Wasser-„Stoff aus dem die Träume sind“

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Wasserstoff-Tankstelle an der Hamburger Straße 211 (Shell-Tankstelle) Foto: H2-Mobility

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz hat in die politische Landschaft der Vorwahlzeit eingeschlagen und für Klarheit gesorgt. Klar ist: Die Klimapolitik wird nicht nur im Wahlkampf die Themen dominieren, sondern weit darüber hinaus die nächsten Jahrzehnte. Unser Lebensmodell, das hauptsächlich auf Konsum baut, steht zur Disposition. Noch wird uns das Märchen erzählt, dass mit zusätzlichen Windrädern und Fotovoltaik die Probleme lösbar sind. Der propagierte Wasserstoff soll selbstverständlich auch grün hergestellt werden. Der mindestens so wichtige Artenschwund, also der Verlust an Biodiversität, denkt trotz Corona ohnhin kaum jemand. Wer die Überlegungen von Niko Paech nicht kennt zu diesem Themenkomplex, sollte in der neusten Ausgabe der Umweltzeitung Braunschweig zur Postwachstumsökonomie nachlesen. Niko Paech argumentiert aus Sicht der Wirtschaftswissenschaften (auch der linken) weit übertrieben, weil das alles nicht durchführbar ist. OK, aber vielleicht ist das Durchführbare nicht zielführend für das 1,5 Grad-Ziel. Aber nachdenkenswert sind seine Überlegungen, die er vor etwa acht Jahren auch in der Ev. Akademie Abt Jerusalen vorgetragen hat, allemal.

Im Zentrum der deutschen Strategie steht Wasserstoff, für dessen Förderung auch die EU viele Milliarden Euro ausgeben will. Doch ist Wasserstoff eigentlich klimafreundlich? Und falls ja, welcher? Sicher scheint inzwischen zu sein, dass Wasserstoff nur im großen Stil wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann, wie z. B. für LKW, Eisenbahnen und für die Stahlherstellung. Alstom in Salzgitter stellt ja schon mit Wasserstoff fahrende Bahnen her.

Aber es gilt vorsichtig und hoch mißtrauisch zu sein. Zu gerne wird ein Verfahren als klima- oder umweltfreundlich deklariert was sich bei genauem Hinsehen als Gegenteil herausstellt. Insbesondere dann, wenn die Wertschöpfungskette nicht zuende gedacht wurde. Wasserstoff ist der Stoff aus dem Klimaträume sind, aber es kann ein böses Erwachen geben. Insbesondere dann, wenn die Lobbyisten aktiv werden. Und das werden sie.

Ein deutsch-italienisches Team von IRPIMedia und der Correctiv-Redaktion hat recherchiert, wie die europäische Gasindustrie dafür lobbyiert, dass die EU auch Wasserstoff aus Erdgas als nachhaltig einstuft – und weiterhin Steuergelder in klimaschädliche Projekte und Pipelines fließen.

„Blauer“ Wasserstoff: Wie eine mächtige Lobby um ihr Gas kämpft (CORRECTIV)

3 KOMMENTARE

  1. Ja – da versucht gegenwärtig vor allem die Industire-Lobby der alten „Verbrenner“-Technik draufzuspringen, um alte Geschäftsmodelle ein wenig aufzupeppen, aber sonst alles beim Alten zu lassen… aus Wasserstoff Methanol herstellen, der dann in den Verbrennungsmotoren zum Antrieb dienen soll – alles bliebe beim Alten oder jedenfalls nicht so weit weg zum gegenwärtigen Standard und … so schön CO2 neutral, oder?

    Von wegen !

    Nur, was verschwiegen wird: mit der Verbrennung von solchen neuen H2 basierten Kraftstoffen bliebe es ja nicht nur beim CO2-Ausstoß, durch die hohen Temperaturen bei der Verbrennung hätten wir auch wieder die NOx -Probleme zu lösen; davon wird in der Auto-Lobby wohl nur ungern gesprochen.

    Nein, es geht beim Wasserstoff um Energie-Speicher und flexible Abrufbarkeit, wo immer er gebraucht wird, ob nun zum Antrieb (OHNE Verbrennung in Zügen, LKWs und Autos) oder zur Rückverwandlung in Strom oder zur Stahlproduktion, wie aktuell in Salzgitter, wo Wasserstoff in die Stahlschmelze geblasen den bisherigen Koks (zum Entfernen des Sauerstoffs) ersetzen wird – ein echter Meilenstein zur Vermeidung von CO2.

    Wer mehr darüber lesen möchte – gern hier zu Alstom in der Region : http://www.bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/2019_04_18_ub22.pdf

    und zum Thema H2-Einsatz bei der Stahlherstellung – Stichwort „SALCOS“ (Salzgitter-Low- CO2-SteelmakingJ, auf Seite 2 – http://www.bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/2019_11_11_ub23__repariert_.pdf

  2. Um „grünen“ Wasserstoff herzustellen, brauchen wir Unmengen an Wind- und Solarstrom, von dem wir bei Weitem noch lange nicht genug haben, da CDU/SPD/FDP und Co. die Energiewende ausbremsen.
    Die Erzeugung von Wasserstoff mit Hilfe von Strom hat keinen guten Wirkungsgrad, die Rückumwandlung in Strom in Brennstoffzellen auch nicht.
    Insofern können wir über das Thema nachdenken, wenn wir Ökostrom im Überfluss haben. Den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, macht keinen Sinn, außer für die Großkonzerne, die mal wieder mit Greenwashing, Betrug und Lobbyismus versuchen, Ihre Profite auf Kosten von Mensch, Umwelt und Klima zu generieren.

  3. In aller Kürze:

    Worüber redest Du, Ede?
    1. Stahlherstellung: Die Brennstoffzelle findet doch für die CO2-freie Stahlproduktion gar keinen Einsatz. Die Stahlherstellung verursacht momentan rd. ein Viertel der schädlichen CO2-Aussröße ; mit dem Ersatz von Kohlenstoff (Koks) durch Wasserstoff läßt sich das gegen Null verringern.

    2. Stom: Und nun zur Rückverwandlung von H2 in Strom mittels Brennstoffzelle – wo bleibt denn Dein Wirkungsgrad, wenn Windanlagen momentan immer wieder wegen schlechter Steuerfähigkeit der Netze ganz abgeschaltet werden? Warum sollen die Windräder nicht durchgängig laufen und der überschüssige, gerade nicht sofort nutzbare Strom in Wasserstoff gespeichert werden?

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