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Diskussionsbeitrag zur EKD-Denkschrift

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Das Foto in der Anlage ist das Fensterbild in der Michaeliskirche in Braunschweig und zeigt Jesus, der einen sterbenden Soldaten segnet. Der Text der auf dem Mahnmal (unterhalb des Kirchenfesters an der Wand eingelassen) zu lesen ist, auf das ich mich im Text beziehe, lautet: „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. (Johannes 15 / 13).

Zur Friedensdenkschrift der EKD 2025 „Gerechten Frieden schaffen in unruhigen Zeiten“ wird demnächst in der Ev. Akademie eine Abendveranstaltung sein. Schon im Vorfeld wurde diese Denkschrift sehr unterschiedlich diskutiert. Bei einer Online-Plattform fand ich einem Kommentar, der nicht an Kritik an der Denkschrift sparte, aber den bemerkenswerten Hinweis brachte: Was man der Denkschrift nicht vorwerfen kann, ist, dass sie Wirklichkeits– und Realitätsfern sei.

Dieser Einschätzung kann ich mich grundsätzlich anschließen, habe aber dennoch 3 Kritikpunkte an der Denkschrift. Im Sinne von Meinungsvielfalt und etwas außerhalb des Mainstreams, will ich hier meine Gedanken dazu äußern, und anschließend auch aufzeigen wie ich zu dieser Meinung komme.

1) Die meines Erachtens notendige Verteidigungsfähigkeit angesichts der neuen Bedrohungslage muss mit gleichen Waffen (Angreifer/Verteidiger) grundsätzlich möglich sein, sonst brauche ich den Versuch der Verteidigung erst gar nicht in den Blick nehmen.

Die rote Linie ist für mich die Atombombe, sind Atomwaffen jeglicher Art. Hier wäre in der Denkschrift eine deutliche Ächtung dieser Waffen und ein Aufruf zur Abschaffung aller Atomwaffen angebracht gewesen.

2) Bei der Verteidigungsfähigkeit sehe ich auch die Gleichstellung von Mann und Frau als notwendig an, wenn auch an manchen Stellen Rücksicht auf die Frau genommen werden muss. Aber zur Verteidigung gehört nicht nur der Dienst an der Waffe. Aber wenn eine Frau auch diese Herausforderung annehmen will, soll sie die Möglichkeit haben.

Nun aber die Wehrpflicht mit der Verankerung von gleicher Familienarbeit von Mann und Frau im Grundgesetz zu fordern, ist eher dem Feminismus geschuldet. Familienarbeit ist statistisch hochstilisiert und eher ein psychologisches Problem, an dem man arbeiten muss – aber nicht in diesem Zusammenhang.

Zunächst geht es bei der Wehrpflicht nur darum, dass Mann und Frau einen Fragebogen erhalten und derzeit nur der Mann ihn verpflichtend ausfüllen und zurücksenden muss. Dieses Ausfüllen, die eigene Meinung, Wünsche, Fähigkeiten und Ablehnung zu formulieren, können Frauen vielleicht sogar besser als Männer. Diese Frauen-Schreib-Pflicht ist keine Überforderung oder Übervorteilung.

3) Der Gaza-Krieg wird in der Denkschrift meiner Ansicht nach verharmlost.

Ich glaube, ein Ausgangspunkt für meine Überlegungen ist tatsächlich die Tschernobyl-Katastrophe – die damals mein bisheriges Lebensgefühl und Lebenseinstellung auf den Kopf gestellt hat.

Damals, als Propsteijugendwart der Propstei Schöppenstedt musste ich überlegen, ob ich ein traditionelles Pfingstzeltlager wegen der Tschernobyl-Radioaktivität in der Luft durchführen kann. Diese Situation beschreibe ich ausführlich hier: https://tschernobylerinnerungen.wordpress.com/2015/10/28/weltuntergangsstimmung/

Durch die Tschernobyl-Katastrophe von 1986 und der folgenden „Tschernobyl-Hilfe“ unterschiedlichster Art bis hin zur Einladung von Tschernobyl-Kindern, Schüler– und Lehreraustausch, Informationsfahrten – und vieles mehr, kenne ich viele Belarus*innen und Ukrainer*innen. Ich habe Freunde in Belarus und in der Ukraine.

Für mich ist der Krieg gegen die Ukraine ein Krieg gegen meine Freunde. Ihnen helfen zu wollen, steht außer Frage. Damit hat der Krieg gegen die Ukraine meine „Christliche Friedenslogik“ auf den Kopf gestellt. Ich will meine Freunde und Freundinnen nicht im Stich lassen. Ich will sie unterstützen mit humanitärer Hilfe, und hoffe auf die politische Unterstützung zur Verteidigung der Ukraine.

Vor dem Krieg gegen die Ukraine, wären mir diese Gedanken nie in den Sinn gekommen.

Ich habe mich auf den Weg gemacht und „jage den Frieden nach“ („Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34,15). Ich suche in der Bibel und suche bei Freunden. Das Bibelstudium führt zu einer Menge von unterschiedlichsten Gesichtspunkten zum Thema „Frieden“. Bei Freunden fand Unterstützung und die Verschriftlichung ihrer Friedenslogik. Eine stattliche Zahl von 19 Beiträgen geben ein buntes „Friedens-Bild“ ab, dass demnächst als Buch erscheinen wird.

In dem Buch wird zunächst der Ausgangspunkt der intensiven Friedens-Suche beschrieben, die durch ein Mahnmal und ein Fensterbild in der Michaelskirche in Braunschweig seinen Anfang nahm. „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. (Johannes 15 / 13). Auf dem Mahnmal folgt der Text: Zum Gedächtnis an die Gefallenen der Kriege 1914-1918 + 1939 – 1945. Im Buch wird beschrieben, wie bei einer Ausstellungbesichtigung in der Michaelskirche plötzlich, fast unvermittelt, dieses Mahnmal auftauchte und zu einem kleinen Streitgespräch führte, danach zu weiteren Gesprächen und Recherchen anregte.

Die Friedensdenkschrift ist als Denkanstoß zu sehen, und kann helfen bei der Suche nach dem Frieden. Frieden ist ein komplexes Thema, das noch mehr in die Öffentlichkeit gehört. Auf die Vorträge und der Diskussion in der Akademie-Veranstaltung bin ich sehr gespannt.

Paul Koch

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