Start Kultur 8. Mai – war da was? Wie Geschichte vergessen wird.

8. Mai – war da was? Wie Geschichte vergessen wird.

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Foto: R. Faudt

Der 8. Mai wird als Gedenktag für das Ende des 2. Weltkriegs mit seinen geschätzten 60 bis 70 Millionen Opfern nicht mehr ausreichend gewürdigt. Der SPIEGEL veröffentlicht an diesem Datum eine aggressive Titelseite unter dem bedrohlich wirkenden Titel „Operation Germanija. Wie Putins Agenten in Deutschland angreifen.“ Damit wird das Feindbild Putin dramatisch illustriert und eine Atmosphäre der Bedrohung geschaffen. Die Braunschweiger Zeitung ignoriert den Gedenktag völlig.

Als Tag der katastrophalen Niederlage Deutschlands wurde er in den ersten Nachkriegsjahrzehnten in der Bundesrepublik bewertet, bis der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer seiner bedeutendsten Reden diesen Tag zum „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ erklärte, das war am 8.Mai 1985. Man könnte ihn heute auch zu einem Antikriegstag umwidmen und mit einer Mahnung verbinden, zu einer Politik der guten Nachbarschaft, der Entspannung und Völkerverständigung zurückzufinden. Aber unsere Regierenden wollen Russland lieber als Feind für ihre Aufrüstungspläne. Die Hauptlast des Krieges trugen nicht die westlichen Alliierten, sondern die Sowjetunion mit über 26 Millionen Opfern, darunter zwei Drittel Zivilisten. Umso unverantwortlicher muss die Titelseite des SPIEGEL allen Menschen erscheinen, die sich der geschichtlichen Verantwortung Deutschlands bewusst sind. Das gilt sicher auch für die Erklärung unseres Außenministers Wadephul wonach Russland „immer unser Feind bleiben“ werde. Für immer und ewig? Und immer heißt auch für alle Zeiten. Ist ihm bewusst, dass er damit eine Traditionslinie zur Ostpolitik und zum Russlandfeldzug der Nazis zieht? Wie hört sich das in Russland an?

Wer sich dann auf russischer Seite noch an den markigen Spruch von Kanzler Merz erinnert, „Germany is back!“, mit dem er den europäischen Führungsanspruch erhob, der könnte sich nicht zu Unrecht bedroht fühlen durch eine von Deutschland geführte Anti-Russland-Koalition, die mittels massiver waffentechnischer und finanzieller Unterstützung der Ukraine „Russland ruinieren“  (Annalena Baerbock) und unbedingt den Krieg bis zum letzten Ukrainer fortsetzen will. Putins Signale, der Krieg könne bald enden und die Empfehlung Gerhard Schröder als Vermittler zu bemühen, wurden dementsprechend postwendend zurückgewiesen, denn offenbar wollen unsere führenden Eliten tatsächlich einen Krieg mit Russland riskieren, egal was ihre Wähler wollen.

Diese Generation der politischen Elite, gut behütet in den Wirtschaftswunderjahren aufgewachsen und ohne das Echo traumatischer Kriegserfahrungen in ihren Familien, weiß nicht wirklich, welch furchtbare Zerstörungen und welches Grauen und Leid ein Krieg für uns alle  bedeuten würde. Das nämlich kann „Kriegstüchtigkeit“ auch bedeuten, Herr Pistorius!

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