Das Bundesministerium für Verteidigung will eines von 24 Musterungszentren in Braunschweig aufmachen. OB Dr. Kornblum ist begeistert: „Das ist eine großartige Nachricht für unsere Stadt.“ Da für das Zentrum 50 zivile Dienstposten entstehen werden und da ab 14 Dienstposten von einem „Bundeswehrstandort“ gesprochen wird, ist Braunschweig damit Bundeswehrstandort. Zu diesem Vorgang erreichten uns zwei Stellungnahmen. a.m.
BSW: Militarisierung verändert Braunschweig – wir sagen: Nicht mit uns!
Braunschweig. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Braunschweig kritisiert die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums scharf, Braunschweig erneut zu einem Bundeswehrstandort auszubauen und hier eines der neuen Musterungszentren einzurichten.
Während Schulen unter Personalmangel leiden, bezahlbarer Wohnraum fehlt und soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, setzt die Bundesregierung erneut auf Aufrüstung und Militarisierung. Statt in Bildung, Pflege, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt zu investieren, sollen Millionenbeträge in neue militärische Strukturen fließen.
Elke Lücke vom Kreissprecherrat erklärt dazu: „Braunschweig braucht Zukunftsperspektiven für Familien, junge Menschen und Beschäftigte – keine Rückkehr zur Militarisierung des öffentlichen Lebens. Geld für Bildung, soziale Sicherheit und Pflege ist wichtiger als neue Rekrutierungsstrukturen.“
Besonders kritisch sieht das BSW die geplante gesellschaftliche Verankerung militärischer Präsenz. Mit neuen Musterungszentren und verstärkter Werbung der Bundeswehr im öffentlichen Raum drohe eine schleichende Gewöhnung an Aufrüstung, Wehrpflichtdebatten und militärisches Denken.
Karl-Heinz Schmidt ergänzt: „Die Bundesregierung versucht, Kriegstüchtigkeit zur gesellschaftlichen Normalität zu machen. Dem stellen wir uns entschieden entgegen. Sicherheit entsteht durch soziale Stabilität, gute Arbeitsplätze und gesellschaftlichen Zusammenhalt – nicht durch immer neue militärische Einrichtungen.“
Auch Derviş Özçelik, Kandidat für den Wahlkreis 31, Westliches Ringgebiet, warnt vor den gesellschaftlichen Folgen der Militarisierung: „Junge Menschen brauchen Sicherheit durch gute Bildung, faire Chancen und soziale Perspektiven – nicht durch Rekrutierungszentren und zunehmenden Druck zum Militärdienst. Braunschweig sollte eine Stadt des Friedens und des respektvollen Zusammenlebens bleiben.“
Das Bündnis spricht sich klar gegen eine weitere Militarisierung Braunschweigs aus und fordert stattdessen:
* Investitionen in Schulen, Kitas und Krankenhäuser
* Bezahlbaren Wohnraum und sichere Arbeitsplätze
* Eine starke kommunale Infrastruktur
* Friedenspolitik statt Aufrüstung
* Diplomatie und internationale Verständigung statt Eskalation
Braunschweig soll eine Stadt des sozialen Zusammenhalts, der Wissenschaft und des Friedens bleiben – nicht Teil einer neuen Militarisierungspolitik, ergänzt BSW-Pressesprecher Lars Ritter.
GRÜNE: Warnung vor Jubel
Pressemitteilung 08.05.2026, MdL Dr. Andreas Hoffmann
Keine Militärromantik: Hoffmann warnt vor Jubel über Musterungszentrum
Braunschweig, 07.05.2026 – Zur Ankündigung eines Musterungszentrums in Braunschweig erklärt Dr. Andreas Hoffmann, MdL und Sprecher des Kreisverbands Braunschweig von Bündnis 90/Die Grünen:
„Ein Musterungszentrum ist kein Bundeswehrstandort. Es geht um zivile Verwaltungsaufgaben in angemieteten Räumen – nicht um eine Kaserne, nicht um Truppenstationierung und nicht um die Rückkehr Braunschweigs als Garnisonsstadt.“ Hoffmann kritisiert die Jubelrhetorik von OB Kornblum, SPD und CDU deutlich: „Wenn der Oberbürgermeister das als ‚großartige Nachricht‘ feiert, übernimmt er genau das falsche Framing. Er macht aus einem Verwaltungsakt ein politisches Signal für militärische Standortfantasien. Die CDU hat bereits gezeigt, wohin dieses Denken führt: neue Kasernen, Depots und ein militärisches Comeback in der Region.“
Viele Menschen reagierten auf Musterung und Wehrpflicht nicht mit Euphorie, sondern mit Sorge. „Diese Ängste muss ein Oberbürgermeister ernst nehmen, statt sie mit Standortjubel zu übergehen. Sicherheit ist notwendig – gerade angesichts der Kriege in Europa und der Welt. Aber Sicherheit entsteht nicht durch blindes Aufrüsten, Flächenkonkurrenz und militärische Symbolpolitik.“
„Wir als Grüne stehen für eine Sicherheitspolitik mit Augenmaß. Wir nehmen die veränderte Bedrohungslage ernst – aber wir widersprechen entschieden, wenn aus notwendiger Verteidigungsfähigkeit neue Militärromantik und Standortfantasien gemacht werden. Braunschweig braucht eine Stadtpolitik, die zivile Interessen schützt und Ängste ernst nimmt.“
Hoffmann fordert Sachlichkeit: „Die Stadt muss klarstellen: Welche Räume sind betroffen? Welche Folgen hat das? Und wie wird verhindert, dass aus einem Verwaltungsstandort eine Werbekampagne für neue militärische Strukturen wird?“


























