Hagenmarkt: Grüne und Stadtverwaltung missachten ISEK-Bürgerbeteiligung und -Ratsbeschluss

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Der Hagenmarkt in seiner jetzigen Gestalt (November 2020). Foto: Hans-Georg Dempewolf

Von Friedrich Walz, BIBS-Vertreter im Bezirksrat Innenstadt

Die vorhandene Struktur des Hagenmarktes wurde nach einem preisgekrönten Entwurf eines Landschaftsarchitekten vor 39 Jahren umgesetzt. Eine kleine Parkanlage, die vorbildlich, absolut nachhaltig und denkmalwürdig ist. Der Rat der Stadt Braunschweig hat in seinem grundlegenden ISEK-Beschluss nach intensiver Bürgerbeteiligung festgelegt, dass alle Grünflächen erhalten bleiben und weitere noch angelegt werden sollen. Einigen waren die Bäume („Hagenwald“ – U. Markurth: „Urwald“) ein Dorn im Auge, andere störten die 55 nichtkommerziellen Freisitzplätze um den Brunnen.

Ausgerechnet Die Grünen nahmen den Orkanschaden mit 20 entwurzelten Bäumen im Oktober 2017 zum Anlass den Hagenmarkt neu zu überplanen, bereit seine vorhandene Struktur zu zerstören. Sie „sahen sich dazu in der Pflicht, eilig schon im November 2017 ein Beteiligungsverfahren in Gang zu setzen“. So die Grüne Fraktionsvorsitzende Elke Flake in einer Stellungnahme vom 6. Mai im Braunschweig-Spiegel. Wäre es nicht die Pflicht dieser „ökologischen Partei“ gewesen, zu fordern, den Schaden in der Oase Hagenmarkt so schnell wie möglich durch Nachpflanzung zu beseitigen, wo doch der Hagenmarkt nach der Braunschweiger Klimaanalysekarte die gleichen Klimawerte in der Innenstadt wie der Theater/Museumspark hat?

Herr Stadtbildwächter Hornung führte einige Bürgerbeteiligungen durch und ließ alle Vorschläge aufnehmen. Letztendlich schafften aber nur die Vorschläge die Aufnahme in die Verwaltungsvorlage, die sich in den Vorentwürfen des Büro Ackers ohnehin bereits rudimentär wiederfanden – darunter die Reduzierung der Bäume und der Wegfall der Freisitzplätze um den Heinrichsbrunnen. Dafür sollten laut Ackers 104 kommerzielle Freisitzplätze auf einer wassergebundenen Fläche entstehen – mitten auf dem Platz zu Lasten der Rasenflächen. Eine Planung völlig am derzeitigen und zukünftigen Bedarf vorbei, deren Umsetzung auch noch 3 Millionen € kosten soll.

Der Bezirksrat Innenstadt wie auch der Planungsausschuss beschlossen nach reiflicher Abwägung und Anhörung vieler Beteiligter den Hagenmarkt nach ISEK wieder instand zu setzen – mit einigen Verbesserungen. Kosten dafür geschätzte 100.000 €.

Die Ratsmitglieder wären gut beraten, sich an den ISEK-Ratsbeschluss zu halten und den Beschluss des Planungsausschusses umzusetzen und nicht weiter Geld und Zeit zu verschwenden.

1 KOMMENTAR

  1. Die Sichtweise des Oberbürgermeisters, dass die Politik das Ergebnis der Bürger:innenbeteiligung vom Tisch fegen würde, teilen wir nicht. Aus unserer Sicht ist es genau umgekehrt – die Beteiligung war eine reine Alibi-Veranstaltung und die Politiker:innen haben sich mit ihrem gemeinsamen Änderungsantrag erfreulicherweise in die Richtung der vielfach geäußerten Wünsche der Bürger:innen bewegt (mutmaßlich eine Mehrheit).

    Für mehr Grün und Robinien am Hagenmarkt!
    Online-Petition der BI Baumschutz:

    https://weact.campact.de/p/Hagenmarkt

    Für die Neugestaltung des Hagenmarktes musste die Verwaltung neue Entwürfe erarbeiten. Aus Sicht der Baumschützer:innen entsprechen diese weder dem Auftrag, den sie am 4.11.20 von den Ratsfraktionen erhalten hat, noch den Wünschen aus der Beteiligung der Bürger:innen. „Wir begrüßen, dass sechs Fraktionen die Vorlagen mit einem gemeinsamen Änderungsantrag zurückgewiesen haben. Da viele Bürger:innen jedoch weiter reichende Wünsche haben, mischen wir uns jetzt mit einer Online-Petition in die Diskussion ein“, so Edmund Schultz von der BI. Ihre Forderungen lauten:

    – Erhalt der Robinien (so lange wie gefahrlos möglich, danach Ersatz)
    – mindestens 50 neue Bäume, davon mindesten 25 Robinien zu pflanzen
    – großkronige Bäume zu pflanzen statt kleine und mittlere, wie geplant
    – keine wassergebundene Decke, die bei Trockenheit staubt, bei Nässe matschig wird, Pfützen bildet und den Boden versiegelt
    – insektenfreundlich bepflanzte Baumscheiben, Rasen, viel Grün, weniger Versiegelung
    – mehr Platz und Komfort für den Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV
    – Verlegung der Haltestelle am Bohlweg nach Norden auf den Hagenmarkt für eine kürzere Umsteigebeziehung zur geplanten neuen Ost-West-Haltestelle
    – Verkehrsberuhigung in der Casparistraße und Öffnung für den Radverkehr in beiden Richtungen
    – Tempo 30

    https://weact.campact.de/p/Hagenmarkt

    Baumschützerin Sabine Sambou zu der Absicht, die verbliebenen Robinien zu fällen: „das wurde auf einem ‚Bürgerworkshop‘ respektlos nebenbei kundgetan, aus ‚Gestaltungsgründen‘, als ob die Bäume keinerlei Wichtigkeit für das Klima, das Stadtklima und unser Wohlbefinden hätten. Robinienblüten verströmen einen betörenden Sommerduft. Sie wurden von der Stadt mit Zugversuchen auf ihre Sicherheit überprüft. Sie haben über 50 Jahre lang ALLEN Stürmen widerstanden. Wertvolle alte Bäume kann man nicht neu pflanzen! Mit welchem Recht darf die Stadtverwaltung hier ein weiteres Stück unseres Klimas – unserer Zukunft – zerstören? Angesichts des vierten Dürrejahres in Folge aufgrund der Klimakatastrophe sehen wir überall in den Städten und Wäldern sterbende Bäume. Umso lohnender ist es, Planungen so zu gestalten, dass große Bäume erhalten werden. Sie kühlen und halten das Wasser. Die Hagenmarktrobinien benötigen keine Wassersäcke oder andere Bewässerungsmaßnahmen. Bitte planen Sie Bäume dort, wo Bäume fehlen, nicht dort, wo schon Bäume stehen!“

    Die BI sieht die Bürgerbeteiligung kritisch: „das war eine reine Alibiveranstaltung. Mehrere Bürger:innen und -initiativen haben Ideen und ganze Planungsvorschläge dort eingebracht, wir zum Beispiel „Amphitheater“ und „Hagenwald“. Diese wurden zwar lobend erwähnt, in den Workshops aber komplett ignoriert, wie auch der vielfach vorgebrachte Wunsch nach dem Erhalt der Robinien. Die Rolle der Teilnehmer:innen wurde darauf beschränkt, verschiedene Entwurfsvarianten des Büros Ackers zu diskutieren und zu bewerten. Die Bürger:innenvorschläge wurden überhaupt nicht diskutiert. Viele haben sich deswegen enttäuscht zurückgezogen“ so Edmund Schultz.

    Birgit Huvendieck, OB-Kandidatin der BIBS und aktiv in der BI ergänzt: „auch der mit 92-%-Mehrheit vorgebrachte Wunsch der Bürger:innen nach einer starken Reduktion des Autoverkehrs fand keine Beachtung. Ein Untersuchungsauftrag an das Verkehrsbüro WVI wurde mit einer gegenteiligen Aufgabenstellung erteilt. Die Planung reduziert zwar die Autofahrspuren, erhält aber trotzdem die Leistungsfähigkeit für den Kfz.-Verkehr. Wir haben auch die geplante starke Versiegelung bemängelt und dass zu wenig großkronige Bäume geplant wurden. Außerdem wollen wir, dass die Haltestelle auf dem Bohlweg verlegt wird auf den Hagenmarkt in die Nähe der geplanten neuen Ost-West-Haltestelle. Das alles wurde nicht einmal diskutiert!“

    Die Petition der BI Baumschutz ist zu erreichen unter
    https://weact.campact.de/p/Hagenmarkt

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