bundesrepublik werden wir jetzt ständig erpresst: „Entweder Ihr akzeptiert die Rüstung oder Ihr werdet arbeitslos.“ Das ist natürlich die Folge der Regierungspolitik, die bei Bussen und Bahnen immer das Günstigste verlangt, aber in der Rüstung bezahlt, was aufgerufen wird. Viele von uns sagen jetzt aber: „Wir haben doch nicht auf Lohn verzichtet, um jetzt Mordwerkzeuge zu produzieren.“ Wir wissen dabei ja auch, dass die Dividenden nur fließen, wenn das Rüstungsmaterial irgendwann verbraucht wird. Viele von uns sind aber nicht bereit, unsere Kinder in den Krieg zu schicken, um unsere Arbeitsplätze zu „sichern“.
Lars Hirsekorn Mitglied des Betriebsrates bei VW Braunschweig
























Die Neuausrichtung von Firmen anhand profitablerer Geschäftsmöglichkeiten und Trends ist nichts Neues.
Das Problem: Das System korrumpiert Dich! Bei allem, was sonst Tolles in Dir schlummert, bist Du Teil des Systems, nicht der Lenker. Dass Du das System korrumpierst, ist nicht angelegt.
Bei digitalen Geschäftsmodellen erst recht nicht. Diese sind von vornherein als Monopol ausgelegt.
Verteidigung gegen einen Kriegsverbrecher und Aggressor Putin und seine Mafia-Regierung ist dem Herrn Betriebsrat und „Naturfreund“ unbekannt und nicht der Rede wert. Das nennt man Realitätsverweigerung.
Sehr geehrter Kollege? Klein,
selbstverständlich ist mir das nicht unbekannt. Ich habe nur versucht, einen Leserbrief zu schreiben, der auch gedruckt wird. Wenn sie mir eine Doppelseite in der BZ besorgen, werde ich es ausführlicher begründen. Die Realität zeigt aber auch, dass dieser Krieg, hüben wie drüben nicht zu gewinnen ist. Die Gewinner sind diejenigen die die Waffen verkaufen, und die Verlierer sind diejenigen die durch sie sterben und das sind selten die gleichen. Die Politik der letzten 15 Jahre ist leider keine der Deeskalation. Ich denke es wäre nötig gewesen, den ganzen ehemaligen RGW Raum in eine „Neutrale“ Zone zu verwandeln, anstatt die NATO Osterweiterung zu betreiben. Ich hege keine Sympathien für den „Zaren“, sehe aber auch sonst keine Deeskalation. Die Zerstörung Lybiens durch die NATO Truppen hat allen Regierungen der Welt deutlich gemacht, dass das Völkerrecht nichts mehr zählt. Und natürlich hat jeder mittlerweile das Gefühl, dass die Welt nur noch von „durchgeknalten Egomanen“ regiert wird, aber eine Aufrüstung gegen Trump, Netanjahu, Putin und andere Kriegsverbrecher wird nicht dazu führen Kriege zu verhindern und zu gewinnen schon gar nicht. Die Erkenntnis aus den beiden Weltkriegen war die UNO und diese muss wieder an Wert gewinnen. Wenn ich jetzt hier Granaten drehe, wird zwangsläufig, der Spritpreis steigen, der Kindergarten teurer und die Bildung der Kinder bleibt auf der Strecke. Rente Kürzen, Krankenversicherung privatisieren uvm. Butter und Kanonen wird es nicht geben. Mit besten Grüßen Lars Hirsekorn